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Wissen & Umwelt

Kunstspermien im Reagenzglas gezüchtet

Britischen Forschern der Newcastle University ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, menschliche Spermien im Reagenzglas zu züchten. Und zwar aus embryonalen Stammzellen. Über ihre Versuche schreiben die Forscher in der neusten Ausgabe des Fachmagazins "Stem Cells and Development".

Karim Nayernia, der Leiter des Forschungsteams ist sich sicher, tatsächlich Spermien erzeugt zu haben: "Die Zellen sind haploid, sie haben einen Kopf und einen Schwanz und sie schwimmen". Spermien sind haploid, das bedeutet, sie besitzen nur 23 Chromosomen, während Körperzellen diploid sind, also 46 Chromosomen haben.

Menschliche Spermien unter dem Rasterelektronenmikroskop (Foto: picture-alliance/Okapia)

Menschliche Spermien unter dem Rasterelektronenmikroskop

Den Wissenschaftlern gelang die Produktion des Kunstspermas aus männlichen Stammzellen. Diese besitzen die Geschlechtschromosomen X und Y. Mit weiblichen Stammzellen, die das X-Chronosom in doppelter Ausfertigung in sich tragen, funktionierten die Zuchtversuche im Reagenzglas nicht.

Die Gewinnung von Spermien aus embryonalen Stammzellen sei ein wichtiger Schritt, um die Bildung der männlichen Keimzellen und die Gründe für Unfruchtbarkeit bei Männern zu verstehen, erklärte Karim Nayernia. Allerdings seien weitere Untersuchungen nötig, um die neue Methode tatsächlich für die Behandlung von Unfruchtbarkeit einzusetzen.

Doch unter Experten gibt es Zweifel. So äußert sich beispielsweise Allen Pacey, Andrologie-Professor an der Universität Sheffield skeptisch. Er sei nach 20 Jahren Erfahrung als Sperma-Biologe nicht überzeugt, dass die gezüchteten Zellen wirklich als Spermien bezeichnet werden könnten. Selbst wenn sie bestimmte genetische Eigenschaften von männlichen Keimzellen besäßen, würden in der Studie der spezifische zelluläre Aufbau, das Verhalten oder die Lebensweise von natürlichen Spermien von der Studie nicht ausreichend beschrieben.

Außerdem ist unklar, ob die Kunst-Spermien tatsächlich funktionstüchtig sind. Dies wurde in der Studie von Karim Nayernia zumindest bislang nicht untersucht. (ht/sam/dpa/AFP)