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Politik

"Kulturen müssen sich nicht bekämpfen"

Die UNESCO ist die Kulturorganisation der Vereinten Nationen. DW-WORLD.DE sprach mit der Generaldirektorin Irina Bokowa über die Aufgaben der UNESCO, die Rolle der Meinungsfreiheit und Frauen in Führungspositionen.

Porträt von Irina Bokowa, der Generaldirektorin der UN-Kulturorganisation UNESCO. (Foto: AP)

Irina Bokowa

„Bildung für alle“ ist eines der erklärten Ziele der UNESCO, der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Sie kümmert sich außerdem um die Gesundheitserziehung sowie den Wiederaufbau des Schulsystems in Katastrophen- und Krisengebieten. Im Wissenschaftsbereich fördert die UNESCO die internationale Zusammenarbeit.

Das Logo der UNESCO.

Zu den bekanntesten Aufgaben der UN-Kulturorganisation gehört auch die Verwaltung des so genannten Welterbes der Menschheit: Die ständig wachsende Liste umfasst Kultur- und Naturdenkmäler rund um den Globus.

Irina Bokowa hat im November 2009 das Amt der UNESCO-Generaldirektorin übernommen. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Die 57jährige stammt aus Bulgarien; dort gehört sie der Sozialistischen Partei an.

DW-WORLD.DE: Frau Bokowa, Sie sind die erste Frau an der Spitze der UNESCO. Werden Sie die Dinge anders angehen als Ihre männlichen Vorgänger?

Irina Bokowa: Das ist eine interessante Frage, die mir oft gestellt wird. Ich bin sehr stolz darauf, die erste Frau in dieser Position zu sein. Seitdem ich Generaldirektorin bin, hat sich die Zahl der Briefe, die unsere Gleichstellungsabteilung bei der UNESCO bekommt, verdreifacht! Die Tatsache, dass ich eine Frau bin, scheint also viel Aufmerksamkeit zu erzeugen. Frauen finden es offenbar ermutigend, dass eine Frau einen so wichtigen Posten erreichen kann. Ob ich allerdings etwas anders machen werde, weil ich eine Frau bin, kann ich nicht sagen. Jeder Generaldirektor der UNESCO hatte seinen eigenen Stil und seine eigene Art, die Dinge anzugehen.

Christian Trippe, DW-TV (Foto: DW)

Christian Trippe, DW-TV

Zu den Aufgaben der UNESCO gehört auch, die Meinungsfreiheit zu verteidigen. V iele Mitgliedsstaaten der UNESCO unterdrücken allerdings die Medien und verfolgen Journalisten. Wie gehen Sie damit um?

Wir versuchen in diesen Ländern, die Mentalität und die Politik zu verändern. Wir reden mit den politischen Entscheidungsträgern und versuchen, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu propagieren. Aber es reicht nicht, nur zu erklären, dass wir diese Werte verteidigen und dann abzuwarten. Unsere Rolle ist es, dies auch umzusetzen. Ich denke, die Meinungsfreiheit ist im Hinblick auf die Menschenrechte tatsächlich unsere erste und höchste Priorität. Kern unseres Mandats ist es, die Rechte von Journalisten zu verteidigen und dafür zu kämpfen, dass die Meinungsfreiheit verfassungsmäßig garantiert wird. Allein im vergangenen Jahr haben auf der ganzen Welt 77 Journalisten ihr Leben verloren, weil sie das Recht auf Meinungsfreiheit verteidigt haben.

Sie haben das Jahr 2010 zum „Internationalen Jahr zur Annäherung der Kulturen“ ausgerufen. Was bedeutet das genau?

Irina Bokowa (Foto: DW)

Irina Bokowa

Ich finde, dass wir uns bei der UNESCO lange Zeit nicht um die sehr wichtigen Aspekte des interkulturellen Dialogs gekümmert haben, um Toleranz und Verständnis für Vielfalt und Austausch. Deshalb soll dieses internationale Jahr der kulturellen Annäherung uns allen einen Anstoß geben, über Frieden, Toleranz und Dialog nachzudenken.

Ist das Ihr Gegenmittel gegen den Kampf der Kulturen, vor dem der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington in den frühen Neunzigerjahren gewarnt hat?

Ehrlich gesagt habe ich diese Theorie immer abgelehnt. Das hat auch mit meiner persönlichen Erfahrung und meiner Herkunft zu tun. Ich stamme aus einer sehr kleinen Stadt im Südwesten Bulgariens, wo etwa 90 Prozent der Menschen Muslime sind. In dieser multikulturellen Gesellschaft habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kulturen sich nicht bekämpfen müssen – wie verschieden sie auch sein mögen. Die ganze Geschichte der Menschheit zeigt doch, dass es schon immer unterschiedliche Kulturen gab, und dass diese sich immer gegenseitig beeinflusst und durchdrungen haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch mehr Wissen übereinander, durch Austausch und Dialog eine friedlichere Welt erreichen können.

Das Gespräch führte Christian F. Trippe
Redaktion: Monika Dittrich

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