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Sport

Kunstturnen

12 Jahre ist es her, seit zuletzt ein deutscher Turner bei Olympischen Spielen auf dem Podest landete: Andreas Wecker gewann damals Gold am Reck. Für Peking ruhen die Hoffnungen auf Fabian Hambüchen.

Piktogramm für Kunstturnen bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, China. Foto: +++(c) Picture-Alliance / ASA+++

Der deutsche Turner Carl Schuhmann bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit, 1896 in Athen (Quelle: picture alliance/ASA

Der deutsche Turner Carl Schuhmann 1896 in Athen

Kunstturnen ist eine olympische Disziplin der ersten Stunde: schon 1896 - bei den ersten Spielen der Neuzeit in Athen - kämpften die Männer an Barren, Reck, Seitpferd und im Pferdsprung um den Titel. Seit 1900 gibt es den Einzelmehrkampf.

Mittlerweile sind aus vier Geräten sechs geworden: dazugekommen sind Boden und Ringe.


Deutsche Turner punkten vor allem am Reck

In seiner über einhundertjährigen Geschichte hat das Kunstturnen einige Ausnahmeathleten hervorgebracht, deren Namen bis heute bekannt sind.

Der Turner und frühere Weltmeister Eberhard Gienger (Archivbild aus dem Jahr 1982 / AP Photo/Jochen Faber)

Eberhard Gienger

„Zu den absoluten Superstars gehören beispielsweise Woronin, Katschew, Eberhard Gienger oder Tsukahara“, erklärt Ulla Koch, die Cheftrainerin der deutschen Turn-Damen. Auch wenn die große Zeit dieser vier längst vorbei ist, kursieren ihre Namen in den Turnhallen noch immer. Denn sie alle haben neue Elemente kreiert, die nach ihnen benannt sind – wie beispielsweise der Gienger-Salto am Reck.

Aus deutscher Sicht ist das Reck ohnehin ganz klar DAS Erfolgsgerät: 1976 in Montreal erturnte sich Eberhard Gienger die Bronzemedaille. Und genau 20 Jahre später – bei den Spielen in Atlanta 1996 - gewann Andreas Wecker am Reck Gold. Auch in Peking kann sich mit Fabian Hambüchen ein deutscher Turner Hoffnungen auf Edelmetall machen.


Die Männer bekommen weibliche Konkurrenz

Lange Zeit war das Kunstturnen bei Olympischen Spielen eine reine Männerdomäne. Es dauerte über ein halbes Jahrhundert, bis 1952 auch die Damen-Konkurrenz ins Programm aufgenommen wurde. In den Jahren danach dominierten vor allem zwei Athletinnen die Sportart: zuerst Larissa Latynina aus der damaligen Sowjetunion, die sich 1956 und 60 mit ihren Übungen am Boden, Schwebebalken, Sprung und Stufenbarren den Titel im Einzelmehrkampf sicherte.

Larysa Latynina (UdSSR) gewinnt Gold im Bodenturnen bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom. (AP Photo/Pool)

Larysa Latynina (UdSSR)

Insgesamt gewann Latynina bei drei Olympischen Spielen 18 Medaillen im Einzel und mit der Mannschaft – bis heute olympischer Rekord. Danach kam die Zeit der Tschechin Vera Caslavska. Auch sie holte sich 1964 und 68 zweimal Mehrkampf-Gold. Sowohl Latynina als auch Caslavska gelten als „große alte Damen“ des Kunstturnens. An der Spitze abgelöst wurden sie aber von Mädchen – denn das Turnen veränderte sich grundlegend. „1972 war so etwas wie ein Wendepunkt“, meint Ulla Koch. „Bei den Olympischen Spielen in München tauchte plötzlich eine Olga Korbut auf, ganz jung, ganz leicht, unbekümmert wie ein Floh. Und erfolgreich.“


Kleiner, jünger, leichter – der Trend imd Frauen-Turnen

Olga Korbut (UdSSR) gewinnt bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München mit ihrer Kürübung am Stufenbarren die Silbermedaille. (Archivbild o. Quellenangabe)

Olga Korbut (UdSSR)

Die sowjetische Turnerin Olga Korbut war nur die erste Repräsentantin einer neuen Turn-Generation. Vier Jahre später in Montreal verlor Korbut die Turnkrone an Nadia Comaneci. Und die Rumänin schaffte, was vor ihr noch niemandem gelungen war: für ihre Stufenbarren-Übung erhielt Comaneci von den Kampfrichtern die Höchstnote 10,0. Nadia Comaneci war damals gerade einmal 14 Jahre alt.


Kritik am sogenannten „Kinderturnen“

In Peking wird es so junge Athleten nicht geben. Denn nach jahrelanger Kritik an den immer kindlicher werdenden Turn-Flohs gibt es mittlerweile neue Bestimmungen – das Mindestalter auch bei Olympischen Spielen ist auf 16 Jahre angehoben worden. Seitdem geht der Trend auch wieder hin zu etwas älteren und reiferen Turnerinnen, freut sich Ulla Koch: „Ich persönlich finde das sehr viel besser. Dann stehen da junge Frauen, die wissen, was sie machen, die motivierter sind, die ausdrucksstärker sind, und ich glaube, das tut dem Turnen insgesamt gut.“


Deutsche Männer träumen von Medaillen

98 Einzelstartplätze gibt es in Peking sowohl bei den Herren als auch bei den Damen.

Fabian Hambüchen turnt 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen.

Fabian Hambüchen hofft auch in Peking auf einen "Höhenflug".

Außerdem treten jeweils die besten 12 Teams gegeneinander an. Favoriten gibt es für die deutsche Damen-Cheftrainerin Ulla Koch schon jetzt, besonders bei den Männern. „Es gibt zwar mehrere starke Teams –Japaner, Rumänen, Kanadier und auch die Deutschen – aber den Sieg werden sich die Chinesen im eigenen Land wohl nicht nehmen lassen. Und bei den Damen läuft alles auf einen Zweikampf zwischen China und den US-Turnerinnen hinaus.“

Die deutschen Damen gehören in Peking nicht zum Favoritenkreis. Die Herren um Fabian Hambüchen allerdings haben durch ihr gutes Abschneiden bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Herbst durchaus Hoffnungen geweckt - auf Edelmetall in Peking.