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UN-Generalversammlung

Kuriose Momente der UN-Generalversammlung

Was haben ein Schuh und ein Bild in einer Kirche mit internationaler Politik zu tun? Sieben Anekdoten vom alljährlichen Treffen der mächtigsten Menschen der Welt.

Bildergalerie UN Gaddafi Rede will nicht enden (STAN HONDA/AFP/Getty Images)

Oberst Muammar al-Gaddafi hält sich nicht an das 15-Minuten Limit

1. Eins nach dem anderen, aber das Wichtigste zuerst

Seit 1955 spricht Brasilien in der jährlichen Vollversammlung der Vereinten Nationen zuerst. Der Grund: Nachdem das Land zu Beginn zweimal hintereinander den Vorsitz innehatte, wurde es einfach Tradition. Einen festen Ablaufplan gibt es ohnehin nicht - außer dass die USA als Gastgeberland traditionell als zweites sprechen. Vorausgesetzt natürlich, sie sind anwesend. Als sich der damalige Präsident Barack Obama letztes Jahr verspätete, stand Tschads Präsident Idriss Deby früher als erwartet die Bühne offen.

Vijaya Lakshmi Pandit indische Politikerin (Getty Images/Keystone/Hulton Archive)

Vijaya Lakshmi Pandit bei einer Rede vor der UN-Generalversammlung 1946

2. Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung?

Wer auch immer als erstes die Bühne betritt, muss vorher das Statement des Präsidenten der Generalversammlung abwarten. 1953 hatte dieses Amt zum ersten Mal eine Frau inne: Vijaya Lakshmi Pandit als Delegierte Indiens. Ziemlich fortschrittlich, wenn man bedenkt, dass erst sieben Jahre später mit Sirimavo Bandaranaike in Sri Lanka zum ersten Mal weltweit eine Frau Regierungschefin wurde. Leider haben es seitdem nur zwei weitere Frauen ins Präsidentenamt geschafft - dafür aber 70 Männer.

3. Eine Menge Geduld ist gefragt

Reden vor der Generalversammlung dauern in der Regel - und im Sinne aller - 15 Minuten. Damit sich daran jeder hält, erinnern sogar Warnlichter auf der Bühne den Redner an das Zeitlimit. Der ehemalige Herrscher Libyens, Muammar al-Gaddafi, sah diese wohl eher als grobe Richtlinie. Jedenfalls sprach er bei seinem ersten Auftritt vor der Generalversammlung 2009 ganze 96 Minuten. Damit bleibt er immer noch weit hinter Fidel Castro zurück: Der damalige kubanische Premier hielt die längste jemals aufgezeichnete Rede. Sie dauerte vier Stunden und 29 Minuten.

UN Generalversammlung 1979 in New York | Fidel Castro, Staatschef Kuba (picture-alliance/dpa/Arnie Sachs/Consolidated)

Überzog schon mal seine Redezeit: Kubas Staatschef Fidel Castro

4. Das war's, wir gehen.

Wenn 193 Länder aufeinander treffen, kann es schon mal zu Meinungsverschiedenheiten kommen. So wie 2010, als der damalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine Schimpftirade gegen den Westen losließ. Delegierte aus Europa und den USA wollten sich das nicht länger anhören und verließen kurzerhand den Saal. Abgänge dieser Art sind nicht unüblich in der Generalversammlung. Erst letztes Jahr äußerte auf diesem Weg eine ganze Gruppe von südlichen Ländern ihre Missbilligung während einer Rede des brasilianischen Präsidenten Michael Temer. Sie hatten ihm vorgeworfen, unrechtmäßig durch einen Staatsstreich ins Amt gekommen zu sein.

5. Politischer Knall - oder doch nur Legende der UN?

Aus dem Raum gehen ist eine Sache. Wutentbrannt mit seinem Schuh auf den Tisch einzuschlagen, eine andere. Doch genau das wird dem damaligen sowjetischen Premier Nikita Chruschtschow vorgeworfen. Bei einer antisowjetischen Rede eines philippinischen Delegierten 1960 soll er auf diesem Weg seinen Protest kundgetan haben. Seitdem gilt sein Gefühlsausbruch als Metapher für den Kalten Krieg. Doch ist die Geschichte überhaupt wahr? Augenzeugen verstricken sich in widersprüchlichen Aussagen, Filmaufnahmen sind nicht auffindbar. Womöglich hat er seinen Schuh nur drohend geschwungen? Chruschtschows Enkelin schrieb jedenfalls 2000, dass ihre Familie der Ansicht sei,  er habe tatsächlich mit seinem Schuh auf den Tisch eingehämmert.

USA Nikita Chruschtschow spricht vor der UN Vollversammlung 1960 (picture-alliance/UPI)

Der sowjetische Premier Nikita Chruschtschow 1960: Hier droht er den UN mit der Faust, nicht dem Schuh

6. Produktplatzierungen

Warum die politische Bühne nicht mal für Werbezwecke nutzen? Das dachte sich vermutlich der ehemalige venezolanische Präsident Hugo Chavez bei der Generalversammlung 2006. In der gleichen Rede, in der er vom US-amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush als "dem Teufel" sprach, schwang er ein Buch des linken Schriftstellers Noam Chomsky und forderte die Anwesenden auf, es zu lesen. Das Werk mit dem Titel "Hegemony or Survival: America's Quest for Global Dominance", das bereits drei Jahre zuvor veröffentlicht wurde, wurde augenblicklich zum Bestseller.

USA Hugo Chavez spricht vor der UN Vollversammlung 2006 (picture-alliance/dpa/J. Szenes)

Der venezolanische Präsident Hugo Chavez empfiehlt der Generalversammlung das Buch von Noam Chomsky

7. Aller Anfang ist schwer

Bevor New York 1952 zum Hauptquartier der UN-Generalversammlung wurde, tagte diese jedes Jahr in einer anderen Stadt. Bei ihrer ersten Zusammenkunft 1946 fiel die Wahl auf die Westminster Central Hall in London, eine Methodistenkirche gegenüber der Westminster Cathedral. Das Emblem der Vereinten Nationen, eine Weltkarte eingerahmt von Olivenzweigen, hing provisorisch an der Wand - allerdings falsch herum. Trotz dieses kleineren Zwischenfalls waren die Delegierten der 51 anwesenden Nationen so dankbar für die Räumlichkeiten, dass sie schließlich per Abstimmung beschlossen, den Neuanstrich der Wände zu finanzieren.