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Aktuell Kultur

Kunstmuseum Bern übernimmt Gurlitt-Erbe

Nach fast einem Jahr Bedenkzeit hat das Kunstmuseum Bern die umstrittene Sammlung von Cornelius Gurlitt angenommen. Doch auch eine Verwandte des verstorbenen Kunstsammlers erhebt Anspruch auf das Erbe.

Kunstwerke, die unter dem Verdacht der Raubkunst stehen, sollen aber in Deutschland bleiben und an die Berechtigten zurückgegeben werden, sagten der Stiftungsratspräsident des Museums, Christoph Schäublin, und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in Berlin.

Herkunft der Bilder wird weiter erforscht

Sie unterzeichneten gemeinsam mit dem bayerischen Justizminister Winfried Bausback (CSU) eine Vereinbarung zum Umgang mit dem Gurlitt-Nachlass. Deutschland verpflichtet sich demnach, die Kosten für die Rückgabe von Bildern, die sich als NS-Raubkunst erweisen, zu übernehmen.

Grütters betonte, die Aufarbeitung nationalsozialistischen Kunstraubs gehe weit über die rechtliche Dimension hinaus. Deutschland wolle seiner Verantwortung auch moralisch gerecht werden. Von den Nazis als "entartet" diffamierte Kunst, die einst aus deutschen Museen entfernt wurde, soll in die Schweiz gehen. Gurlitts Geschäftsbücher sollen noch im Laufe des Tages in die Online-Datenbank "Lostart" eingestellt werden. Schäublin betonte, Bern beteilige sich aktiv an der Erforschung der Herkunft der Bilder.

Gurlitts Cousine will das Erbe

Überschattet wird das mühsam ausgehandelte Vorgehen durch einen Antrag von Gurlitts 86-jähriger Cousine Uta Werner, die vergangene Woche überraschend Anspruch auf das Erbe erhoben hat. Sie bezieht sich auf ein Gutachten, nach dem Gurlitt bei der Abfassung des Testaments unter "paranoiden Wahnideen" litt. Uta Werners Bruder Dietrich Gurlitt (95) schloss sich dem Antrag nicht an. Er plädierte dafür, den Willen des Cousins zu respektieren und das Schweizer Museum wie vorgesehen als Alleinerben anzuerkennen.

Spektakulärer Kunst-Krimi

Der im Mai gestorbene Cornelius Gurlitt hatte seine Gemäldesammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Die Bilder stammen aus dem Erbe seines Vaters, dem 1956 verstorbenen Kunstsammler und früheren Museumsdirektor Hildebrand Gurlitt, der während der NS-Zeit eine riesige Sammlung erworben hatte, zum Teil aus dem Besitz jüdischer Bürger.

Sein Sohn hatte die Kunstwerke lange vor der Öffentlichkeit verborgen, erst im Februar 2012 entdeckten Ermittler in seiner Schwabinger Wohnung mehr als 1200 Gemälde, darunter Werke von Chagall und Matisse. Hunderte weitere Bilder befanden sich in seinem Salzburger Haus.

cr/sti (dpa, rtr, afp)