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Aktuell Welt

Kurden-Kämpfer jagen IS Tell Abjad ab

Die Stadt an der Grenze zur Türkei galt als strategisch wichtige Hochburg der Terrormiliz. Kann ihr Fall die brutale Machtausübung des "Islamischen Staates" in Syrien entscheidend schwächen?

Kurdische Kämpfer nahe Tell Abjad (Foto: Reuters/R. Said)

Kämpfer der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) nahe Tell Abjad

Kurdische Kämpfer haben in heftigen Gefechten gegen die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) nach Angaben von Aktivisten beinahe vollständig die Kontrolle über die nordsyrische Stadt Tell Abjad erlangt. Es gebe in der Grenzstadt nur noch "kleine Widerstandsnester" des IS, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die meisten IS-Kämpfer seien geflohen. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Erkenntnisse aus einem Netzwerk vor Ort, die Informationen sind unabhängig kaum überprüfbar.

"IS hat keinen Ort zum Verstecken mehr"

Syrisch-kurdische Kämpfer teilten mit, die Nachschublinie der Dschihadisten zwischen Tell Abjad und der rund 85 Kilometer südlich gelegenen IS-Hochburg Al-Rakka sei unterbrochen worden. Hussein Chodscher, Kommandeur der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Truppen hätten dem IS die Kontrolle über die Straße nach Al-Rakka entrissen.

Tell Abjad sei zudem nach tagelangen Kämpfen mittlerweile vollständig umzingelt. Die YPG-Kämpfer würden am Boden von syrischen Rebellengruppen und aus der Luft durch Angriffe der US-geführten Militärallianz unterstützt. Die IS-Kämpfer hätten in Tell Abjad mittlerweile "keinen Ort zum Verstecken mehr", so Chodscher weiter. Mindestens 40 Dschihadisten seien bei dem Versuch getötet worden, in die noch vom IS gehaltene Stadt Ein Issa zu flüchten.

US-Brigadegeneral Thomas Weidley sagte, die Luftangriffe der Allianz verlangten dem IS in Syrien und dem Irak mittlerweile "einen hohen Preis" ab. Dank der Unterstützung der internationalen Koalition hätten die Kurden seit Herbst 2014 vom IS nur Territorium gewonnen und "nichts preisgegeben".

Häuserruinen in Aleppos östlich gelegenem Viertel Al-Schaar (Foto: Getty Images/AFP/Z. Al-Rifa)

Eine Stadt stirbt: Das im Osten Aleppos gelegene Viertel Al-Schaar

Weiter schwerer Beschuss von Aleppo

Die anhaltenden Kämpfe in Tell Abjad zwangen erneut zahlreiche Menschen zur Flucht in Richtung der nahen Türkei. Die türkischen Sicherheitskräfte am Grenzposten Akçakale ließen nach Angaben eines AFP-Fotografen vor Ort am Montagnachmittag rund 3000 Menschen ins Land, die stundenlang in der Hitze ausgeharrt hatten. Die Türkei hatte die Grenze in der Gegend mehrere Tage lang geschlossen und erst am Sonntagabend wieder geöffnet. Seit vergangener Woche hatten rund 20.000 Menschen aus Syrien kommend den Übergang bei Akçakale überquert.

Das syrische Staatsfernsehen meldete unterdessen, durch schweren Beschuss der Rebellen seien in der Stadt Aleppo mindestens 23 Menschen getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden. Die Hälfte der Opfer des Granatenbeschusses der von der Regierung gehaltenen Stadtviertel seien Kinder. "Die Terroristen haben in Aleppo ein Massaker angerichtet", hieß es in dem regierungstreuen Sender. Auf Bildern war ein eingestürztes Gebäude in der früheren Wirtschaftsmetropole zu sehen, das seine Bewohner angeblich unter sich begraben habe.

sti/jj (afp, dpa, rtr)