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Kultur

Kulturarena: Sommertreff für Daheimgebliebene

Längst mehr als ein kleines, feines, lokales Event zählt die Kulturarena Jena zu den erfolgreichsten, weit über ihre Region ausstrahlenden Veranstaltungen in den neuen Bundesländern.

Suzanne Vega auf der Bühne (Foto: Katrin Wilke)

Große Namen in Jena: Suzanne Vega

Seit zwei Jahrzehnten bieten die Veranstalter ihrem Publikum eine Mischung aus Kunstrausch, Familien- und Freundestreff und Kinderspielplatz. An das Musikprogramm, bis heute das Herzstück des Festivals, sind darüber hinaus eine Theater-, Film- und Kinder-Arena sowie weitere Spezialveranstaltungen angedockt. Das charmante und auch von seinen Ticketpreisen her volksnahe Festival versammelt Menschen aller Altersstufen und diverser musikalischer kultureller Vorlieben auf dem Theatervorplatz in Jenas Innenstadt und streckt sich großzügig über den ganzen Sommer hinweg.

Raus aus dem Windschatten

1992 nahm die Kulturarena ihren Betrieb auf. Schon damals standen bereits 22 Jazz- und Weltmusikkonzerte mit Musikern aus elf Ländern auf dem Programm. 8000 Festivalgäste kamen zur Kulturarena der ersten Stunde. Angezettelt wurde das Ganze vom damals frischgebackenen, wagemutigen Jenaer Kulturamtsleiter Norbert Reif und seinem befreundeten Kollegen Lutz Engelhardt. Die beiden wollten den Beweis antreten, dass das kulturelle Leben auch in der kleinen Carl-Zeiss- und Unistadt Jena pulsiert, im Windschatten der zwanzig Kilometer westlich gelegenen Goethestadt Weimar.

Pressebild von Rainald Grebe & das Orchester der Versöhnung während der Kulturarena in Jena. (Foto:@Kulturarena/ Holger Jahn)

Rainald Grebe wird bei der Kulturarena Jena vom Publikum stürmisch gefeiert

Im Laufe der folgenden zwanzig Jahre mauserte sich die Kulturarena zu einem großen Sommerfestival, das sich mit seinem qualitativ verlässlichen, eher unkommerziellen Programm mittlerweile stilistisch auch stärker in Richtung Pop und Rock bewegt.

Im Jubiläumsjahr gibt es zudem einen deutschen Schwerpunkt: Zu den insgesamt 33 auftretenden Bands und Künstlern aus aller Welt gehören Philipp Poisel, Alin Coen, Anna Depenbusch und Wir sind Helden; letztere traten schon 2005 in Jena an. In der Festivalchronik liest man von einer einhundert Meter langen Schlange, die sich beim Kartenvorverkauf für das Konzert vor der Touristinformation durchs Stadtzentrum wand. Auch der Helden-Auftritt in diesem Jahr war schon Wochen vorher ausverkauft.

Kein Tourneeplan ohne Kulturarena

Nicht wenige der vielen Musiker aus aller Welt kommen im Saalestädtchen Jena als "Wiederholungstäter" auf die Bühne. Neben Götz Alsmann, der nach seiner gelungenen Kulturarena-Premiere das Festival am liebsten in jeder seiner Sommer-Agendas sähe, hat sich auch die Band Katzenjammer wieder angesagt. Nach ihrem umjubelten Auftritt im vergangenen Jahr luden die Festivalmacher die vier musikalisch spleenigen wie einfallsreichen Norwegerinnen prompt noch einmal ein.

Eine von ihnen, die singende Multiinstrumentalistin Marianne Sveen, schwärmt von der besonderen Atmosphäre des Festivals und davon, dass man hier die wahre Liebe des Publikums spüren könne. "Wenn jeder Fan nur einen unserer Songs ins Herz schließt, dann sind wir schon glücklich", sagt sie. Als die Skandinavierin übrigens hörte, dass sie noch einmal nach Jena kommen sollte, habe sie gejuchzt, verrät sie: "Oh ja – ist das nicht dieses Festival mit dem Amphitheater-Feeling?!"

Von der Theaterruine zum Amphitheater

Zum Amphitheater, zur titelgebenden Arena, mauserte sich das Areal erst am fünften Kulturarena-Geburtstag. Bis dahin war Brachland vor der Festivalbühne. Die Arena sieht aus wie eine Art Bühnentorso und ist das einzige Überbleibsel des einst von Walter Gropius gestalteten, 1987 abgerissenen Stadttheaters.

Jene große Brache mitten im Stadtzentrum mutete nach der Wende wie eine Metapher der Jenaer Kulturszene an. 20 Jahre später ist das Areal nicht mehr wieder zu erkennen – vor allem dank der Kulturarena und ihrer Macher. "Ich glaube, das Festival war sehr wichtig für diese Identitätsbildung, also für so ein Selbstbewusstsein, das man hier entwickelt hat: Das ist unsere Arena, das ist das beste Festival in ganz Ostdeutschland", meint der künstlerische Leiter des Festivals Lutz Engelhardt.

Bei Wind und Wetter

Katzenjammer: Marianne Sveen mit Publikum (Foto: Katrin Wilke)

Katzenjammer auf Tuchfühlung mit den Fans

Die hartgesottenen, von jeher neugierigen und begeisterungsfähigen Arena-Fans richten sich in ihrer Urlaubsplanung gerne nach dem Festival. Das startete in diesem Jahr musikalisch auf dem Balkan, mit der rumänischen Fanfare Ciocarlia und dem serbischen Boban & Marko Markovic Orchestra. Zu deren "Balkan Brass Battle" wurde bei strömendem Regen geschwoft – etwas, das man in Jena nicht erst seit diesem launischen Sommer wacker erträgt. Wenn die Batucada Sound Machine aus Neuseeland der diesjährigen Kulturarena am 21. August den fröhlichen Kehraus beschert, werden die Besucher - schlimmstenfalls - so manchen Regenabend feucht-fröhlich durchgestanden und womöglich nicht bereut haben.

Autorin: Katrin Wilke
Redaktion: Suzanne Cords

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