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Musik

Kurs in die Utopie - Das Beethovenfest 2010

Unter dem Motto "Ins Offene" präsentiert das Beethovenfest ab dem 10. September innovative und außergewöhnliche Konzerte rund um das Thema "Utopie und Freiheit in der Musik".

Beethoven-Plastik vor der Beethovenhalle Bonn (Foto: Illuscope)

Mit den Worten "Komm! Ins Offene, Freund", beginnt Friedrich Hölderlins Gedicht "Der Gang aufs Land". Das Gedicht wurde um das Jahr 1800 geschrieben und lädt zum Aufbruch an einen in der Zukunft liegenden Ort ein, an dem Konventionen überwunden werden. Der gesellschaftliche Umbruch Anfang des 19. Jahrhunderts ging Hand in Hand mit utopischen Träumen. Der Zeitgeist dieser turbulenten Ära prägte auch Ludwig van Beethoven. In seinen Werken, die nicht selten von politischen Idealen und utopischen Visionen durchsetzt sind, begehrte der Komponist gegen Althergebachtes auf.

In diesem Sinne experimentiert auch das Beethovenfest mit neuen Ideen und innovativen Programmen, um dem Komponisten als visionärem, revolutionären und aufgeklärten Kosmopoliten gerecht zu werden.

Alt und neu

Der Komponist Peter Ruzicka ist Composer in Residence beim diesjährigen Beethovenfest (Foto: Sikorski Verlag)

"Composer in Residence" Peter Ruzicka

Der Weg "Ins Offene" führt über die Neue Musik, und so heißt ein Werk des Komponisten Peter Ruzicka ebenfalls "Ins Offene". Es ist die musikalische Umsetzung von Hölderlins Gedicht. Auf dem Programm steht auch die Uraufführung von Ruzickas Werk "Über die Grenze" – eine Komposition für Violoncello und Orchester mit Daniel Mueller-Schott als Solisten. Ruzicka ist "Composer in Residence" beim Beethovenfest 2010. Neue Kompositionen von Jörg Widmann und Jan Müller-Wieland gaben die Veranstalter ebenfalls in Auftrag.

Vom 10. September bis zum 9. Oktober treten Top-Musiker der Klassikszene in der Beethovenhalle, im Beethovenhaus und an zahlreichen anderen Aufführungsorten in Bonn und Umgebung auf. Dazu gehören die Dirigenten Paavo Järvi, Kent Nagano, Helmuth Rilling, Sir Neville Marriner and Sir Colin Davis ebenso wie die Cellisten Sol Gabetta und Jan Vogler, die Geigerinnen Lisa Batiashvili und Veronika Eberle und etliche weltweit bekannte Orchester. Zum ersten Mal beim Beethovenfest vertreten sind die Staatskapelle Weimar und das New Yorker Kammerorchester "The Knights" (Die Ritter).

Klassik an der Haltestelle

Die Pianistin Gabriela Montero aus Venezuela (Foto: Colin Bell)

Pianistin Gabriela Montero aus Venezuela

Viele der Künstler suchen einen unkonventionellen, neuen Zugang zur Musik. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, seit 2004 "Orchestra in Residence", wird gemeinsam mit Hélène Grimaud das Eröffnungskonzert gestalten. Die französische Pianistin ist in diesem Jahr "Artist in Residence" beim Beethovenfest. Und auch die venezolanische Pianistin Gabriela Montero wird ihr Improvisationstalent erneut unter Beweis stellen. Eine musikalische Utopie hat sich Martin Grubinger einfallen lassen: Er und andere Percussionisten werden in der Beethovenhalle ein Konzert mit Surround Sound-Effekt erzeugen und anschließend im Foyer zu einer musikalischen Latin Lounge einladen.

Die Rockband Bakkushan (Foto: Bakkushan)

Newcomer Rockband Bakkushan

Auch Geiger Daniel Hope geht neue Wege: Zusammen mit der von Bonner Schülern ausgesuchten Rockband Bakkushan tritt er am 18. September in einer Straßenbahnhalle auf. Die ungewöhnliche Idee hat System: Seit 2009 realisiert das "Junge Beethovenfest" gemeinsam mit etablierten Musikern die Einfälle Jugendlicher, um sie als zukünftiges Publikum an die Klassik heranzuführen. Zeitgemäße Video- und Bühneninstallationen sowie Tanzvorführungen machen das Programm für ein junges Publikum attraktiv.

Eine hörbare Utopie

Ein Beispiel für die moderne Umsetzung einer musikalischen Utopie liefert das venezolanische "Sistema", ein äußerst erfolgreiches und umfangreiches soziales Musikprojekt mit Kindern aus einfachen Verhältnissen. Sistema-Gründer José Antonio Abreu ist Schirmherr des diesjährigen Beethovenfestes. Als Visionär macht er dem Motto des Festivals alle Ehre. Am 28. September startet das von ihm initiierte "Teresa Carreño Youth Orchestra of Venezuela" unter Leitung des 26-jährigen Dirigenten Christian Vásquez beim Bonner Beethovenfest seine erste Europa-Tournee.

Der Dirigent Roberto Tibiriçá (Foto: Tibirca)

Dirigent Tibiriçá aus Brasilien

Beim Orchestercampus der Deutschen Welle tritt ein weiteres Jugendorchester mit ähnlichem sozialen Hintergrund auf. Das Sinfônica Heliópolis wurde 1996 im gleichnamigen Stadtviertel in São Paulo gegründet. 80 junge Musiker werden am 4. Oktober das Werk "Cidade do Sol" (Sonnenstadt) des brasilianischen Komponisten André Mehmari zur Uraufführung bringen. Es wurde von der Deutschen Welle für das Beethovenfest in Auftrag gegeben.

Nicht nur Beethoven

Im 200. Geburtsjahr Robert Schumanns erforscht das Beethovenfest auch die zahlreichen Facetten dieses Komponisten. Insgesamt umfasst das Programm 67 Konzerte, das Symposium "Utopie und Freiheit in der Musik" sowie Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Filme und Workshops. Die Finanzierung des Beethovenfestes erweist sich auch in der Weltwirtschaftskrise alles andere als utopisch. Die finanzielle Unterstützung der Stadt Bonn bleibt erhalten und wird im nächsten Jahr sogar erhöht. Dazu kommen Fördergelder mehrerer Sponsoren und Medienunternehmen.

Auch in diesem Jahr stellt Ihnen die Deutsche Welle als Medienpartner des Beethovenfestes eine reiche Auswahl an Konzertaufnahmen zum freien Download oder als Podcast zur Verfügung. Unter www.dw-world.de/beethoven oder bei iTunes.

Autor: Rick Fulker

Redaktion: Gudrun Heise

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