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Kultur

Kunstmesse für Frauen

Frauen werden Bundeskanzlerin, Pilotin oder Künstlerin, haben alle Möglichkeiten. Im Bonner Frauenmuseum fand kürzlich eine Kunstmesse nur für Künstlerinnen statt. Braucht man so eine Veranstaltung heute überhaupt noch?

Findet ihre Kunst nicht ausgesprochen weiblich: Malerin Maria Rigoutsou Foto: Nina Funke-Kaiser

Findet ihre Kunst nicht ausgesprochen weiblich: Malerin Maria Rigoutsou

Rund einhundert Frauen schlendern durch die schlichten, großzügigen Ausstellungsräume und betrachten die unterschiedlichen Werke: Gemälde, Skulpturen, Installationen und kunstvoll gestalteten Schmuck. Erstaunlich viele Männer haben sich her gewagt, erstaunlich deshalb, weil eine Kunstmesse nur für Künstlerinnen eine ziemlich ungewöhnliche Veranstaltung ist. Diese aber hat bereits Tradition: Schon zum 18. Mal findet die Kunstmesse im Frauenmuseum statt. "Es kommen fast gleich viele männliche wie weibliche Besucher her", räumt Organisatorin Gudrun Angelis gleich zu Beginn das Vorurteil aus, dass nur Frauen sich für die Kunstmesse interessieren. Jedes Jahr würden bis zu 4000 Kunstinteressierte dazu nach Bonn strömen.

Foto: Nina Funke-Kaiser

Besucher der Kunstmesse betrachten die Skulpturen von Sabine Puschmann-Diegel

79 Künstlerinnen aus Deutschland, Spanien, Griechenland und Österreich zeigen ihre Arbeiten und bieten sie zum Verkauf an. Malerin Maria Rigoutsou aus Griechenland zeigt ihre neue Bilderserie "Ikonen". Dazu hat sie Fotografien aus dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" digital bearbeitet und auf einen Hintergrund gedruckt, der mit seiner goldenen Farbe an alte, byzantinische Ikonen erinnert.

Kunst als Genuß

"Ein Bild heißt: 'Wer hat mehr Spaß?', oben sind verschleierte Frauen in Teheran zu sehen, unten Frauen in einem Bordell in Hamburg", erklärt Maria Rigoutsou. Die Frauen oben sähen sehr glücklich aus, während man sich bei den Frauen in Hamburg nicht ganz sicher sein könne. "Die Frage ist: Wer hat wirklich mehr Spaß? Wo ist die Frau freier?"

Foto: Nina Funke-Kaiser

Opulenz in Rot: Sodom und Gomorra von Justyna Koeke

Antworten hat Maria Rigoutsou darauf selbst nicht. Sie will mit ihrer Kunst Fragen stellen und Widersprüche aufzeigen: Glück und Unglück, Krieg und Frieden, genießen und nicht genießen. Ein Genuss ist es für Maria Rigoutsou, in Bonn ihre Werke zu zeigen. Die Atmosphäre gefällt ihr, ebenso die Qualität der Werke und der Austausch mit den anderen Künstlerinnen. Dass es eine Messe nur mit Kunst von Frauen ist, spielt für sie keine Rolle – und sollte ihrer Meinung nach auch nicht besonders betont werden. " Ich sehe durchaus die Gefahr, die Frauen als etwas Exotisches zu betrachten. Wie würde eine Ausstellung sein für Schwarze, Behinderte, Blonde oder für Schwarzhaarige?" Ihrer Meinung nach kann man an der Ausstellung nicht ablesen, dass hier ausschließlich Frauen ihre Werke präsentieren.

Frauenquote in der Kunst?

Damit spricht Maria Rigoutsou ein wichtiges Thema an. Als die Messe im Frauenmuseum 1983 ins Leben gerufen wurde, war sie sicherlich eine wichtige Veranstaltung, um Frauen in der von Männern dominierten Kunstwelt einen Raum zu schaffen. "Aber auch heutzutage fällt es Künstlerinnen in Deutschland noch schwer sich durchzusetzen", erklärt die Organisatorin der Kunstmesse, Gudrun Angelis. Ganz anders sei es in Skandinavien oder den Beneluxländern, denn dort gebe es – aufgrund von Förderprogrammen und Ankaufetats – inzwischen eine breite und erfolgreiche Künstlerinnengarde. Weibliche Kunststars seien aber auch dort sehr selten.

Dennoch muss man sich überlegen, ob es Künstlerinnen wirklich hilft, sie mit Frauenquoten für Museen oder speziellen Kunstmessen zu fördern? Besteht dabei nicht die Gefahr, dass sie tatsächlich als eine Art exotische, schützenswerte Spezies angesehen werden? "Mittlerweile haben sich viele Künstlerinnen auf dem Kunstmarkt etabliert", räumt auch Gudrun Angelis ein. "Trotzdem ist es immer noch so, dass gerade in renommierten Häusern zu 90 Prozent Künstler ausgestellt werden und da sind grad mal nur zehn oder manchmal auch nur fünf Prozent Künstlerinnen." Das sei Grund genug, Frauen einen speziellen Raum für Ausstellungen einzuräumen. "Ich denke, es ist immer noch sehr wichtig, diese Messe und überhaupt dieses Haus in dieser Art zu führen."

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