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Nahost

Kurdische Gegenoffensive gegen IS-Terroristen

Die Kurden im Norden des Irak haben nach dem Verlust mehrerer Städte an die Kämpfer der Gruppe IS eine Gegenoffensive angekündigt. Aus den von den Terroristen neu eroberten Gebieten werden Hinrichtungen gemeldet.

Ein Oberst der kurdischen Peschmerga-Milizen kündigte an, dass alle verlorenen Gebiete und auch die Großstadt Mossul von den Extremisten der Organisation IS ("Islamischer Staat", früher ISIS) zurückerobert würden. "Wir werden sie angreifen, bis sie vollständig vernichtet sind, und wir werden keine Gnade zeigen." Seiner Meinung nach könne die Operation in den nächsten 48 bis 72 Stunden vorbei sein. Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki ordnete zur Unterstützung der Kurden Luftangriffe auf die Dschihadisten an.

Die sunnitischen IS-Extremisten hatten in den vergangenen Tagen Städte im irakischen Kurdengebiet wie Sindschar und Sumar sowie mehrere Ölfelder und die Mossul-Talsperre, den größten Staudamm des Irak, gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht.

Hinrichtungen von Jesiden

In diesen neu eroberten Gebieten errichteten die Dschihadisten sofort ein Schreckensregiment. Augenzeugen berichteten, IS-Mitglieder hätten in Sindschar 67 junge Männer hingerichtet, nachdem diese sich geweigert hätten, zum Islam zu konvertieren. Sindschar ist das größte Siedlungsgebiet der religiösen Minderheit der Jesiden, Angehörige einer monotheistischen Religion. Viele Muslime betrachten sie als "Teufelsanbeter". Nach Angaben der UN sind rund 200.000 Menschen vor der neuen IS-Offensive auf der Flucht, die meisten von der Jesiden.

IS-Kämpfer in der Großstadt Mossul (Foto: Reuters)

IS-Kämpfer in der Großstadt Mossul

Menschenrechtler berichteten, Tausende Flüchtlinge seien dringend auf Hilfe angewiesen, zumal einige in unwirtlichen Gebirgsregionen festsäßen. "Sie sind ohne Essen und Wasser, einige sind schon gestorben", sagte ein Aktivist, der in der kurdischen Stadt Dohuk für die Rechte der Jesiden-Minderheit eintritt. Den IS-Kämpfern warf er gegen Jesiden gerichtete «ethnische Säuberungen» vor. IS kündigte derweil weitere Offensiven an. Ihre Kämpfer hätten die Grenzregion zu Syrien und der Türkei erreicht und würden nun "die ganze Region befreien", erklärte die Terrorgruppe.

Der im syrischen Bürgerkrieg gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfende IS hatte im Juni weite Teile des Nordens und Westens des Irak unter seine Kontrolle gebracht und ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen. In diesem Quasi-Staat erlassen die Dschihadisten Gesetze nach der radikalsten Form des islamischen Rechts, der Scharia.

"Ungläubige" werden zur Konversion gezwungen, getötet oder in die Flucht getrieben. Frauen müssen voll verschleiert sein, Alkohol und Zigaretten sind streng verboten. Immer wieder gibt es Meldungen über öffentliche Hinrichtungen.

Berlin gegen Waffenlieferungen

Die deutsche Regierung lehnt auch nach dem jüngsten IS-Vormarsch eine militärische Unterstützung ihrer Gegner ab. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes räumte zwar ein, mit der Eroberung weiterer Gebiete durch die Terroristen habe sich die Lage im Irak weiter dramatisiert. Eine dagegen gerichtete Aufrüstung kurdischer Truppen wäre aber die falsche Antwort auf diese Entwicklung, sagte sie. Vielmehr müssten sich die Parteien in Bagdad auf die Bildung einer Regierung unter Beteiligung aller ethnischen und religiösen Gruppen verständigen. Der beste Weg, den IS zu schwächen sei es, dafür zu sorgen, dass die Sunniten den Terroristen keine Rückendeckung mehr gewährten.

wl/gmf (dpa, afp, rtr)