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Kulinarisches

Viele Köche verderben den Brei! Das gilt nicht nur in der Küche, sondern auch im Autohaus. Denn dort gibt es ausgekochte Verkäufer, Kunden, die immer eine Extrawurst wollen, und Ehefrauen, die Haare in der Suppe finden.

Schon zum dritten Mal war Paul mit dem neuen Wagen beim Mechaniker und das nur zwei Monate nach dem Kauf. Dabei hatte er doch zunächst gedacht: "Erste Sahne dieses fast neue Modell mit den sechs Gängen und den bequemen Ledersitzen."

Erste Sahne oder sauer Bier

Deshalb wollte er bloß nichts anbrennen lassen und schnell beim Super-Sonderangebot des Autohändlers zuschlagen, bevor es ihm ein anderer vor der Nase wegschnappt. Der Verkäufer war ziemlich ausgekocht und hatte jede Menge Vorteile aufgezählt, um Paul den Kauf so richtig schmackhaft zu machen. Aber ihm musste der Verkäufer den Wagen gar nicht lange wie sauer Bier anpreisen. War aber dann doch nicht ganz gar die Geschichte mit den Riesen-Prozenten beim Sofortkauf. Seine Frau Karin hatte den Braten direkt gerochen, war schnell misstrauisch geworden und gegen den Kauf.

Das bekam Paul jetzt jeden Tag auf’s Brot geschmiert, morgens und abends wurde ihm die teure Anschaffung vorgehalten. Sie habe noch betont: "Paul, lass uns lieber kleinere Brötchen backen und etwas Preiswerteres mit weniger PS und ohne Ledersitze nehmen." Aber nein, Paul hatte gemeint: "50 Euro mehr im Monat abzahlen ist doch nicht so viel. Das macht den Kohl auch nicht fett". Sie würden schon deswegen nicht gleich am Hungertuch nagen. Außerdem müsse er schließlich jeden Tag 80 Kilometer zur Arbeit fahren und abends wieder zurück, das sei kein Zuckerschlecken!

Immer Extrawürste

Dann hatte er sich in das glänzend polierte Coupé gesetzt, sanft über das Armaturenbrett gestrichen und von staulosen Fahrten durch die Frühlingslandschaft geträumt. Seine Frau bemerkte, dass die Sitze nur nach Leder rochen, tatsächlich aber aus Kunststoff waren. Paul meinte nur, sie habe aber auch immer etwas auszusetzen und würde in jeder Suppe ein Haar finden. Und überhaupt sei Kunststoff doch sowieso pflegeleichter. Er sei kein Erbsenzähler, sondern schaue auf’s Ganze. Sie auch, sagte Karin, und das Ganze koste eben 4000 Euro mehr als sie ausgeben könnten.

Dann wäre es fast zum lautstarken Ehekrach im Autohaus gekommen. Er müsse wohl immer eine Extrawurst gebraten bekommen. Gerade hätten sie die Durststrecke mit dem alten Kredit überwunden und die teure Stereo-Anlage abbezahlt. Na gut, antwortete Paul mit beleidigter Miene, dann werde er eben in den sauren Apfel beißen und die Stereo-Anlage verkaufen. "Die ist doch keinen Pfifferling mehr wert", sagte sie laut und schrie nur deshalb nicht, weil der Verkäufer in Hörweite stand. Aber bei Paul war Hopfen und Malz verloren, das sah sie schnell ein. Sie konnte sagen, was sie wollte, er ließ sich einfach nicht von seiner Meinung abbringen. Und dann hatten sie den Kaufvertrag schließlich doch unterschrieben.

In Teufels Küche geraten

Jetzt mussten sie die Suppe auslöffeln, die er ihnen eingebrockt hatte. Der Wagen war sogar noch teurer geworden, weil zu einem schicken Auto natürlich auch schicke Felgen gehören, auf die Paul nicht verzichten wollte. "Wenn jetzt die alte Waschmaschine oder der Herd kaputt geht, dann kommen wir in Teufels Küche mit unserem Geld", hatte Karin Paul angebrüllt, als sie die monatliche Rate auf dem Kontoauszug sah.

"Und du bekommst es immer noch nicht gebacken, deinen Chef endlich mal nach einer Lohnerhöhung zu fragen." So, jetzt hatte er sein Fett weg, musste das Geschimpfe über sich ergehen lassen und saß am Tisch mit einem schuldbewussten Gesicht, wie ein kleiner Junge, der etwas ausgefressen hat. Am liebsten hätte sie ihn ans Ende der Welt geschickt, dahin, wo der Pfeffer wächst. Aber dazu mochte sie ihn natürlich viel zu gerne.

Salz in der Suppe

Am nächsten Tag war Paul zum Autohändler gegangen, war schnell zur Sache gekommen und hatte nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. Er warf dem Verkäufer Betrug vor und drohte mit einer Anzeige. Als er tatsächlich einen Nachlass von 1000 Euro bekam, ging er zum nächsten Blumenladen und kaufte einen Strauß Rosen für Karin. Für mein "Zuckerschneckchen" hatte Paul gesagt. So hatte er sie schon 20 Jahre nicht mehr genannt. Er war sich wohl bewusst, dass sie in seinem Leben das Salz in der Suppe war. Und sie wusste das auch.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Barbara Syring

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