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"Kunst der Aufklärung" endet in Peking

Sie war die größte deutsche Kunstschau im Ausland. Ein Jahr lang war die "Kunst der Aufklärung" im Nationalmuseum Peking zu sehen. Ihre Organisatoren sind zufrieden. Doch die Kritik riss bis zuletzt nicht ab.

Kurz vor Schließung ist es im ersten Stock des Nationalmuseums noch einmal richtig voll geworden. Die Ausstellung "Kunst der Aufklärung" hat endlich jenen steten Strom von Besuchern angezogen, den sich die Organisatoren von Anfang an gewünscht hatten. Ein Mann steht vor einem Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert und ist tief berührt: "Das Portrait ist sehr lebendig und sehr natürlich. Es ist hervorragend gemalt und fängt den Gesichtsausdruck der Frau toll ein. Ein wunderschönes Bild."

Die Erwartungen waren größer

Insgesamt haben rund 450.000 Besucher in den letzten zwölf Monaten die "Kunst der Aufklärung" besucht. Für China ist das eher bescheiden. Dirk Syndram, kommissarischer Leiter der Kunstsammlungen Dresden, räumt ein, dass man ein bisschen mehr erwartet hatte: "Ich hätte mir gut vorstellen können, dass noch ein paar mehr kommen, aber es ist nicht so, dass es im Vergleich mit den Erfahrungen, die wir mit ähnlichen Ausstellungen gemacht haben, sehr wenig sind."

National Museum of China, Peking 2011 © Gerkan, Marg und Partner, Foto: Christian Gahl

Das Pekinger Nationalmuseum am Platz des Himmlischen Friedens

Auch die Bundesregierung ist zufrieden. Das Auswärtige Amt hatte das Projekt mit über sechs Millionen Euro maßgeblich gefördert. Zur Finissage ist daher Staatsministerin Cornelia Pieper angereist und lobt die Ausstellung in höchsten Tönen: "Es ist das bisher größte gelebte Beispiel interkultureller Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland, wenn nicht sogar weltweit."

"Verschwendung von Geld und Arbeit"

Doch in Deutschland war die Kunstschau direkt am Platz des Himmlischen Friedens auf deutliche Vorbehalte gestoßen. Besonders die Festnahme des bekannten Künstlers Ai Weiwei kurz nach der Eröffnung hatte eine heftige Debatte über die kulturpolitische Zusammenarbeit mit dem undemokratischen China ausgelöst. Der Künstler selbst kritisierte in einem Interview am vergangenen Wochenende (24.03.2012), die deutsche Kunstschau sei zwar gut, sie habe aber in China keine Diskussionen über die Werte der Aufklärung ausgelöst, gerade weil China kein freies Land sei und diese Diskussionen nicht zulasse. Ai Weiwei sprach von einer Verschwendung von Geld und Arbeit.

Ein Mann geht im chinesischen Nationalmuseum in Peking zur Eröffnung der Ausstellung Die Kunst der Aufklaerung durch den Ausstellungsbereich Liebe und Sensibilitaet. Foto: Norbert Millauer/dapd

Eine Kritik, die die Organisatoren zurückweisen. Der Berliner Co-Kurator Jörg Völlnagel spricht von Langzeitwirkungen: "Ich bin sicher, dass diese Ausstellung jedem einzelnen Besucher, der die Ausstellung mit Interesse besucht hat, etwas gebracht hat. Er hat etwas gelernt über europäische Kunst des 18. Jahrhunderts, er konnte etwas lernen über die europäische Selbstbefindlichkeit, all das konnte man definitiv mitnehmen."

Kulturgeschichte statt politischer Botschaft

Doch insgesamt sind die Ausstellungsmacher deutlich bescheidener geworden. Hatte der ehemalige Dresdner Museumsleiter Martin Roth vor einem Jahr noch von "unterschwelligen Botschaften" gesprochen, die man vermitteln wollte, so zuckt sein Nachfolger Syndram heute bei der Frage nach politischen Ansprüchen zurück: "Wir haben keine missionarische Ausstellung gemacht, das haben wir auch nie gedacht, sondern es ist eine kunst- und kulturgeschichtliche Ausstellung gewesen. Die eigene Geschichte erzählen - wie wir wurden, was wir sind. Das heißt noch lange nicht, 'Ihr müsst so sein wie wir.'"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Liu Yandong, Staatsrätin für Kultur der Volksrepublik China, bei der Eröffnung der Ausstellung Die Kunst der Aufklärung im National Museum of China in Peking, 1. April 2011 © Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Frank Barbian

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle mit Liu Yandong, Staatsrätin für Kultur der Volksrepublik China

Doch dass man sich mehr als eine Präsentation europäischer Kunst und Kultur erhofft hatte, machte auch das Begleitprogramm unter dem Titel "Aufklärung im Dialog" deutlich. Rund 3.000 Menschen nahmen an den Foren und Diskussionsrunden teil. Allerdings fehlte es auch dort immer wieder an pointierter Auseinandersetzung. Die Bilanz des Gesamtprojekts fällt daher ein bisschen bescheidener aus als in den Erfolgsbeschwörungen der Organisatoren. Eines ist klar: Für die Deutschen geht ein schwieriges Ausstellungsjahr in China zu Ende.

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