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Kultur

Kunst kommt von Kuchen

Anne Schultes hat Kunst studiert und Konditorin gelernt. Ihre ausgefallenen Tortenkreationen sind Skulpturen aus der Backstube und bei der Kundschaft ein Renner.

Bunte Küchelchen von Anne Schultes

Kunterbunte Verführung: Die Küchelchen von Anne Schultes

In der Osterzeit haben sie wieder Hochkonjunktur, all die süßen Sachen, die den Gaumen erfreuen und die Figur verderben: Kuchen, Torten und natürlich Osterhasen und Ostereier aus Schokolade. Aus der Backstube von Anne Schultes kommen nicht nur zu Ostern reich verzierte Gebäckstücke. Die Kölnerin mit Leidenschaft für kalorienschwere Leckereien bringt Konditorhandwerk und Kunst zusammen.

Gebackene Hexen in der Oper

Mindestens zwölf Stunden pro Tag steht Anne Schultes in der Backstube, obwohl sie inzwischen kaum noch selber Kuchen und Torten in den Ofen schiebt. Der Erfolg hat sie einfach überrannt. Ohne ihre sieben Angestellten wäre die Arbeit nicht zu schaffen. Angefangen hat sie vor vier Jahren mit einem kleinen Cateringservice. Nach einem ersten Großauftrag für die Kölner Oper sprach sich der Name "Madame Miammiam", wie sie sich und ihren Laden nennt, schnell herum. Mehr als 1000 Hexenfiguren hatte sie in mühsamer Handarbeit gebacken und verziert. Im Weihnachtsstück "Hänsel und Gretel" trug jedes Kind auf der Bühne eine der Kuchenhexen. Der Rest wurde an der Opernkasse verkauft.

Anne Schultes macht nicht nur ausgefallene Kuchen aus

Petit Fours

Petit Fours, die mit der Mode gehen

hochwertigen Grundprodukten. Kunstvolle Verzierungen

von Torten sind ihr Markenzeichen. Besonders beliebt

bei den Kunden sind ihre Petits Fours, kleine Küchlein nach französischem Vorbild, die in aufwändiger Handarbeit von Anne Schultes zu Miniatur-Skulpturen gestaltet werden.

Einen wichtigen Teil ihres Erfolgs sieht sie in der Individualität ihrer Produkte: "Die Menschen finden es toll, wenn Lebensmittel extra nur für sie gemacht werden."

Malen auf Marzipan

Als Zwitter aus Konditorin und Künstlerin sieht sich die 34-Jährige heute. Schon während des Studiums hat sie mit Essbarem experimentiert. Nach ihrer Konditoren-Ausbildung in einem Londoner Hotel entdeckte sie ihre Neigung, Kunst auf und aus Essbarem zu machen als Marktlücke. Ihr Credo: "Ich male halt nicht mehr auf Leinwand, sondern auf Marzipan."

Regelmäßig wird ihr Laden neu dekoriert und mit ihm das, was es im Geschäft zu kaufen gibt. In den Asia-Fantasia-Wochen herrschten vor allem asiatische Muster vor, der Laden schwelgte in üppigen Kirschblüten. Zur Internationalen Möbelmesse und der Designausstellung "Passagen" in Köln konstruierte sie eine Sitzlandschaft mit fliegendem Teppich. In der Vitrine lockten Petit Fours in Stuhlform.

Torten, die Geschichten erzählen

Dreistöckige Schokoladentorte

Konditorkunstwerk in schwarz und weiß

Ein besonders exklusives Produkt sind Anne Schultes Torten für Hochzeiten, Jubiläen und Geburtstage. Ganze Geschichten gilt es in der Verzierung unterzubringen, je nach Persönlichkeit der Gefeierten. "Torten mit Löwenmuster oder einer Unterwasserlandschaft, alles ist möglich" sagt Anne Schultes. Auch einen Chagall hat die Konditorkünstlerin schon auf Marzipan gemalt, auf speziellen Wunsch ihrer Kunden. Lieber aber gestaltet sie eigene Motive und Formen. Der Erfolg ihrer außergewöhnlichen Kuchenkreationen passt zur wachsenden Exklusivität in Deutschlands kulinarischer Landschaft und verleiht ihr im doppelten Sinne Farbe.

Knallig bunt ist mein Stil

Zitronentarte und Schokoladenkuchen gibt es auch bei Anne Schultes, bekannt aber ist sie für ihre aufwändigen Dekorationen. Drei Stunden mit Spritzbeutel und Pinsel für eine Bestellung von 60 kleinen Petits Fours: Nur für das Anbringen von Zuckergussornamenten, Marzipankugeln und kandierten Mandeln. Denn das Backen erledigen derzeit ihre Konditoren. Knallige Popart-Farben liegen ihr besonders. "Das ist mein Stil, das bin ich", sagt sie und zeigt auf ein Dutzend schreiend bunter Küchlein.

Die Ideen für ihre gebackenen Skulpturen werden Anne Schultes so schnell nicht ausgehen. Und die Kunden - wie es aussieht - auch nicht.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Cornelia Rabitz