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Alltagsdeutsch – Podcast

Kunstakademie

Dass der Künstler ein einsames Genie ist, das allein auf seine Inspiration gestützt unsterbliche Meisterwerke schafft, ist allenfalls ein Klischee. Tatsächlich ist eine gute Ausbildung auch für den Künstler unerlässlich.

Sprecherin:
"Kunst kommt von Können". Sagt eine Redensart. Und hat Recht. Kunst ist ein Begriff aus dem Althochdeutschen. Es ist ein Wort für eine besondere Fähigkeit oder Begabung. Eine Kunst zu beherrschen bedeutet, etwas sehr gut zu können. Aber Kunst ist noch mehr. Zum Beispiel, wenn handwerkliches Können und schöpferische Kraft zusammentreffen. Dann entsteht ein Kunstwerk. Ein künstlerisches Produkt. Zum Beispiel ein Gemälde. Wer große künstlerische Begabung hat und aus der Kunst einen Beruf machen möchte, besucht eine Kunstakademie.

Sprecher:
Akademie
leitet sich ab vom griechischen Wort "akademeia". Gemeint ist eine Stätte zur Förderung der Künste und Wissenschaften. Hierzulande versteht man unter Akademie eine Universität, an der hauptsächlich künstlerische Fächer gelehrt werden. An einer Kunstakademie – im Gegensatz zur Musikakademie – werden die Bildenden Künste gelehrt. Also die Künste, die Bildwerke hervorbringen. Zum Beispiel Gemälde oder Statuen. Arnim Tölke unterrichtet an der Kunstakademie in Düsseldorf. Er zeigt seinen Studenten den Umgang mit dem Zeichenstift.

Arnim Tölke:
"Erst mal geht's dabei um die Linie. Die meisten malen ja hier immer mit dem Pinsel, und als Voraussetzung für 'n Maler ist auch Zeichnen unheimlich wichtig, mit dem man sich beschäftigen muss – mit der Linie oder dem Volumen von 'ner Figur. Das hat er auch, wenn er was anderes malt, wenn er Hochhäuser malt oder den Wald oder Landschaft. Und insofern ist es ganz elementar, an der Linie zu arbeiten."

Sprecherin:
Malen
vom althochdeutschen "malon" bedeutet "mit dem Pinsel gestalten", "mit Farbe bestreichen". Zeichnen dagegen kommt vom althochdeutschen "zeihhanen", was so viel heißt wie: "mit Strichen bildlich wiedergeben". Eine Zeichnung ist somit ein Gerüst für ein Gemälde, das heißt, jeder Maler muss auch zeichnen können. Der Künstler arbeitet dabei nur mit einem Stift – meistens Bleistift oder Kohle – und dem Papier.

Arnim Tölke:
"Da gibt es eben Kontraste. Man kann mit 'ner Umrandung... zum Beispiel mit einer Einfassung auf 'nem weißen Blatt schafft man's, dass das Weiß, das neben dem Objekt ist, dunkler ist, als das Weiß vom umrandeten Innenfeld. Das ist dann ein Kontrast, der sich da bildet."

Sprecher:
Der Kontrast
ist ein wesentliches Element der Bildenden Kunst. Das Wort leitet sich ab vom lateinischen "contrastare". Es bedeutet "im Gegensatz zueinander stehen". In der Malerei versteht man darunter starke Unterschiede zwischen Hell und Dunkel. Durch Kontraste kann ein Künstler einer Zeichnung den Eindruck von Räumlichkeit geben. Helle Flächen treten optisch nach vorne, dunkle zurück. Ein wichtiger Effekt zum Beispiel bei der Darstellung von menschlichen Körpern.

Sprecherin:
Die Zeichnung
eines nackten menschlichen Körpers zu Studienzwecken nennt sich Akt. Das Wort gründet im lateinischen "actus" und bedeutet so viel wie "Darstellung". Aktzeichnung ist ein wichtiges Unterrichtsfach für einen Kunststudenten. Beim Aktzeichnen lernt ein Künstler die Proportionen des menschlichen Körpers kennen. An der Kunstakademie in Düsseldorf lernen die Studenten Aktzeichnen bei Arnim Tölke.

Sprecherin:
Eifriger Besucher von Arnim Tölkes Aktzeichenstunden ist auch der Kunststudent Peter Schmitt. Der 24-Jährige studiert im fünften Semester an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine künstlerische Begabung hat er schon als Kind entdeckt.

Peter Schmitt:
"Da kommen Sie von alleine drauf, wenn Sie merken, mein Gott, das macht Spaß, das mache ich gerne. Und dann gehört, glaube ich, noch so ein bisschen was von außen dazu, um dann mitzukriegen, mein Gott, Jung', das ist ja ganz brauchbar, was du da machst, damit Sie einfach dann den Mut haben, da weiterzumachen."

Sprecher:
Peter Schmitt ist von alleine auf seine Begabung gekommen. Auf etwas kommen beziehungsweise auf etwas draufkommen bedeutet "etwas entdecken" oder "erkennen". Hinter dem Ausdruck steckt das Bild vom Schatzsucher. Dieser gräbt so lange in der Erde, bis er mit der Schaufel auf die Schatztruhe kommt.

Sprecherin:
Die Begabung, die Peter Schmitt bei sich entdeckt hat, auf die er gekommen ist, liegt nicht in der Malerei. Peter Schmitt ist Bildhauer. Ein Bildhauer ist ein Künstler, der aus einem harten Material, zum Beispiel Stein oder Holz, eine Figur mit Hilfe von Werkzeugen heraushaut. Inzwischen fasst man den Begriff weiter. Als Bildhauer bezeichnet man zunächst einmal alle Künstler, die dreidimensionale Arbeiten herstellen.

Sprecher:
Ein Kunstwerk
, das aus einem festen Material herausgeschlagen wird, ist eine Skulptur. Nach dem lateinischen "sculpere" – "schnitzen". Ein Kunstwerk, das aus einem weichen Material, zum Beispiel Ton, aufgebaut und danach ausgehärtet wird, ist eine Plastik. Dahinter steckt das französische Wort "plastique" – "formbar". Als Plastik bezeichnet man auch Kunstwerke, die aus Metall gegossen oder geschweißt werden. Für die Studenten ist es wichtig, möglichst viele Techniken auszuprobieren. Nur so können sie ihre eigenen Stärken entdecken.

Hubertus Neuerburg:
"Wichtig ist, dass die jungen Leute, die von der Schule kommen und danach sich hier bewerben, eben verschiedenartig probieren. Nicht nur eine Richtung probieren, sondern einfach auch mal sich hinsetzen und 'ne Büchse, die auf dem Tisch steht, malen oder mal 'ne Perspektive oder mal 'n Aquarell malen. Denn wir wollen ja sehen, dass da eine Begabung vorliegt. Und diese Begabung wollen wir ja hier fördern. Dafür sind wir da.

Sprecherin:
Hubertus Neuerburg ist Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Er rät seinen Studenten, möglichst viele Darstellungsformen auszuprobieren. Zum Beispiel Perspektiven zu zeichnen. Damit ist gemeint, auf einem Bild oder einer Zeichnung Räume so darzustellen, dass sie dreidimensional wirken. Außerdem empfiehlt Professor Neuerburg, Aquarelle zu malen. Das Wort leitet sich vom lateinischen Wort für Wasser: "aqua" ab. Ein Aquarell ist ein Bild aus Wasserfarben. Eine besonders schwierige Technik. Aquarellfarben sind zart und durchsichtig. Falsche Pinselstriche auf einem Aquarell können nicht mehr korrigiert werden. Peter Schmitt hat viele künstlerische Techniken ausprobiert.

Peter Schmitt:
"Ich habe auch Leinwände bemalt, ich habe auch viel mit Holz gemacht und aus Stahl zusammengeschweißte Skulpturen. Ich hab' auch gegossen, Aluminium. Und hier drauf, also auf dieses Technische, Kinetische bin ich jetzt seit 'nem Jahr gekommen und fühl‘ mich da eigentlich pudelwohl.

Sprecher:
Peter Schmitt gestaltet kinetische Skulpturen. Das heißt, seine Objekte bewegen sich. Er fühlt sich mit seiner Arbeit pudelwohl. Sich pudelwohl fühlen bedeutet, rundum zufrieden zu sein. Pudel sind kleine Rassehunde mit stark lockigem Fell und besonders lebhaftem Verhalten. Bereits im 18. Jahrhundert tauchen im Deutschen Worte auf, die die Silbe "pudel-" als Verstärkung verwenden. Ist zum Beispiel jemand bis auf die Haut durchnässt, ist er pudelnass.

Sprecherin:
Heute fühlt sich Peter Schmitt auf der Kunstakademie in Düsseldorf also pudelwohl. Bevor er dort seinen Studienplatz antreten konnte, musste er allerdings zuerst die Eltern von seinem Berufswunsch überzeugen.

Peter Schmitt:
"Es war natürlich die Rede davon, hier, mach doch Architektur oder was Anständiges. Und als ich dann den Platz in der Akademie bekommen habe, hab' ich gesagt, hier, nee, ich probier' das aus und ich mach' das und das ist mir wichtiger. Und das gab dann natürlich Diskussionen. Aber so 'n bisschen kämpfen für das, was man im Leben möchte, ist, glaube ich, ganz gesund."

Sprecher:
Peter Schmitts Eltern hätten sich für ihren Sohn etwas Anständiges gewünscht. Gemeint ist ein so genannter anständiger Beruf. Anständig ist ein anderer Begriff für "ehrenhaft", der guten Sitte entsprechend. Viele verstehen unter einem anständigen Beruf eine Tätigkeit, die an einen festen Arbeitsplatz gebunden ist und ein regelmäßiges Einkommen bringt.

Sprecherin:
Für Künstler gibt es keine sicheren Arbeitsplätze. Sie können nur überleben, wenn ihre Werke auch gekauft werden. Und da es dafür keine Garantie gibt, gelten die Künste oft als brotlos, weil sie nicht genug Geld einbringen, um Brot zu kaufen. Dass es aber auch anders geht, zeigt die Karriere des Malers und Akademiedozenten Arnim Tölke.

Arnim Tölke:
"Ich hatte das Glück, was wenige haben, dass ich gleich 'ne Galeristin gefunden habe. Und da 'ne Galerie zu finden, die jetzt auch schon über zehn Jahren mit mir zusammenarbeitet. Und von daher hatte ich da gleich einen ganz guten Einstieg."

Sprecher:
Arnim Tölke hatte einen guten Einstieg in seinen Beruf. Als "Einstieg" bezeichnete man früher die Tür einer Kutsche, eines Wagens oder eines Eisenbahnwaggons. Einen guten Einstieg haben hieß zum Beispiel, ohne zu stolpern oder sich zu verletzen in einen Zug einzusteigen. Heute wird der Ausdruck allerdings im übertragenen Sinne angewandt. Einen guten Einstieg haben bedeutet nichts anderes, als von Anfang an erfolgreich zu sein.

Sprecherin:
Arnim Tölke verdankt seinen guten Einstieg einer Galerie und deren Besitzerin, der Galeristin. Das Wort Galerie geht zurück auf das italienische "galleria". Es bedeutet "langer, überdachter Gang". Heute versteht man unter Galerie ein Ausstellungshaus für Bilder. Private Galerien sind darüber hinaus der Ort, an dem Kunstliebhaber Bilder kaufen. Für einen Künstler ist es also wichtig, eine Galerie zu finden, die seine Werke ausstellt. Nur so findet er Käufer.

Sprecher:
Auch Peter Schmitt hatte schon erste Erfolge. Gerade darf er sein neuestes Werk in einem Museum in Solingen ausstellen. Es ist eine kinetische Skulptur. Ein Kunstwerk, das sich bewegt. In seinem Fall ist es eine riesige Pflanze aus Zahnrädern, Kabeln, Metallstangen und Fahrradketten. Ganz langsam öffnen und schließen sich an ihrem oberen Ende Blüten aus Plastik.

Sprecherin:
Ein Kunstwerk
, das in einem Museum steht, wird von vielen Menschen betrachtet. Peter Schmitts kinetische Skulptur ist groß und auffällig. Sie zieht die Blicke geradezu an. Viele junge Künstler träumen von einer solchen Chance. Aber Peter Schmitt bleibt gelassen.

Sprecher:
Peters Kommilitonin Katharina Wiczorek wird ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bald abschließen. Zwölf Semester lang hat sie dort an ihren künstlerischen Fähigkeiten gearbeitet. Das sind sechs Jahre für den Weg von der natürlichen Begabung zur ausgebildeten Künstlerin. Und dazu gehört außer Praxis auch einiges an Theorie.

Katharina Wiczorek:
"Hauptsächlich geht es ums Atelierstudium. Das ist hier der Schwerpunkt für die Leute, die freie Kunst studieren. Was man machen muss, um diesen Akademiebrief – das ist der Abschluss – zu kriegen, ist 'ne bestimmte Anzahl von Scheinen in Kunstgeschichte, Philosophie, Kunstästhetik. Aber das hält sich eigentlich in Grenzen. Es geht hauptsächlich ums Atelierstudium."

Sprecher:
Das Atelier
ist die Werkstatt eines Künstlers. Der Begriff leitet sich vom altfranzösischen "astelier", dem Wort für Holzspäne, ab. Der Ausdruck spielt auf die Abfälle bei der Arbeit eines Holzbildhauers an. Das Atelierstudium ist der Teil der Ausbildung, in dem sich die Studenten mit ihrer eigenen Kunst beschäftigen. Bei Katharina Wiczorek ist es die Malerei. Dazu kommen theoretische Fächer wie Kunstgeschichte oder Zusatzfächer wie Aktzeichnen. Wer alle vorgeschriebenen Fächer mit Erfolg absolviert hat, meldet sich zur Abschlussprüfung. Besteht der Student, bekommt er den Akademiebrief. Die Bezeichnung erinnert an die höchste Qualifikation eines Handwerkers, den Meisterbrief. Der Akademiebrief ist allerdings ein Hochschulabschluss. Er ist vergleichbar mit dem Diplom einer Universität.

Sprecherin:
Katharina bereitet sich auf eine Laufbahn als freie Künstlerin vor. Sie wird Bilder malen und versuchen, sie zu verkaufen. Das Gegenteil eines freien Künstlers wäre ein Künstler, der bestimmten Projekten zuarbeitet oder sogar fest angestellt ist. Zum Beispiel ein Werbegraphiker oder ein Industriedesigner. Für Katharina Wiczorek und für Peter Schmitt gibt es nur die eigenen künstlerischen Ideen. Und die müssen gut sein.

Arnim Tölke:
"Ein gutes Bild ist wie 'ne mathematische Formel oder wie 'ne Computerschaltung, wo jedes Element zwingend notwendig ist für die ganze Bildkonstruktion. Und wenn man eins wegnimmt, muss das Bild auch in sich zusammenbrechen. Also, es muss jedes Element zwingend sein. Dann ist auch das Bild zwingend und notwendig und auch gut."

Sprecher:
Das Wort "zwingen" kommt vom althochdeutschen "twingan". Es bedeutet "festbinden", "bedrängen", "nötigen". Zwingend wird als anderer Ausdruck für "unausweichlich", "unbedingt nötig" benutzt. Etwas, das zwingend notwendig ist, muss also unter allen Umständen vorhanden sein. Aber selbst, wenn ein Bild alles enthält, was objektiv gesehen unbedingt notwendig ist – über Gefallen oder Nichtgefallen entscheidet am Ende jeder Einzelne nach seinem persönlichen Geschmack. Denn Kunst entsteht letztendlich im Auge des Betrachters.


Fragen zum Text:

Ein Künstler, der dreidimensionale Arbeiten herstellt, ist ein ...?

1. Maler
2. Bildhauer
3. Zeichner

Was ist eine Galerie?
1. die Werkstatt eines Künstlers
2. eine Stätte zur Förderung der Künste und Wissenschaften
3. ein Ausstellungshaus für Kunstwerke

Ein (dreidimensionales) Kunstwerk, das sich bewegt, ist ...?
1. eine Aktzeichnung
2. eine kinetische Skulptur
3. ein Aquarell


Arbeitsauftrag:
Betrachten Sie, wenn möglich in einem Museum, verschiedene Ausprägungen moderner Kunst und diskutieren Sie anhand ausgewählter Beispiele in der Gruppe Ihre Vorstellungen von Kunst.

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