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Kultur

Kultur für die Generation 2.0

Wie lockt man junge Menschen ins Museum? Kulturschaffende finden überall in Deutschland kreative Antworten auf diese Frage. Ein Überblick über spannende Projekte zur Vermittlung von Tanz, Musik, Kunst und Co.

Titel: Dortmunder U Bildbeschreibung: Eingang Fotograf: Carolina Machhaus / DW Ort: Dortmund Datum: 21.05.2013

Eingangsbereich des Kreativzentrums "Dortmunder U"

Kinder und Jugendliche arbeiten an Filmen und Fotografien, sie malen und pinseln und schaffen so unter Anleitung eigene Kunst. Auf dem Vorplatz des Dortmunder U üben Teenager den sogenannten urbanen Parcours, das geschickte Springen und Klettern über Hindernisse. Im Kinosaal findet ein Trommelworkshop statt. Hier wird zur Mitmach-Kultur eingeladen. Mit dabei sind Eltern, neugierige Senioren, Studierende und Lehrer. Es ist der Auftakt der Unesco-Woche der kulturellen Bildung im Dortmunder U. Früher war das U ein Brauereiturm, seit 2010 ist es ein Zentrum für Kunst und Kreativität.

Publikumsvielfalt ist das Ziel

Publikumsvielfalt ist das Ziel

An diesem Tag trifft Alt auf Jung, Alleinerziehende auf Familie, Deutsche auf Migranten. Sie alle schlendern durch das mehrstöckige, gläserne Gebäude.

Professor Franz-Josef Röll der Hochschule Darmstadt ist der Eröffnungsredner beim Tag der Kulturellen Bildung - er kennt sich damit aus, wie junge Menschen ins Museum gelockt werden. "Das Museum muss an die Orte gehen, an denen Jugendliche sind. Wenn sie bei Facebook sind, bin ich auch bei Facebook", erklärt er. Sie sind mit neuen Medien aufgewachsen und fühlen sich in ihrer digitalen Heimat wohl. "Deshalb müssen wir klassische Medien mit digitalen Medien verknüpfen. Nur so machen wir Kultur für junge Menschen zugänglich", unterstreicht der Professor.

Professor Röll: Jugend trifft man in digitalen Welten

Professor Röll: Jugend trifft man in digitalen Welten

"Wir suchen nach Alltagsthemen"

Auch an anderen Orten wurde diese Strategie der kulturellen Vermittlung erkannt. "Kultur soll Kindern auch zeigen, dass sie wichtig sind und dass das was sie tun Kultur ist", erklärt Peter Mesenhöller, Pädagoge im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum. Dort ist er für das Junior-Museum zuständig. Neben freiem Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren und lebendigen Ausstellungen, die zum Entdecken auffordern, verfolgt er weitere Strategien, um ein breiteres Publikum in sein Museum zu locken.

"Wir suchen nach Alltagsthemen, die alle nachvollziehen können", erklärt er. Ziel ist es, sich als Kultureinrichtung an möglichst unterschiedliche Zielgruppen zu wenden. Das Museum möchte aktuell Senioren als Guides für ihre Altersklasse gewinnen. Haben sie einen Migrationshintergrund, dann sollen die Führungen in ihrer Muttersprache stattfinden. "Sie bringen ihre Sicht der Dinge in die Führungen mit ein, die nicht die unsere ist und das ist sehr, sehr spannend und bereichernd", erklärt Mesenhöller.

Eingang des Junior-Museums des Rautenstrauch-Joest-Museums

Eingang des Junior-Museums des Rautenstrauch-Joest-Museums

Herausforderung: gezielte Ansprache

In Bewegung ist auch der Deutsche Museumsbund. Seit etwa 2009 gibt es Initiativen zum Thema Museum und Migration. Ein dort angesiedeltes Projekt ist "Alle Welt: Im Museum". "Im Vordergrund steht, dass man nicht nur etwas für eine Zielgruppe macht, sondern etwas mit ihr gemeinsam entwickelt", erklärt Projektkoordinatorin Sarah Metzler. 

"Museumsarbeit darf sich nicht nur um Zahlen kümmern"

Ob Kinder, Senioren oder Migranten durch diese Projekte häufiger Kulturangebote nutzen, ist schwer zu belegen. Aber die Besucherzahlen stehen für die Museumspädagogen nicht im Vordergrund. "Verantwortungsvolle Museumsarbeit darf sich nicht nur um Zahlen kümmern. Wenn ich darauf schaue, dann bin ich sehr schnell ein kommerzielles Unternehmen. Und unsere Aufgabe der Vermittlung wird dann wegen der Gier nach Erfolg vernachlässigt", warnt Mesenhöller.

Kultur wird demnach dann am besten vermittelt, wenn das Interesse des Publikums geweckt wird. Das zeigt sich auch bei den Tänzerinnen und Tänzern im Dortmunder U - die jüngsten sind 14, die ältesten um die 40 Jahre alt. Sie probieren aus, wie sich Bewegungen für behinderte Menschen anfühlen müssen. Auch Minett, eine junge Teilnehmerin mit südamerikanischen Wurzeln, hat mitgemacht.  "Ich habe so etwas noch nie gemacht und es ist interessant, etwas ganz Neues auszuprobieren."

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