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Kultur

Kulturgutschutzgesetz: Lempertz-Auktionator warnt vor den Folgen

Die Angst vor dem Kulturgutschutzgesetz treibt Sammler dazu, ihren Besitz zu verkaufen oder ins Ausland zu verlagern. Dies ließe sich vermeiden, sagt Lempertz-Auktionator Henrik Hanstein.

Herr Professor Hanstein, als Auktionator sind Sie am "freien Handel" von Kunstwerken interessiert. Betrachten Sie das geplante Kulturgutschutzgesetz mit Sorge?

Ja, mit großer Sorge, weil wir, wenn es so durchgeht wie jetzt geplant, doch erheblich an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den benachbarten Ländern verlieren.

Sie versteigern bald Werke von August Macke, die in Museen hingen? Eilt die Sache?

Henrik Hanstein

Auktionator Henrik Hanstein vom Kölner Kunsthaus Lempertz

Das zu sagen, wäre verfrüht. Immerhin ist der Bundestag der Gesetzgeber. Und noch selten wäre ein Gesetz aus dem Parlament rausgekommen, wie es hineinging. Aber es ist schon erstaunlich, wie die Sammler schon im Vorfeld darauf reagieren. Letztendlich greift man ihnen – sollten die Objekte unter Schutz gestellt werden - erheblich in ihr Eigentum ein, und das ohne Ausgleich.

Was genau sorgt die Sammler?

Die Sammler vergleichen die Situation mit den Nachbarländern. England, Benelux, auch Frankreich – diese Länder haben Regeln, die einem Vorkaufsrecht gleichkommen. Wenn ein Sammler dort ein bedeutendes Werk verkaufen möchte und der Staat sagt: 'Das wollen wir zurückhalten, das ist für unser Land wichtig, einzigartig für die kulturelle Identität.' Dann wird den Sammlern in diesen Ländern ein fairer Ausgleich gegeben. Bei uns in Deutschland läuft es darauf hinaus: Landet ein Objekt auf der Liste national wertvoller Kulturgüter, erhält es keine Ausfuhrgenehmigung. Und es gibt keine Kompensation. Das ist der große Unterschied und die berechtigte Sorge der Sammler, die ich nachvollziehen kann.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagt, die Gefahr werde überschätzt.

Symbolbild Auktion

Der Kunsthandel in Sorge

Sicherlich werden nicht so viele Objekte in diesem Raster hängen bleiben. Aber wenn sie sich darin verfangen, erfahren diese Objekte eine Wertminderung von zwei Dritteln. Zum Vergleich: Würden Sie sich einen Golf kaufen, mit dem Sie nur in Niedersachsen fahren dürfen?

Wir sprechen hier von Bildern, die von München nach Salzburg gehen, von Köln nach Maastricht, von Berlin nach Brüssel. Wir haben ein Europa ohne Binnengrenzen. Und auf einmal führen wir sie für Kunst hinten herum wieder ein?

Droht ein Kulturgut-Exodus?

Ja, leider. Wir werden jetzt im Auftrag der Erben von August Macke vier sehr schöne Arbeiten, die ich nicht für national wertvoll halte, versteigern, weil die Erben das Gefühl hatten: 'Wer weiß, was da kommt, das ist uns zu riskant. Lassen wir sie vorab versteigern.'

Das Gesetz hat schon im Vorfeld seine Wirkung und wir beobachten enorme Abflüsse ins benachbarte Ausland. Ich kann belegen, dass aus Museen schon Werke im Wert von deutlich über 100 Millionen Euro abgeflossen sind.

Wie würden Sie national bedeutsames Kulturgut im Lande halten?

Der Ansatz von Frau Grütters ist völlig richtig: Wir müssen unsere Kultur schützen. Aber ich würde die Sammler dafür entschädigen. Damit sie nicht mit den Bildern unter dem Arm einfach so ins Ausland gehen.

Das Interview führte Stefan Dege.

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