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Kultur

Kunert: "Freiheit des Wortes ist unverzichtbar"

Günter Kunert blickt auf ein bewegtes Schriftstellerleben zurück. Seit 2005 ist er Präsident des PEN-Clubs deutschsprachiger Autoren im Ausland. Im DW-Gespräch betont er die Bedeutung der freien Sprachwahl.

Das Internationale Symposium, das in Berlin aus Anlass der Gründung des deutschen PEN-Clubs im Exil vor 80 Jahren stattfindet, konnte er nicht besuchen. Die Kraft reichte nicht für die Fahrt in die deutsche Hauptstadt. Der 85-jährige Dichter lebt seit vielen Jahren ganz im Norden Deutschlands. Ende der 1970er Jahre verschlug es ihn mit seiner Frau Marianne in einen kleinen Ort nahe Itzehoe. Kunert war, wie andere Dichterkollegen auch, aus der DDR nach Deutschland emigriert. In einem Land zu leben und zu arbeiten, in dem die Freiheit des Wortes nicht gewährleistet wurde, kam für Kunert auf Dauer nicht in Frage.

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Die Freiheit des Wortes ist unsere Freiheit

Als der Liedermacher und Dichter Wolf Biermann im Herbst 1976 die Staatsangehörigkeit der DDR verlor, traf sich Kunert, der damals zu den wichtigsten Lyrikern der DDR gehörte, mit anderen bekannten Schriftstellern wie Stephan Hermlin, Stefan Heym, Heiner Müller, Christa Wolf, um gegen die Ausbürgerung zu protestieren. Sie schrieben eine Petition, die sie auch an die westliche Nachrichtenagentur AFP übermittelten.

Ein unabhängiger Geist

Kunert war nie ein glühender Anhänger der SED. Doch wie so viele andere glaubte auch er nach dem Krieg an eine andere, bessere Zukunft in der DDR. Bekanntschaft machte er damals unter anderem mit Bertolt Brecht. Kunert veröffentlichte vornehmlich Gedichte im Berliner Aufbau-Verlag, wurde zu einem vielgelesenen und geachteten Schriftsteller im Osten Deutschlands. In den 1960er Jahren veröffentlichten ihn auch Verlage in West-Deutschland. 1962 erhielt er für sein Werk den Heinrich-Mann-Preis, elf Jahre später den Johannes R. Becher-Preis. Kunert war in jenen Jahren davon überzeugt, dass man mit einem fortschrittlichen Sozialismus eine humane Gesellschaft aufbauen konnte.

Erfahrungen im westlichen Ausland

Doch ebenso wie Wolf Biermann, Rainer Kunze, Jurek Becker und andere machte auch Kunert die Erfahrung, dass das Korsett der DDR immer enger geschnürt wurde und den Schriftstellern kaum noch Luft zum Atmen blieb. Dieser Eindruck verstärkte sich, weil Kunert Erfahrungen im westlichen Ausland machen durfte. Anfang der 1970er Jahre trat er eine Stelle als Gastdozent im US-Bundesstatt Texas an. Und auch als die DDR-Behörden ihm 1979 ein mehrjähriges Visum ausstellten, glaubten sie wohl noch an ein Umdenken des Autors. Doch Kunert ließ sich in Kaisborstel bei Itzehoe nieder, die DDR war für ihn kein lebenswertes Land mehr.

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Natürliche Sprache ist Voraussetzung für das Schreiben

In der Bundesrepublik schrieb Kunert fleißig weiter: Gedichte, Erzählungen, Essays, Hörspiele, Reiseskizzen und Drehbücher. Er schuf ein gewaltiges Werk, in dem er auch immer wieder Gedanken über Deutschland und die deutsche Sprache machte. Besonders verbunden fühlte er sich dabei dabei immer den Schriftstellern, die ihr Land verlassen mussten und deshalb nicht mehr in ihrer eigenen Sprache schreiben konnten. Das war für Günter Kunert zwar anders. Er konnte auch nach 1979 weiter der deutschen Sprache treu bleiben, doch das Thema ließ ihn nicht los. Nicht zuletzt deshalb hat er im Jahre 2005 das Präsidentenamt des PEN-Clubs deutschsprachiger Autoren im Ausland übernommen.

Unter dem Motto "Sprache ist Freiheit der Sprache" findet am 10./11.11. im Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Berlin ein Symposium anlässlich der Gründung des deutschen Pen-Clubs im Exil vor 80 Jahren statt.

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