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Europa

Kumm, loss mer fiere!

Seit Wochen sind Hotels ausgebucht – zur fünften Jahreszeit – dem Kölner Karneval, müssen Touristen lange im voraus buchen. Alle sind angereist – zum Feiern, sofern sie noch ein Zimmer ergattern konnten.

Quelle: Heidi Engels

Auf Erkundungstour: vier Mädls aus Aschaffenburg bei ihrem ersten Kölner Karneval

Weiberfastnacht in Köln, es ist viertel vor zwölf. Während in der Stadt schon gefeiert und geschunkelt wird, ist es hier eher ruhig. Die meisten Gäste im „Black Sheep Hostel“ in Köln kommen erst an, machen sich zurecht und dann soll es losgehen. Auch Lena aus Aschaffenburg und ihre Freundinnen fanden hier Unterschlupf: „Wir Bayern haben gehört, dass es hier ganz schön rund gehen soll und da haben wir uns gedacht – das machen wir dieses Jahr mal mit.“

Verkleiden ja – aber günstig soll es sein

Quelle: Heidi Engels

Der letzte Schliff im Hostel

Als Schulmädchen, Krankenschwester, Teufelchen und Wahrsagerin wollen sie sich verkleiden. Doch viel kosten soll das Kostüm auch nicht, meint Lena: „Ich habe mir nur den billigen Goldschmuck meiner Schwester geliehen und ansonsten trage ich ein schwarzes Strickminikleid, dass ich noch im Schrank hatte, eine blickdichte Strumpfhose und hohe schwarze Stiefel und natürlich viel Goldschmuck mit einer schwarzen Perücke mit weißen Strähnen drin“, erzählt die 30-jährige Aschaffenburgerin. Das Kostüm sitzt fast perfekt, nur das Make-Up fehlt noch – und bei einem Gläschen Sekt trägt sich das auch gleich viel besser auf.

Putzeimer in den Zimmern – für den Fall der Fälle

Für Hostel-Inhaberin Uli Pomplun ist der Karneval schon eine Herausforderung: Natürlich möchte sie, dass sich ihre Gäste wohlfühlen – zu einem guten Preis: Zwischen 30 und 35 Euro zahlt jeder Gast für eine Karnevalsnacht. Normalerweise sind die Zimmer 10 Euro günstiger. Doch mit dem Karneval wächst auch das Risiko – denn noch fehlt Pomplun die Erfahrung mit den Jecken. Das Geschäft führt sie noch kein ganzes Jahr, sie ist aufgeregt: „Es ist ja das erste Mal und wir haben ja keine Ahnung, ob das alles gut geht, ob sich die Gäste alle benehmen, denn es fließt schließlich auch eine Menge Bier“, sagt die Inhaberin. Eimer habe sie gekauft und die will sie in die Zimmer stellen, für den Fall der Fälle.

Quelle: Heidi Engels

Lichtgestalten oder Nachtschwärmer? Auf der Straße begegnet man selbst Algen.

Bisher benehmen sich die Gäste jedoch, schließlich wollen sie feiern. Doch wo das am Besten geht, wissen sie nicht so genau. Es macht ihnen aber auch nichts aus, etwas los, ist schließlich überall. Auch Maddy aus Schottland hat noch keine genauen Vorstellungen. Doch mit einem hat der Schotte nicht gerechnet: „Es ist komisch nach Deutschland zu kommen und so viele Menschen als Schotten verkleidet zu sehen. Wahrscheinlich sind hier mehr Schotten, als ich zu Hause zu sehen bekomme“, lacht er, und offenbart dabei seinen breiten schottischen Akzent.

380.000 Menschen bleiben zwischen Januar und Februar über Nacht

Eine Menge Leute würden sich wirklich Gedanken über ihr Kostüm machen, das sei schon toll, sagt der Schotte. In der ganzen Stadt herrsche eine beeindruckende Stimmung, erzählt er weiter. Davon lässt er sich gerne treiben und weit hat er es nicht. Das Hostel liegt mitten in der Stadt am Barbarossa-Platz, die Menschenmassen feiern vor der Türe. Alleine in der Hochburg Köln erwartet „Köln Tourismus“, der Tourismusverband der Stadt Köln, in den Monaten Januar und Februar rund 380.000 Übernachtungsgäste. Gut ein Drittel davon kommen wegen des Karnevals hierher, so Geschäftsführer Josef Sommer. Meistens aus dem deutschsprachigen Ausland, aber auch aus Frankreich, England, den Niederlanden – oder eben aus Schottland. Das rundum „Sorglos Paket“ wollen die wenigsten buchen, es geht vielmehr um Information, wie Josef Sommer weiß: „Der Karnevalsgast ist ein sehr individueller Gast ist, der selber auch um das Hotel kümmert, wir machen Angebote, aber der Kunde möchte wissen, was kann ich machen, welche Veranstaltungen gibt’s, was für Sitzungen gibt’s“, so Sommer.

Ob Kölner oder nicht – jeck sind sie alle

Quelle: Heidi Engels

Hostel-Inhaberin Uli Pomplun

Die Gäste aus dem „Black Sheep Hostel“ lassen sich überraschen. Auch sie haben sich vorher informiert, wo sie hingehen können, aber ob sie dort tatsächlich ankommen, ist ihnen egal – so geht es auch Lena und ihren Freudinnen aus Aschaffenburg: „Wir wissen nicht wo wir hingehen, vielleicht zum Heumarkt, wahrscheinlich müssen wir wegen der kalten Temperaturen irgendwann, irgendwo rein, aber wenn das so ist, dann suchen wir uns einfach etwas“, erzählt Lena im süddeutschen Dialekt. Fündig werden die Vier bestimmt. Denn ob Kölner oder nicht – jeck sind sie alle und willkommen ist jeder, wie eine waschechte Kölnerin meint: „Ich finde das schön, weil dann auch andere Kulturen zusammen kommen und man dann auch sieht, wie die sich verkleiden.“ Das machen die Brasilianer mit ihrem Karneval in Rio doch auch, lacht ein anderer. Ganz nach dem Motto: „ Kumm, loss mer fiere nit lamentiere , „komm lass uns feiern, nicht herumjammern“, wie die rheinländische Band „die Höhner“ auf kölsche Art singen.

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