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Aktuell Deutschland

Kurden-Konflikt in deutschen Städten

Der Kampf der Islamisten gegen die Kurden, die Angst der Kurden um das Leben ihrer Landsleute in Kobane - dieser Konflikt strahlt zunehmend nach Deutschland aus. Bundesweit gab es Proteste und die Sorge vor neuer Gewalt.

Die Bilanz der letzten 24 Stunden: Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Islamisten wurden mindestens 23 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer. Hauptschauplätze waren Hamburg und Celle. Dutzende Menschen, die der Gewalt verdächtig waren, wurden von der Polizei vorübergehend festgesetzt. Es sei "ausgesprochen gewalttätig" gewesen, berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa. Die Behörden richten sich auf weitere Auseinandersetzungen ein - allerdings blieb es erstmal ruhiger.

So kamen am Mittwochabend in Hamburg erneut rund 1.300 überwiegend kurdische Demonstranten zusammen, um gegen die Angriffe der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf kurdische Städte in Syrien zu protestieren. Unter den Teilnehmern seien auch etwa 120 Angehörige des linken Spektrums gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Demonstranten, teilweise in kurdischer Nationaltracht, zogen mit Transparenten, Fahnen und Musik friedlich durch die Stadt. Sie forderten auch Freiheit für Abdullah Öcalan, den Chef der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Flaschen, Steine, Messer

Nach der Abschlusskundgebung zog ein Teil der Demonstranten weiter durch Hamburg, nach Polizeiangaben flogen Flaschen und auch einige Steine. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften im Einsatz, um die verschiedenen Gruppen zu begleiten. Erneut seien mehrere Personen in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten auch Gegenstände wie Messer und eine Machete beschlagnahmt.

Hamburg war am Abend nicht der einzige Schauplatz. In Dortmund legten etwa 50 Kurden aus Protest gegen das zögerliche Eingreifen des Westens gegen die IS-Miliz den Hauptbahnhof kurzzeitig lahm. Die Gruppe besetzte Gleise und sorgte dafür, dass der Zugverkehr vorübergehend komplett gestoppt werden musste, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Nach kurzer Zeit hätten sich die Demonstranten darauf beschränkt, zwei Gleise besetzt zu halten. Eine Stunde später habe sich die Kundgebung von alleine aufgelöst.

Krise in Celle

In Celle hatte die Polizei am Vorabend nur mit mehreren Hundert Beamten eine Massenschlägerei verhindern können. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, versuchten Kurden und Islamisten dennoch, mit Knüppeln, Flaschen und Steinen aufeinander loszugehen und die Polizeiketten zu durchbrechen.

Bei der Demonstration der Kurden in Hamburg 08.10.2014 (Foto: getty)

Die meisten Demos blieben friedlich, wie das Innenministerium betont. Aber eben nicht alle.

Das Bundesinnenministerium verwies in Berlin allerdings darauf, dass die überwiegende Mehrzahl der Kurden-Proteste bislang friedlich verlaufen sei. "Die Vorfälle in Hamburg und Celle betrachten wir jedoch mit Sorge", sagte eine Sprecherin. "Die Lage in Deutschland hängt ganz entscheidend von der Lage in Syrien und im Irak ab." Man könnte es auch anders ausdrücken: Kurdistan war noch nie so nah.

ml/qu (dpa, rtr)