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Kultur

Kunst als Teil der Natur

Die Museumsinsel Hombroich und die Langen-Foundation nahe der rheinischen Stadt Neuss werden weltweit in Kunstkreisen geschätzt - für ihre Einzigartigkeit. Aber es gibt hier noch mehr als erhabene Kunst.

Niederrheinische Landschaft und Kunstwerke: Die Insel Hombroich (Foto: D. Müller)

Landschaft mit Skulpturen

Ein typisch niederrheinisches Naturbild: Auenlandschaft und Weidenbäume soweit das Auge reicht. Eine Wasserratte düst pfeilschnell in einem Teich davon und gelassene Gänse kreuzen den Weg. Zwischen Wildwuchs und beschnittenen Riesenhecken tauchen wuchtig geformte Bauten auf, die sich dennoch in das Landschaftsbild einfügen. Der Hintergrund für eines der außergewöhnlichsten Ausstellungskonzepte Deutschlands: die Museumsinsel Hombroich.

Eine glasklare Vision

Innen und Außen nah beinander (Foto: D. Müller)

Innen und Außen nah beinander

Die vielfältige Geschichte des Ortes hat der 2007 versorbene Düsseldorfer Kunstmäzen Karl-Heinrich Müller maßgeblich geprägt. Als er 1982 das Areal westlich von Neuss erwarb, war seine Vision bereits glasklar: Er wollte eine Synthese von Kunst, Architektur und Natur schaffen. Durch Müllers exzellente Kontakte in die Kunstwelt und seine Durchsetzungskraft entstand bis 1994 ein Kulturraum, in dem verschiedenste Künstler arbeiteten und lebten. Vor allem aber entstand ein Ort, an dem das individuelle Erleben des Einzelnen an erster Stelle steht. Der Besucher betritt ein verwunschen anmutendes Gelände und gelangt auf Kieselpfaden zu begehbaren Skulpturen. In deren Räumen sind feste Ausstellungen mit antiker Kunst, klassischer Moderne, Zeitgenössischem oder Nichts untergebracht. Es gibt keine Schilder an den Wänden, welche die Werke erklären und keine Klima-anlagen, die ihr Altern aufhalten sollen. Das Konzept dahinter: Die Natur als Schöpfer wird dem Mensch als Schöpfer gegenüber gestellt.

Die alte Raketenstation

Freitreppe in der Langen Foundation (Foto: D. Müller)

Freitreppe in der Langen Foundation

Karl-Heinrich Müller war stark beeinflusst von ostasiatischen Philosophien wie dem Tao Te King von Lao Tse. Das drückt sich auch in seinen Gedankenspielen aus: „Die Insel ist urweiblich. Die Insel hat kaum Platz für Männlichkeit“, schrieb er über den Ort. 1994 war es an der Zeit für einen Schritt hin zur Männlichkeit. Müller kaufte die nahe gelegene NATO-Raketenstation und verband sie mit der Insel. Ein scheinbar etwas platter Vergleich: Männlichkeit und Raketenstation – aber hier passte er. Dort arbeiteten bildende Künstler, Musiker und Architekten und entwickelten den Ort weiter. 2004 gelang der nächste Coup. Die Kunstsammler Viktor und Marianne Langen bauten eigenfinanziert auf der Raketenstation das Ausstellungshaus ‚Langen Foundation’. Der japanische Architekt Tadao Ando zeichnete dafür verantwortlich. Und auch diesem Bau ist die Idee der Verschmelzung von Natur und Kunst eingeschrieben. Das Haus ist zwar sehr graphisch, jedoch zum Großteil in der (Mutter) Erde versenkt. Im Gegensatz zu der Insel sind hier wechselnde Ausstellungen zu sehen.

Jean Dubuffet in Hombroich

Kunst im Insel Café (Foto: D. Müller)

Kunst im Insel Café

Seit Februar 2009 wird in der Langen-Foundation eine Werkschau des französischen Künstlers und Philosophen Jean Dubuffet gezeigt. Eine Sensation, denn in dieser Form ist der wichtige Wegbereiter der Kunst des 20. Jahrhunderts in Europa noch nie gezeigt worden. Selbst das Centre Pompidou in Paris steuerte ein großformatiges Bild seiner späten Werkphase bei. Karl-Heinrich Müllers Wirken ist auch hier deutlich zu spüren. Gelingt es ihm doch mit Hilfe eines Teams aus Künstlern, Kunsthistorikern und Fachleuten für Architektur und Gartenbau, über den Tod hinaus Bleibendes zu hinterlassen. Und dieses Bleibende verharrt nicht im Stillstand. Vielmehr bewegt sich dieser Ort samt Museen und Menschen weiter und bietet vor allem eines: Kunst und Natur abseits aller hermetischen Kunstzirkel. Das ist dann auch an den Besuchern zu sehen. So spazieren Kleinfamilien und Rentner neben Kunststudenten durch ein bestaunenswertes Idyll.

Autor: Daniel Müller

Redaktion: Klaus Gehrke