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Aktuell Nahost

Kurden erobern Kobane vom IS zurück

Nach dem Überraschungsangriff der Terrormiliz IS haben kurdische Kämpfer die nordsyrische Stadt offenbar wieder komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Die IS-Miliz hatte Kobane am Donnerstag überfallen.

Zwei Tage nach Beginn einer Offensive der Terrormiliz "Islamischer Staat" hätten kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG) wieder die Kontrolle über die Stadt an der Grenze zur Türkei errungen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Gefechte hätten aufgehört, kurdische Kämpfer durchkämmten die Viertel auf der Suche nach Dschihadisten.

Zuvor hatte ein Sprecher der kurdischen Einheiten noch von Kämpfen am Stadtrand berichtet. Dort sollen sich Extremisten verschanzt haben. Die YPG-Kämpfer hätten vor einer Schule, in der die IS-Kämpfer vermutet wurden, Sprengsätze zur Explosion gebracht und sie dann gestürmt, sagte der Sprecher. Vermutlich seien alle Dschihadisten in dem Gebäude tot.

Mehr als 170 Zivilisten getötet

Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren in Kobane während der Gefechte der vergangenen Tage 174 Zivilisten getötet worden. Zudem gebe es 16 Tote unter den kurdischen Einheiten nund 54 getötete Dschihadisten. Die Zahl der Toten könnten weiter steigen, hieß es, da noch nach Opfern gesucht werde. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netz von Aktivisten und Ärzten vor Ort, ihre Angaben sind nur schwer zu überprüfen.

Zerstörte Häuser in Kobane (Foto: AFP)

Die heftigen Gefechte um Kobane haben die syrische Stadt an der Grenze zur Türkei schwer beschädigt

Im Januar hatten kurdische Einheiten die Dschihadisten nach viermonatigen Kämpfen zum Rückzug aus Kobane gezwungen. Am Donnerstagmorgen aber starteten die IS-Milizionäre mit drei Selbstmordanschlägen überraschend eine neue Offensive. Laut Aktivisten wollten die Dschihadisten die Stadt offenbar nicht erobern, sondern nur möglichst viele Zivilisten töten. Beobachter sprachen von einem "Ablenkungsmanöver", nachdem die IS-Terrormiliz an anderer Front im Norden Syriens unter Druck geraten war.

Erdogan fürchtet Kurdenstaat

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte unterdessen vor der Gründung eines Kurdenstaats im Norden Syriens und warf den kurdischen Milizen die Vertreibung arabischer und turkmenischer Volksgruppen vor. "Wie hoch auch der Preis ist, wir werden niemals die Bildung eines neuen Staates an unserer Südgrenze im Norden Syriens akzeptieren", sagte Erdogan am Freitagabend während eines Essens zum Fastenbrechen. Vorwürfe, die Türkei unterstütze die Dschihadisten, wies er erneut zurück. Dies sei "üble Verleumdung", so Erdogan.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten sind der bewaffnete Arm der Partei der Demokratischen Union (PYD), die enge Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterhält. Die PKK kämpft in der Türkei seit 1984 gegen den Staat und ist als Terrorgruppe dort verboten. Der PYD-Vorsitzende Saleh Muslim hatte am Freitag der türkischen Zeitung "Hürriyet" versichert, seine Bewegung strebe nicht die Gründung eines Staates in Syrien an.

cw/kle (dpa. afp)