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Geschichte

Kunst für Kaiser und Habenichtse

Albrecht Dürer war und ist einer der bekanntesten Künstler der Welt. Das liegt auch daran, dass er sich und seine Kunst konsequent als Marke etablierte.

Wie im Taubenschlag muss es im Hause Albrecht Dürers zugegangen sein. Gesellen, Lehrlinge und natürlich der Meister selbst stellten hier Kunst von Weltruf her. Wunderliche Dinge füllten das Haus und gaben ihm einen Hauch von Exotik: Geweihe von Hirschen, Muscheln oder Vogelfedern und vieles mehr. All das benötigte Dürer als Vorlage für seine detailgetreuen Stiche. Dürers Werkstatt war also eher eine Art Wunderkammer – und eine Schatztruhe zugleich: Kostbare Harze aus fernen Ländern gebrauchte man ebenso wie wertvolle Farben. Faszinierende Gerüche müssen die Werkstatt durchschwebt haben. Dabei zeichnete höchste Effizienz Dürers Arbeit aus. Arbeitsteilig baute ein Schreiner die Tafeln für Gemälde, ein weiterer Helfer grundierte die Fläche. Und dann kam Albrecht Dürer selbst zum Zug – und malte ein Kunstwerk. Dürer, 1471 geboren, war ein Universalgenie. Er war Maler und Zeichner, Kupferstecher und Mathematiker, und verhalf darüber hinaus dem Holzschnitt als eigenständiger Kunstform zum Durchbruch.

Schatzkästlein des Reiches

Dabei war seine Karriere als Künstler keineswegs vorgezeichnet: Albrecht Dürer begann sein Berufsleben 1485 als Lehrling in der Goldschmiedewerkstatt seines Vaters. Zu dieser Zeit war Nürnberg eine der bedeutendsten deutschen Städte. Es brodelte geradezu vor kreativer Energie. Denn die Stadt war wohlhabend, ja geradezu unverschämt reich. Produkte aus der fränkischen Metropole waren in ganz Europa begehrt. Wer zum Beispiel einen kostbaren Globus erwarb, achtete darauf, dass er aus Nürnberg stammte. Halb bewundernd, halb neidisch lautete deshalb auch der Spitzname der Stadt: "Des Reiches Schatzkästlein". Aus ganz Europa strömten Künstler nach Nürnberg, denn hier waren Adelige und wohlhabende Bürger bereit, für herausragende Kunstwerke tief in die Tasche zu greifen. Kunst war ein Statusobjekt – ähnlich wie heute. Bei so viel Reichtum in der Stadt waren shließlich auch die Armen Nürnbergs etwas weniger arm als anderswo.Für Dürer bot sich in dieser Zeit die unerhörte Chance, seinen eigentlichen Begabungen nachzugehen. Schon 1486 heuerte der junge Mann in der Malerwerkstatt des Meisters Michael Wolgemut an. Hier erlernte er neben der Malerei auch den Holzschnitt.

Selbstporträt Dürers als Puzzle. Foto: Pavel Lisitsyn/RIA Novosti

Zum Puzzeln: Ein Selbstporträt Albrecht Dürers

Auf Wanderschaft

Nach drei Jahren zog es Dürer allerdings in die Welt hinaus: Es ging nach Basel, wo er sich als Geselle verdingte. Von dort aus besuchte er auch Colmar und Straßburg. Damit erlebt er mehr als viele seiner Zeitgenossen. Reisen waren damals beschwerlich, langwierig und teuer. Der Großteil der Menschen war zu arm für derartige Bildungsreisen. Als Dürer 1494 in seine Heimatstadt zurückkehrte, heiratete er bald Agnes Frey, die Tochter eines Kupferschmieds. Lange hielt es Dürer indessen nicht in Nürnberg. Sein nächstes Reiseziel lautete Italien – das damalige Mekka der Kunst, Wirkungsort weltberühmter Meister wie Raffael oder Michelangelo. Hier lag der Geburtsort der Renaissance, zu deutsch: Wiedergeburt. Hier wurden die Lehren der Antike wiederentdeckt, und der Mensch selbst rückte in den Mittelpunkt von Kunst und Wissenschaft. Für die Kunst war die italienische Renaissance eine Revolution. Und Albrecht Dürer steckte 1495 mittendrin!

5-Mark-Schein mit Bildnis einer jungen Venezianerin nach dem Gemaelde, 1505, von Albrecht Duerer.

Die Venezianische Dame - nach einem Gemälde Dürers - schmückte den 5 DM-Schein

Kunst als Marke

Als einzigartiges Individuum sah sich auch Dürer selbst - und kehrte auch äußerlich verändert aus Italien zurück. Mit seinem schulterlangen, gelockten Haar und dem charakteristischen Schnabelbart wirkte der Künstler auf seine Mitbürger wie ein Exot, nach dem man sich auf den Straßen Nürnbergs umdrehte. Dürer selbst wusste inzwischen ganz genau, dass er zu den Besten seines Faches gehörte. Nun traf er einige kluge Entscheidungen: Er schaffte sich eine eigene Druckerpresse an und ließ seine Erzeugnisse über Agenten vertreiben. Zudem schuf er sich ein unverkennbares Markenzeichen. Dürers Kürzel "AD" kennzeichnete fortan alle seine Kunstwerke und machte sie so unverwechselbar.

Duerer, Albrecht 1471-1528. Die vier apokalyptischen Reiter, um 1497/98. Holzschnitt, 39 x 28 cm. Aus der Folge: Die Apokalypse (Apocalip- sis cum Figuris: Die Heimlich Offenba- rung Iohannis, Nuernberg (Koberger) 1498.

Furchterregend: Die Apokalyptischen Reiter

Der große Durchbruch gelang ihm 1498 mit seiner Holzschnittfolge zur "Apokalypse". Im bekanntesten Bild dieses Zyklus stürmen die vier Reiter der Apokalypse auf die Erde nieder und säen Tod und Zerstörung: Krieg, Hunger, Tod und Pestilenz. Selbst für heutige Augen, die vom Fernsehen einiges gewohnt sind, zeigt dieser Schnitt schaurige Bilder. Die apokalyptischen Reiter walzen alles nieder, was unter die Hufen ihrer Pferde gerät. Ein ausgemergelter Tod fegt mit seinem Ross über die hilflosen Menschen hinweg und hält grausige Ernte. Hinter ihm verschlingt ein Teufel gar einen König. Die Leute rissen ihm diese Drucke aus der Hand. Alle lebten damals in ständiger Furcht vor dem Ende der Welt. Die Päpste verdienten gutes Geld, indem ihre Priester Ablassbriefe verhökerten, die angeblich die Sünder vor der Hölle bewahren sollten. Und die Reformation warf bereits ihren Schatten voraus. Der "Apokalypse"-Zyklus zeigt, was Dürers Kunst ausmacht und warum er bis heute als Genie verehrt wird: Bildgewaltig, phantasiereich und von hoher Detailgenauigkeit versetzte er die Menschen in Erstaunen.

Kunst für jedermann

Dürer war nicht nur ein herausragender Künstler, sondern ebenso ein guter Geschäftsmann. Er fertigte Kunst für Arm und Reich gleichermaßen. Auch für weniger betuchte Zeitgenossen war der Erwerb eines seiner Drucke durchaus möglich. Damit gelang ihm ein erstaunliches Kunststück: Seine Werke schmückten die reichsten Adelspaläste und die arme Handwerkerwohnungen gleichermaßen .So starb Dürer 1528 im Alter von 57 Jahren als wohlhabender, freilich kinderloser Mann. Seine Kunst überdauerte indessen die Jahrhunderte – und wird bis heute hoch gehandelt und geschätzt. Sein Wohnhaus ist übrigens heute ein Museum und eine der ersten Adressen für Nürnberg-Besucher, die etwas über Leben und Werk dieses berühmtesten Sohnes der Stadt erfahren wollen.