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Europa

Kuriose Kandidaten bei der Europa-Wahl

Grau, langweilig und büro-geblässt - so stellt man sich in der Regel Parlamentarier vor. Das es auch anders geht, zeigt die Kandidaten-Liste zur Europawahl.

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Erotik-Queen Dolly Buster kandidiert für das Europaparlament


Wenn Nora Bochnickova demnächst durch die lichtdurchfluteten Flure des Europäischen Parlaments gehen sollte, dürfte sie sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen. Denn einen mausgrauen Hosenanzug trägt sie nicht, sie bevorzugt weit ausgeschnittene, rote Kleider und färbt ihr Haar wasserstoffblond. Die 34-jährige Tschechin kennen die meisten unter ihrem Künstlernamen "Dolly Buster". Der einstige Erotik-Star will Farbe ins Europäische Parlament bringen. Sie kandidiert für die tschechische Partei "Nezavisle Iniciativy", die "Unabhängige Initiative" und setzt dabei auf Inhalt statt Erotik:

"Ich möchte für die Tschechen erreichen, dass sie die Bürokratie etwas vereinfachen", erklärt Bochnickova. "Es ist so, dass mich 98 Prozent der Deutschen kennen. Ich weiß, das mir das bei den Wahlen eventuelle helfen kann."

Buster mit wenig Chancen

Während Wahlforscher Nora Bochnickova und ihrer Partei wenig Chancen einräumen, sieht es für Lilli Gruber sehr gut aus. Die bekannteste Fernseh-Journalistin Italiens ist die Spitzenkandidatin von Romano Prodis Mitte-Links-Liste. Man nennt sie in ihrer Heimat wegen ihrer knallroten Haarpracht liebevoll "la rossa". Weil sie Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit seinem Medien-Imperium eine "Gefahr für die Demokratie" nannte, verlor sie ihren Job beim Staatssender RAI. Und avancierte gleichzeitig zur Kultfigur der Linken in Italien.

Die 47-Jährige setzt sich für ein starkes Europa ohne Pressezensur ein: "Ich bin als Südtirolerin zweisprachig aufgewachsen und lebe seit vielen Jahren in mehreren Kulturen. Und ich kann nur sagen, dass ich ein Stück Europa verkörpere." In Europa wolle sie sich für die Erhaltung der Meinungsvielfalt einsetzen und der Pressekonzentration den Kampf ansagen.

Fünf Veranstaltungen täglich

Lilli Gruber rennt täglich zu fünf Wahlveranstaltungen. Neben ihrer Medienkritik warnt sie auch vor den nationalistischen Strömungen in Europa: von polnischen Bauernparteien, die ihr Land, das gerade erst der EU beigetreten ist, wieder austreten lassen wollen; oder von britischen Populisten, die gegen die Staatengemeinschaft wettern.

Zu den EU-Feinden zählt auch die deutsche NPD. Dennoch hat die Partei eine Liste mit Kandidaten für das EU-Parlament aufgestellt. Listenplatz Nummer eins hat der Bundesvorsitzende der NPD, Udo Voigt. "Wir sagen in erster Linie der Globalisierung den Kampf an. Wir wollen die Europa-Politik dazu nutzen, der Bevölkerung zu zeigen, dass es eine Alternative zu dem EU-Europa gibt", so Voigt. "Und diese Alternative heißt: eine nationale Volkswirtschaft. Diese Alternative heißt: die Wiedervereinführung der D-Mark. Wir Nationaldemokraten sind in Europa gegen eine multikulturelle Gesellschaft. Die NPD möchte ein Europa der Vaterländer."

Letzte Hürde Fünf-Prozent-Klausel

Dazu wird es wohl kaum kommen. Denn seit Jahren scheitert die NPD an der so genannten Fünf-Prozent-Klausel. Das heißt, sie bekam bis jetzt immer weniger als fünf Prozent aller Stimmen im Land und erhielt deswegen nie einen Sitz im Europa-Parlament. Das war für die NPD Grund genug, beim Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen diese Klausel einzureichen.

Aussicht auf Erfolg habe das kaum, meint CSU-Politiker Markus Ferber. Schließlich habe sich die Fünf-Prozent-Klausel als politische Qualitätsgarantie erwiesen. Der Diplom-Ingenieur macht seit 10 Jahren Europa-Politik und ist Spitzenmann der CSU im Europa-Parlament. Und was die skurrilen Kandidaten angeht, sieht Ferber gelassen in die Zukunft: "Also ich denke, das ist alles nicht so dramatisch, wie es manchmal in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Wir haben jetzt schon ein Model aus Finnland im Parlament sitzen, einen Ralley-Fahrer, wir haben den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner, wir hatten mal die Sängerin Nana Mouskouri. "

Frischer Wind weht durch die EU

Aber Markus Ferber sieht die Sache auch positiv: Politik sei eben nicht nur die Sache von langweiligen Bürokraten und unscheinbaren Aktenträgern. Ein frischer Wind müsse durch die Flure Straßburgs wehen. Und wenn dieses Jahr ein estnisches Model oder ein niederländischer Schriftsteller diesen frischen Wind brächten, sei das ein Fortschritt. Ferbers Motto: "Es kommt auf die richtigen Inhalte an, und wenn diese auch noch bunt verpackt sind, ist das wunderbar!"

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