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Kultur

Kunst kommt von Kommerz

Andy Warhol machte mit seiner Pop-Art Wiederholung zu seinem Markenzeichen. Warhol begann damit in den 1960er Jahren. Bis heute entwickeln Künstler immer neue Strategien, um sich und ihre Kunst erfolgreich zu verkaufen.

Ausstellungslogo mit der Aufschrift PopLife auf rosa Hintergrund (Foto: Hamburger Kunsthalle)

Die Ausstellung "Pop Life - Warhol, Haring, Koons, Hirst..." stellt die Superstars dieser Selbstvermarktung vor. Es sind Künstler, so die Kuratorin Annabelle Görgen-Lammers, die die Pop-Art ins Leben übertragen, die sich "die Strategien der Masse, des Business aneignen, und selber in die eigene Haltung, in die künstlerische Position, die künstlerische Aktion integrieren."

Medienstar Jeff Koons

Koons beispielsweise, der Großmeister des Kitsches und des Banalen, entdeckte für seine Zwecke die Macht der Medien. "Seine große Inszenierung der Hochzeit mit Ilona Staller, dem ehemaligen Pornostar, hat er so vermarktet, dass er durch die Berichte, die die Boulevardpresse darüber schrieb, auf einmal hochkatapultiert wurde in den Sternenhimmel der Berühmtheit, wie ihn sonst eben nur die Hollywood-Stars erlangt haben", so Annabelle Görgen-Lammers.

Der nackte Jeff Koons und Ciciolina in Spitzen-Unterwäsche liegen auf einem Felsen (Foto: Jeff Koons)

Aus U-Bahnhöfen in den eigenen Shop

Keith Haring begann in den 1980er Jahren New Yorker Underground-Bahnhöfe mit Graffiti zu verzieren. Seine Strichmännchen kamen so gut an, dass er sie bald in einem eigenen Shop in Soho verkaufte - auf Buttons und T-Shirts. Gleichzeitig entwarf er für die "Upper Class" Edelgeschirr. Natürlich mit Strichmännchen. Sein in der Hamburger Ausstellung nachgebauter Shop verkauft allerdings nur Kleinkram.

Keith Haring steht an eine Säule gelehnt in seinem Pop Shop in Soho. Alle Flächen sind über und über mit seinen Strichmännchen verziert Foto: Keith Haring artwork/Charles Dolfi-Michels)

Damien Hirst wird vor allem als Selbstvermarkter gefeiert. Für die in Hamburg hängenden vergoldeten Schmetterlingsbilder griff er auf eine alte Idee zurück. Teile der Neuauflage versteigerte er kürzlich unter Ausschaltung des Kunsthandels auf einer eigenen Auktion. Die Presse jubelte.

Wiederholung einer einmal entwickelten Idee

"Alle diese Künstler", erläutert Kuratorin Annabelle Görgen-Lammers, "fangen an, Rollen zu übernehmen, die sonst im Kunstmarkt von anderen gespielt werden. Und sie werden vom Gehandelten zum Händler." Dies funktioniert jedoch nur, wenn das jeweilige Produkt massenkompatibel ist, und eine Idee unermüdlich reproduziert wird: Harings Strichmännchen. Koons' Kitsch-, und Murakamis Manga-Welten. Der Japaner lässt seine Bilder und Skulpturen in einem weltweit agierenden Unternehmen herstellen: Bunt, zuckersüß, und maßlos übertrieben. Aber eben doch so, dass sie reißenden Absatz finden: Als exklusive Blumen-Täschchen von Louis Vuitton, wie als kleine Plastikfigürchen für jedermann.

Geclont - ein Andy Warhol ist nicht genug: Paige Powell, John Sex und Men in Andy Warhol-Perückem, 1983 (Foto: The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts / Artist Rights Society, (ARS), New York)

Künstlerische Subversivität durch Affirmation?

Damit diese Strategien länger als eine Saison funktionieren, verleihen ihnen Galeristen, Medien und Museumsleute höhere Weihen - indem sie ihnen tiefere Bedeutung zuschreiben. Etwa Subversivität. "Das Subversive kommt dadurch zur Geltung, dass man merkt, die Affirmation, das absolute sich Einlassen auf die Strategien, ist so stark, dass man merkt: Da steckt noch etwas hinter", so Annabelle Görgen-Lammers. Die erfolgreichen Figuren Murakamis etwa zeigten "eine Infantilisierung der ganzen Kunst, der ganzen Welt". Dies zeige, dass der Künstler verstanden habe, "Strategien zu benutzen, und, indem er sie benutzt, auch offenzulegen."

Eigene Ansprüche formulieren

Man legt das Offensichtliche offen, erklärt Banalität zum Mittel der Aufklärung. Markt und Publikum spielen dabei seit über 50 Jahren mit. Ob es sich bei all dem nun um Kunst handelt, um Kunsthandwerk oder Kommerz - dies zu entscheiden überlässt die Ausstellung den Besuchern. Annabelle Görgen-Lammers jedenfalls fordert: "Wir sollten anfangen, über uns nachzudenken, und über unsere Gesellschaft, und nicht die Kunst verteufeln. Weil die Kunst zeigt uns nur das, was unsere Gesellschaft bestimmt, oder bestimmt hat."

Autorin: Anette Schneider

Redaktion: Conny Paul

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