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Kultur

Kunst zwischen Hunden und Karnickeln

Die Kunst hat längst die meisten menschlichen Räume erobert. Werke hängen mittlerweile in Arztpraxen oder Altenheimen. Seit einem Jahr gibt es auch eine Kunstgalerie in einem Tierheim im Berliner Stadtteil Falkenberg.

Der Hund einer Mitarbeiterin des Tierheims in der Galerie sitzt vor einem Bild mit Katze (Foto: DW/ Lydia Leipert)

So kein Problem

Es klingt laut und dröhnend, das Bellen der Hunde im Tierhaus "Struppi zwei". Auch deshalb liegt der Tierheim-Kunstraum gut zweihundert Meter entfernt von sämtlichen lauten und weniger angenehm riechenden Räumen der Berliner Tierunterkunft. "Wir könnten natürlich auch die Bilder in die Tierhäuser stellen, dann hätten die Besucher allerdings nicht die Möglichkeit sie in Ruhe zu genießen", sagt Marcel Gäding von der Tierheim-Geschäftsführung mit zwinkerndem Auge. "So ein Hundebellen lenkt beispielsweise doch sehr ab. Und wir wollen, dass die Leute sich auch konzentrieren können auf die Kunst."

Kunst zwischen Kläffen und Miauen

Marcel Gäding mit den Hunden Flo und Holli vor einer Wand mit Tierbildern(Foto: DW/ Lydia Leipert)

Verstehen nicht alles

Mit 16 Hektar Fläche verfügt das Tierheim über genug Platz und machte einen Teil des weitläufigen Betongebäudes zur Galerie. Gleich hinter der Empfangstheke sieht man den Saal mit Glaswänden und glänzendem Parkett. Am Ende steht ein Flügel auf einer Holzbühne, der für manche der vielen in einem Tierheim eigentlich unüblichen Veranstaltungen da ist: Tagungen, Flohmärkte oder eine Tierschutzgala finden hier statt. Und eine Ausstellung: mit den Bildern, die an großen Stellwänden hängen, soll eine neue Zielgruppe ins Tierheim gelockt werden, erklärt Marcel Gäding: "Wir haben in den letzten Monaten sehr häufig erlebt, dass die Kunst-Besucher sagen 'Ach, wenn ich schon mal hier bin, geh ich rüber und guck mir die Katzen und Hunde an." Seit einem Jahr gibt es die Galerie, die für mehr Spenden sorgen soll. Das ist wichtig für das Tierheim, das kaum Zuschüsse vom Land Berlin erhält.

Hobbykünstler mit Tier-Auftrag

An der aktuellen Ausstellung ist auch Anneliese Schmidt beteiligt. Die Rentnerin und Hobbymalerin hat sich auf die eben eröffnete Ausstellung vorbereiten müssen. Denn eine Grundbedingung der Galerie ist, dass die Bilder einen Bezug zu Tieren oder zum Tierschutz haben. Anneliese Schmidts Beiträge sind ein Waschbär, ein Eisbär und zwei Kätzchen in Acryl. "Ich hatte selber 17 Jahre lang eine Katze, bin also sehr begeistert von diesen Tieren", sagt Anneliese Schmidt. Sie stellt zusammen mit einer befreundeten Künstlerin aber auch Meeresszenen und Landschaften aus.

Pinselstriche für einen guten Zweck

Marcel Gäding von der Geschäftsführung des Tierheims betrachtet ein Bild in der Galerie (Foto: DW/ Lydia Leipert)

Ideen muss man haben

Beide zögerten nicht, als sie die Chance bekamen, hier ihre Werke zu zeigen. Dass die Bilder unweit von Karnickeln und Farbratten hängen, stört sie nicht. Anneliese Schmidt mochte die hellen Räume von Anfang an: "Wir können dort unsere Bilder wunderschön präsentieren und wir tun nebenbei auch noch etwas Gutes, indem wir einen Teil des Erlöses dem Tierheim spenden." Denn circa zehn Prozent des Erlöses gehen bei jeder Ausstellung an die Tiereinrichtung. Noch wurde keines der Bilder verkauft, was auch an der Lage des Heims liegen könnte: es ist gut 30 Autominuten von Berlins Mitte entfernt und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen. Umso wichtiger ist da eine kreative Öffentlichkeitsarbeit. Die Galerie läuft in jedem Fall gut. Marcel Gäding vom Tierheim sagt, dass Hobbykünstler ihn mit Anfragen überschütten. Und auch das örtliche Kulturamt will bald auf den Ausstellungsraum zurückgreifen. Kunst und Tiere – eine eher wilde Mischung, die hier zu funktionieren scheint.

Autorin: Lydia Leipert

Redaktion: Conny Paul