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Kultur

Kulturelle Vielfalt im Kinderfernsehen

Die deutsche Gesellschaft vereint Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln. Das Kinderfernsehen versucht dies abzubilden - zum Teil mit Erfolg. Doch Kinder sind kritisch.

'Das soll ich sein?', fragt sich der Moderator Can Mansuroglu aus der Kindersendung Checker Can neben einer Schaufensterpuppe, die wie er angezogen ist (Bild: BR/Hans-Florian Hopfner)

TV Sendung Checker Can Can Mansuroglu

"Also mich gibt es generell so nicht im Fernsehen", sagt die 15-jährige Yaren aus Duisburg. Die gleichaltrige Özlem ergänzt: "Mich ärgert, dass meistens nur Migranten gezeigt werden, die eine fehlgeschlagene Integration haben." Beide Mädchen gehen auf das Max-Planck-Gymnasium in Duisburg, und haben zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen an einem Projekt teilgenommen, das feststellen wollte, wie kulturelle Vielfalt im deutschen Kinderprogramm dargestellt wird. Mitschüler Ibrahim sagt: "Ich fände es sehr schön, wenn 16-Jährige, die mir ähneln oder ein ähnliches Leben haben wie ich, im Fernsehen wären." Im November stellten die zwölf Schülerinnen und Schüler während des Festivals "Duisburger Filmwoche" ihre Eindrücke vor, die sie nach einer Woche Testgucken in den Herbstferien bekommen hatten.

Bewusstere Darstellung im Kinder- und Jugendprogramm

"Kinder- und Jugendsendungen gehen mit dem Thema Migration und der Darstellung von Menschen zwar sehr viel bewusster um als das Erwachsenenprogramm", sagt Aycha Riffi, Leiterin der Grimme-Akademie, die den Workshop mitorganisiert hat. "Es könnten aus Sicht der jungen Zuschauer aber ruhig noch mehr Menschen mit ausländischer Herkunft in den Sendungen vorkommen. Aber nicht als Attraktion, sondern als Normalität." Das Grimme-Institut, zu dem die Akademie gehört, ist eine Forschungseinrichtung, die die Medienkultur in Deutschland untersucht. "Die Kinder fanden beispielsweise gut, dass in einer Sendung ganz nebenbei ein türkisches Essen gezeigt wurde, obwohl es eigentlich ums Tanzen ging", erklärt Riffi.

Die Medienwissenschaftlerin Maya Götz forscht seit Jahren zu Vielfalt im Kinderfernsehen (Copyright: IZI/Elvira Peters)

Die Medienwissenschaftlerin Maya Götz beschäftigt sich mit Diversität im Kinderfernsehen

Laut einer Analyse des IZI (Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen) hatten in einer ausgewählten Woche im Mai 2011 gut 17 Prozent der Hauptfiguren im deutschen Kinderfernsehen einen "explizit erkennbaren Migrationshintergrund". Unter den jugendlichen Zuschauern sind es laut IZI - je nach Altersgruppe - jedoch zwischen 32 und fast 35 Prozent. Vergleichbare Zahlen für das Erwachsenenprogramm gibt es nicht.

"Insgesamt gab es in den vergangenen Jahren eine positive Tendenz, kulturelle Vielfalt im deutschen Kinderfernsehen verstärkt darzustellen. Angemessen berücksichtigt ist die Realität aber noch nicht", sagt Maya Götz, Leiterin des IZI. Zudem seien die Figuren vor allem in eingekauften internationalen Produktionen mitunter klischeehaft: "Schwarze Jugendliche sind dann immer sportlich, Asiaten hingegen besonders klug", so Götz. In deutschen Serien, aber auch in moderierten Spiele- oder Wissensshows hätten die Fernsehmacher mehr Möglichkeiten, und die Sensibilität für das Thema Migration sei groß, sagt Medienwissenschaftlerin Götz.

Fernsehen prägt das Weltbild

Shary Reeves (m.) moderiert zusammen mit Ralph Caspers (l.) die Kindersendung Wissen macht Ah! (Bild: WDR/Wegner)

Shary Reeves (m.) moderiert zusammen mit Ralph Caspers (l.) die Kindersendung "Wissen macht Ah!"

Im deutschen Kinderprogramm gibt es einige Moderatoren, die einen ausländischen Namen haben oder etwas anders aussehen. Die Entdeckersendung "Checker Can" moderiert beispielsweise Can Mansuroglu, in "Wissen macht Ah!" erklärt Shary Reeves Neues, und durch die Rateshow "Tigerentenclub" führen Muschda Sherzada und Pete Dwojak. Im Erwachsenenprogramm kann man hingegen Journalisten vor der Kamera wie Dunja Hayali, Linda Zervakis oder Ranga Yogeshwar schnell abzählen. Insgesamt haben in deutschen Medien nur maximal vier Prozent aller Journalisten einen Migrationshintergrund. "Im Erwachsenenprogramm gibt es bei weitem nicht die kulturelle Vielfalt wie im Kinder- und Jugendfernsehen", sagt auch IZI-Leiterin Götz, die seit Jahren zu Diversität im Kinderprogramm forscht. "Die Macher im Kinderfernsehen nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung besonders ernst und gehen mit einem hohen moralisch-ethischen Anspruch an die Arbeit heran", sagt sie.

Muschda Sherzada (l.) und Pete Dwojak vom Tigerentenclub haben afghanische und polnische Wurzeln (Bild: SWR/A. Kluge) (S2). SWR-Pressestelle/Fotoredaktion, Baden-Baden, Tel: 07221/929-23876, Fax: -929-22059, foto@swr.de

Muschda Sherzada (l.) und Pete Dwojak vom "Tigerentenclub" haben afghanische und polnische Wurzeln

Es gibt dabei gute Gründe, warum Anspruch und Vielfalt im Kinderfernsehen besonders wichtig sind. "Im Kinder- und Jugendalter werden die Grundlagen für das Weltbild eines Menschen geschaffen - heutzutage auch durch das Fernsehen", sagt Medienwissenschaftlerin Maya Götz. Diese Grundlagen blieben lange erhalten und seien auch schwer zu ändern: "Darum sind die vermittelten Bilder im Fernsehen wichtig: Wie sieht der Gute aus oder der Böse? Wer ist eine kompetente Figur und kann mir die Welt erklären?"

Normalen Umgang mit Vielfalt vermitteln

Can Mansuroglu erklärt als Checker Can in seiner Sendung Fragen für Grundschüler (Bild: BR/Hans-Florian Hopfner)

Can Mansuroglu erklärt als "Checker Can" in seiner Sendung Fragen für Grundschüler

Moderator Mansuroglu ist dafür ein gutes Beispiel. Er sagt: "Es geht nicht nur darum, dass man Kindern mit Migrationshintergrund das Gefühl gibt, dass es normal ist, wenn Moderatoren mit ausländischen Namen oder anderem Aussehen auf dem Bildschirm sind, damit die sich wiedererkennen." Für ihn macht es auch andersherum Sinn, "deutschen Kindern einen normalen Umgang mit kultureller Vielfalt zu vermitteln. Das ist mindestens genauso wichtig."

Mansuroglus türkische Wurzeln würden im Programm kaum eine Rolle spielen: "Wir wollen meine Herkunft bei "Checker Can" gar nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Sie ist einfach selbstverständlich und das sollte sie auch sein", sagt der Journalist.

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