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Kultur

Kunst zum Aufkleben

Downloaden, ausdrucken, aufkleben: Streetsticker erobern das Internet und die Metropolen der Welt. Kleine Kunstwerke oder Sachbeschädigung? Ansichtssache!

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Globale Öffentlichkeit mit subversivem Anstrich

Zu finden sind die Sticker überall. Ob Laternenpfähle, Plakatwände, Mülleimer - "Ausstellungsflächen" gibt es genug. Die Druckvorlagen für die Aufkleber kommen per E-Mail oder werden von Websites heruntergeladen. Jetzt noch ausgdrucken, dann ist der Weg in den öffentlichen Raum nicht mehr weit. So kann es passieren, dass ein in New York entworfener Aufkleber in den Straßen von Berlin oder Sydney auftaucht und global Karriere macht.

Kreative Zeichen setzen

Bild 4: Street Art, Sticker

Zu finden an jeder Straßenecke

"Entstanden ist das Phänomen aus dem Stellenschwund im kreativen Bereich", sagt Uwe Göbel, Professor für visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld. "Immer mehr kreative Leute sind arbeitslos. Die Aufkleber sind für sie eine Möglichkeit, Zeichen und Signale zu setzen", erklärt Göbel. Sie sind aber keine Visitenkarten, die den Sticker-Künstlern bei der Job-Suche weiterhelfen könnten. Die Künstler müssen anonym bleiben, weil es natürlich illegal ist, öffentliche Orte zu bekleben. Diese Illegalität ist es auch, die den Streetstickern einen subversiven Anstrich gibt, glaubt Ulf Wuggenig, Kunstsoziologe an der Universität Lüneburg. Wirklich systemkritisch seien sie aber nicht.

"Fundgrube für gute Sachen"

Bild 1: Street Art, Sticker

Offensichtliche Bedeutung?

Paul Burgess, der auf seiner Website Fotos von Stickern auf der ganzen Welt sammelt, sieht das anders: "Einige Aufkleber haben eine sehr offensichtliche Bedeutung - ich habe schon Sticker mit Statements wie 'Killer Cola' oder 'Boycott Nestlé' gesehen." Andere seien subtiler und würden ihre Botschaft durch Bilder und Kunst vermitteln. "Wenn du eine Message oder eine Idee hast, kannst du sie in die Straßen bringen, sie öffentlich machen, wo auch immer du bist. Die 'Street Art' ist nicht in Museen oder Galerien weggeschlossen."

Bild 2: Street Art, Stickers

Sticker: Kunstvoll und kreativ

Den Weg in die Galerien werden die Streetsticker auch in Zukunft nicht finden, prophezeit Ulf Wuggenig. "Kunst und Street Art sind zwei völlig getrennte Welten." Street Art habe mit Kunst nichts zu tun, erklärt er, weil die Welt der Street Art zu untheoretisch sei. "Bei der Street Art steht die Verwirklichung der Künstlerpersönlichkeit im Vordergrund. So was hat im Kunstsystem keinen Erfolg." Wuggenig verweist auf die Graffiti-Sprayer - die Vorläufer der Sticker-Künstler. In den 1980er Jahren erlebten sie einen kurzen Hype in der New Yorker Kunst-Szene und wurden in den Galerien ausgestellt. Langfristig hätten sie aber keinen Erfolg gehabt, weil sie in ihrer Kunstauffassung zu naiv und zu unprofessionell gewesen seien. Uwe Göbel sieht das anders: "Alle Formen der Visualität werden von der Kunst aufgegriffen und gerade Aufkleber sind für kreative Leute eine wahre Fundgrube für viele gute Sachen."

Blick für das Einfache

Die professionelle Qualität der Aufkleber sei nicht leicht zu beurteilen, sagt Göbel. Gerade das Naive, Amateurhafte könne sehr interessant sein. So hat es mittlerweile auch ein ganz einfacher Aufkleber zu Kultstatus gebracht: "Hello – My Name Is" steht auf dem Sticker.

Hello, my Name is

Gestaltungsraum: Die Namensaufkleber

Auf dem freien Feld darunter kann jeder sein ganz persönliches Markenzeichen hinterlassen. Geschrieben, gezeichnet, gemalt - der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Gedacht sind diese Aufkleber, die ihren Ursprung bei den Namensschildern für Firmenmeetings haben, als Starthilfe in die Street-Art-Szene. Paul Burgess bietet auf seiner Website unter anderem auch diesen Namenssticker zum kostenlosen Herunterladen an. "Wir hoffen, dass das Angebot die Leute inspiriert, ihre eigenen Sachen zu machen", sagt Burgess. Warum ihn die Streetsticker so faszinieren? "Das Beste ist die Vielfalt an Designs, Botschaften und Klebeflächen. Du weißt nie, was du als nächstes entdeckst -und wo!"

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