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Nahost

Kurdenführer: "Türkei eskaliert den Syrienkonflikt"

Kurdenführer Salih Muslim bestreitet im DW-Gespräch eine Verstrickung seiner syrisch-kurdischen Partei PYD in das Attentat von Ankara. Er warnt vor einer gefährlichen Zuspitzung des Konflikts in Nordsyrien.

Salih Muslim PYD Kurden Syrien. Foto: Dursun Aydemir / Anadolu Agency

PYD-Anführer Salih Muslim

Der türkische Premier Ahmet Davutoglu hatte nach dem Anschlag vom Donnerstag die syrisch-kurdische Partei PYD und ihren bewaffneten Arm, die YPG, gemeinsam mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK für das Attentat verantwortlich gemacht. Die PYD/YPG gilt als syrischer Zweig der PKK, die seit drei Jahrzehnten für kurdische Autonomie kämpft und in vielen Ländern der Welt, auch in den USA und in Deutschland, als Terrororganisation eingestuft wird.

28 Menschen waren bei dem Bombenanschlag in Ankara ums Leben gekommen. Der Vorwurf einer Beteiligung seiner Partei sei aus der Luft gegriffen, betonte PYD-Anführer Salih Muslim im Gespräch mit der DW. "Das weisen wir komplett von uns", so Muslim. "Mit den inneren Angelegenheiten der Türkei haben wir nichts zu tun. Wir denken, dass diese Vorwürfe eine Erfindung der türkischen Seite sind." Die türkischen Sicherheitsbehörden hatten bekanntgegeben, ein Syrer namens Salih Neccar habe die Bombe gelegt. Von diesem Mann wisse man nichts, sagte Salih Muslim der DW.

Abgesperrter Tatort in Ankara wird nach Anschlag untersucht. Foto: REUTERS/Umit Bektas (c) Reuters/U. Bektas

Nach dem Anschlag stand für Ankara schnell fest: Kurdengruppen sind verantwortlich

Auch PKK-Führer Cemil Bayik sagte der Agentur Firat, die der kurdischen Gruppe nahe steht, dass er nicht wisse, wer den Anschlag ausgeführt habe, dass dieser aber "Vergeltung für die Massaker gegen Kurdistan" gewesen sein könne. Im Südosten der Türkei steht die PKK seit dem Scheitern von Friedensverhandlungen im letzten Sommer in einem blutigen Kampf mit dem türkischen Militär. Sie hat dem türkischen Staat Rache für den Tod zahlreicher Zivilisten und die Zerstörung von Dörfern geschworen. Umgekehrt hat die Türkei angekündigt, jeden Terroristen zu beseitigen.

Die USA zwischen den Stühlen

Der Anschlag von Ankara kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Türkei rhetorisch wie militärisch gegenüber der YPG aufgerüstet hat. Nicht einfacher wird die Lage dadurch, dass die USA die PYD/YPG unterstützen. Sie sehen die kurdischen Kämpfer als wichtige Verbündete im Kampf gegen den "Islamischen Staat". Der türkische Vorwurf, ein US-Verbündeter habe einen NATO-Staat angegriffen, dürfte die Beziehungen zwischen Ankara und Washington schwer belasten. Die Türkei fordert von den USA, sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden.

"Die Türkei versucht, alles zu unternehmen, die Kurden in Syrien davon abzuhalten, demokratische Rechte zu erlangen", so PYD-Anführer Muslim. "Wir sind der Meinung, dass die Politik, die die Türkei verfolgt, große Gefahren für die gesamte Region, für die Türkei, für den gesamten Nahen Osten mit sich bringt."

Eintritt ins Kriegs-Chaos?

YPG-Kämpfer und die mit ihnen verbündete "Freie Syrische Armee" haben eine Offensive der syrischen Armee bei Aleppo, unterstützt durch russische Luftschläge, genutzt, um bei Afrin einen Gegenangriff zu starten. Afrin ist einer von drei Bezirken der syrischen Kurden. Langfristiges Ziel der YPG ist es, die Bezirke Afrin und Kobane zu verbinden und so einen kurdischen Korridor im Grenzgebiet zur Türkei zu schaffen.

Türkische Angriffe auf kurdische Stellungen in Nordsyrien. Foto: Izzet Mazi / Anadolu Agency

Die Türkei greift kurdische Stellungen in Nordsyrien an

Sowohl die Angriffe der regimetreuen Truppen als auch die der YPG haben im Norden Aleppos Rebellen geschwächt, die von der Türkei unterstützt werden. Denn eine wichtige Verbindungsstraße nach Aleppo ist für sie nun nicht mehr passierbar.

Die Türkei hat darauf reagiert, indem sie Artilleriegeschütze über die Grenze bringt. Ankara denkt auch darüber nach, Bodentruppen in Syrien einzusetzen - bislang jedoch ist der türkische Generalstab von der Idee eines Eintritts in das syrische Kriegschaos nicht überzeugt. Zudem macht sich die türkische Seite für eine Sicherheitszone stark. All dies soll dem Schutz von Flüchtlingen und dem Kampf gegen den IS dienen. Ankara wird jedoch vorgeworfen, damit nur die Kurden in Schach halten zu wollen. "Sie versuchen, die Lage eskalieren zu lassen", sagt Kurdenführer Muslim der DW. "Seit einer Woche beschießen sie uns."