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Sprachbar

Kult(iges)

Mode kommt und geht. Wörter entstehen und verschwinden. Manches ist manchmal für eine bestimmte Zeit kultig, anderes überdauert Zeit und Raum und bleibt Kult – Kultbücher, Kultfilme und Kultwörter. Echt kultig!

Dass unsere Zeit eine besonders schnelllebige ist, hat sich herumgesprochen. Morgen ist heute und heute mindestens vorgestern. Die Erkenntnis, dass nichts so bleibt wie es war, hat der Liedermacher Hannes Wader schon Anfang der 1980er Jahre als Refrain in ein eher beschauliches Lied gepackt. Das, was gilt, was Kult und kultig ist, wird fast täglich neu bestimmt. Was bleibt, weiß kein Mensch – zumindest was die Sprache betrifft. Die Szenesprache wohlgemerkt.

Kult?

Aber was ist Kult? Ganz fix: Mit Kultur hat der Kult nur indirekt etwas zu tun. Er ist keineswegs die Tetrapackausgabe der Gesamtheit geistiger, künstlerischer und gestaltender Leistung einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung, wie Kultur im Lexikon definiert wird.

Madonna

Eine Kultfigur: Madonna

Nein. Kult ist Verehrung. Abgesehen vom religiösen, rituellen Kult ändert er sich rasend schnell. Kult kann übertriebene Verehrung von Personen oder Dingen sein. Da eifert man bestimmten Kultfiguren nach oder liest bestimmte Kultbücher, um mitreden zu können. Prägende Kultfilme sind auch noch Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen Kult – man muss sie einfach kennen. Kultfiguren prägen auch den Kleidungsstil, manchmal jedenfalls. Wie jemand eingekleidet ist, lässt darauf schließen, auf was oder wen derjenige steht.

Kultiges

Und je nach Event gibt es gewaltige Unterschiede, was die Kids – und nicht nur die – an kultigen Klamotten tragen. Das kann auch davon abhängen, was zum Beispiel die Stars der Musikszene so anhaben. Eine Zeit lang war total in, was Madonna an Oberteilen aufbot. Dann kam der Girlie-Kult.

Beides, damals echt geil, ist längst megaout. In ist sprachlich gesehen – wie lange noch – vor allem krass. Ja, krass. Mit hartem "k". Krass stammt vom lateinischen Wort crassus ab – grob, unerhört, sehr stark.

Krass, voll krass, total krass

Der US-amerikanische Schauspieler Gary Cooper spielt 1952 in dem Western Zwölf Uhr mittags (High Noon) die Rolle des Sheriffs Will Kane

Ein Kultfilm: "High Noon"

Das Kultwort aus der deutschtürkischen Szene ist mittlerweile allgemeiner Bestandteil der Jugendsprache geworden. Es bedeutet in etwa das, was früher als geil oder auch cool bezeichnet wurde. Die Steigerungsform ist voll krass oder total krass. Echt! Das können Sie echt, will heißen, wirklich glauben. Echt hat sich übrigens echt gehalten und gilt immer noch als total korrekt.

Kultwörter

Überhaupt haben einige ehemalige Kultwörter erstaunlich lange überlebt und sind nach wie vor fester Bestandteil der Alltags- und Umgangssprache. Zum Beispiel Klasse und Wahnsinn. Mit echt vorne dran – und gewissermaßen runderneuert – sind sie mitunter durchaus ernsthafte Konkurrenten zu echt Spitze.

Auch dieses echt Spitze setzte sich fest, geprägt von einer Kultfigur – dem deutschen Entertainer Hans Rosenthal. In seiner Fernsehshow Dalli, Dalli ließ er die Leistungen seiner Kandidaten jedes Mal mit dem Ausruf quittieren "Das war Spitze".

Kultwörter kommen und gehen

Eine Gruppe von Jugendlichen sitzt nebeneinander auf einer Treppe

Was jetzt "in" ist, ist bald "megaout"

Jede Zeit hat Elemente dessen, was man Kultsprache nennt. Dabei sind die Kultausdrücke durchaus in der Sprach- und Kulturgeschichte fest verwurzelt. Zu bestimmten Zeiten, unter bestimmten Umständen, werden sie – kein Mensch weiß genau weshalb – gewissermaßen an die Oberfläche der Sprache gespült, wo sie dann eine mehr oder weniger verschwommene Bedeutung annehmen.

Ein Klassiker unter den Kultwörtern ist auch astrein. Das Wort Ast hat seinen Ursprung im Griechisch-Armenischen und ist bereits seit dem achten Jahrhundert im Deutschen belegt. Die Bedeutung einwandfrei, von bester Qualität – eben wie astloses Holz – kam in den 1930er Jahren auf. Er wurde im Dritten Reich umgangssprachlich und bezog sich ursprünglich auf das im Sinne der Nazis positive Ergebnis der politischen Überprüfung Einzelner.

Vorsicht!

Es ist schon irre – ein Kultwort aus den Sechzigern – was so alles zu Tage tritt, wenn man den Wörtern auf den Grund geht. Ein allzu lässiger Umgang mit Sprache – lässig: Kultwort aus den fünfziger Jahren – ist nicht unbedingt empfehlenswert. Denn manche Kultwörter sind gar nicht kultig. Der Hurensohn zum Beispiel.

Fragen zum Text

Eine Tetrapackausgabe von etwas bedeutet im übertragenen Sinn …

1. etwas, das in einem großen Ganzen zusammengefasst ist.

2. etwas, das zum Kauf angeboten wird.

3. die Summe aller Gegenstände.

Kein Kultwort ist …

1. astig.

2. astrein.

3. affenscharf.

Hurensohn ist ein … Kultwort.

1. abwertendes

2. positives

3. altes

Arbeitsauftrag

Was war in den 1990er Jahren Kult in Deutschland: Welche Stars, welche Musikrichtungen, welche Wörter? Informieren Sie sich und fassen Sie anschließend Ihre Ergebnisse in einem Referat zusammen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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