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Sport

Kunstvoller Sturz zu höheren Weihen

Mit ihren ersten Titelkämpfen im Rahmen einer Schwimm-WM begeistern die Klippenspringer die Zuschauer. Die Sportart, bisher nur von einem Großsponsor professionell vermarktet, steht vor dem Durchbruch.

Der Coup ist gelungen für die Sportler und für den Schwimmweltverband FINA. Die spektakuläre Premiere der Klippenspringer im Programm der Schwimm-WM in Barcelona hat Lust auf mehr geweckt. Die Extremsportart soll fester Bestandteil der Titelkämpfe werden. Sogar das Wort "Olympia" geistert duch die Szene. "Das wäre der Hammer", sagte die Deutsche Anna Bader nach ihrem bronzenen WM-Debüt im Hafen von Barcelona. "Es ist eine echte Bereicherung", fand DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow nach den Sprüngen der Frauen aus 20 Metern Höhe: "Die FINA ist gut beraten, wenn sie diesen Wettkampf weitermacht." Der Weltverband hatte Klippenspringen ins Programm aufgenommen, um ein neues Publikum anzusprechen. Der Plan ging auf: Die Fernsehbilder der Salti und Schrauben vor den Segelyachten im Hafen von Barcelona gehörten zu den spektakulärsten der WM, die Zuschauer hielten den Atem an, fieberten mit, genossen die Show.

Cesilie Carlton aus den USA sprang in Barcelona zur Goldmedaille (Foto: David Ebener/dpa)

Premierensiegerin: Cesilie Carlton aus den USA sprang in Barcelona zu WM-Gold

Organisatorisches Neuland

Dabei ist die Sportart organisatorisch noch zu jung, um ein wirklich internationales Starterfeld präsentieren zu können. Zwar gibt es seit 1994 einen Weltverband mit Sitz in der Schweiz. Auch ein Reglement existiert seither, doch Extremspringer gibt es nur wenige. Bei den Frauen gingen sechs Athletinnen an den Start, davon drei aus den USA. Bei den Männern sind es etwas mehr, aber auch hier war keine WM-Qualifikation notwendig. Die FINA lud einfach die Springer ein, die auch bei der Weltserie des Red-Bull-Konzerns an den Start gehen. Dem österreichischen Brausehersteller ist es zu verdanken, dass die Sportart populärer geworden ist. Mit der Weltserie pusht Red Bull das Klippenspringen seit 2009. Nun gibt es bei den Marketingexperten auch Bestrebungen hinsichtlich einer Olympia-Teilnahme. Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) machten sich in Barcelona ein Bild vom sogenannten High Diving. "Es wäre natürlich eine tolle Sache", sagt DSV-Direktor Buschkow zu den Olympia-Bestrebungen.

Bader absolvierte Trainingslager als Artistin

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bester Beweis: die WM-Vorbereitung von Anna Bader. Die 29-jährige arbeitete als Artistin bei einer Wassershow in Macao und nutzte die dortigen Trainingsmöglichkeiten, um sich fit zu machen: "Perfekte Bedingungen", schwärmte die unkonventionelle Sportlerin vor dem Wettkampf. Sicher kein Konzept, mit dem der Deutsche Schwimmverband Nachwuchs locken könnte. Stattdessen will Buschkow nun verstärkt in den Reihen seiner Wasserspringer nach Kandidaten für die Sprünge aus 20 und 27 Metern suchen. "Das kommt vor allem für die infrage, die das Kopfwärtseintauchen nicht so beherrschen oder nach Verletzungen Probleme damit haben", sagte er. "Vielleicht haben sie den Mut, eine neue Tür zu öffen." Die Klippenspringer tauchen mit den Füßen zuerst ein, weil die Kräfte auf Hände und Nacken beim Aufprall auf das Wasser zu groß wären.

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