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Amerika

Kubas Wirtschaft am Boden

Die Wirtschaft von Kuba steht momentan so schlecht da wie selten zuvor. Der sozialistische Staat muss Geld sparen und schließt selbst Entlassungen nicht mehr aus.

Kubas Flagge gemalt auf einer Mauer. Darüber steht Revolución geschrieben (Foto: Anne Herrberg)

Die Revolution ist lange her

Rund 95 Prozent der Beschäftigten in Kuba arbeiten in Staatsbetrieben. Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenquote nur bei 1,7 Prozent. In den letzten acht Jahren hat sie nie die Drei-Prozent-Schwelle überschritten. Allerdings werden die Jobs vom Staat in der Regel äußerst schlecht bezahlt. Viele Kubaner verdienen nicht mehr als 15 Euro pro Monat. Dementsprechend gering ist auch die Motivation zu arbeiten. Ein Spruch, der die Lage beschreibt, geht im Land um: "Der Staat tut so, als ob er uns bezahlt, und wir tun so, als ob wir arbeiten."

Einschnitte wahrscheinlich

"Die Produktivität in Kuba entspricht heute dem Stand von 1989", so Journalist und Castro-Biograph Volker Skierka gegenüber DW-WORLD.DE. Heute muss selbst Kubas einstiger Exportschlager Kaffee importiert werden weil die inländische Produktion über Jahre hinweg immer weiter zurückgegangen ist - bis jetzt um rund 90 Prozent. "Die Landwirtschaft ist nicht in der Lage, die eigene Bevölkerung zu versorgen", so Skierka weiter "Kuba muss jedes Jahr für knapp 2,5 Milliarden Dollar Lebensmittel, vor allem aus den USA, importieren." Den Import von Nahrungsmitteln in der derzeitigen Größenordnung kann sich das Land aber auf Dauer nicht leisten. Das hat die Regierung erkannt und denkt jetzt sogar über eine Reduzierung des Personalbestands nach. Dabei war der garantierte Arbeitsplatz ein Pfeiler der Revolution von 1959. Kein Wunder also, dass viele Menschen im Land sich Sorgen machen.

Eine Million Arbeitskräfte zu viel?

Porträt von Raúl Castro (Foto: AP)

Kubas amtierender Präsident Raúl Castro

Kuba hat rund 11,2 Millionen Einwohner, wovon 5,1 Millionen in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Doch die Arbeit reicht nicht für so viele Menschen. "Wir wissen, dass Hunderttausende unnötige Arbeitskräfte in den Haushaltsplänen und Arbeitsbüchern stehen. Und manche Experten schätzen, dass der Überfluss an Stellen eine Million übersteigt", so Raúl Castro. Er ist vor vier Jahren für seinen kranken Bruder Fidel nachgerückt. Gerüchte gehen um, dass in manchen Bereichen bis zu einem Viertel der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren könnten oder sie stattdessen auf dem Land oder auf dem Bau arbeiten müssen.

Beispiel Zuckerproduktion

In diesem Jahr hat Kuba die schlechteste Zuckerrohrernte seit mahr als 100 Jahren eingefahren, berichtet die kommunistische Parteizeitung "Granma". Insgesamt seien 850.000 Tonnen Zucker zu wenig produziert worden. Dabei gehörte Kuba einst zu den führenden Zucker-Exportländern der Welt. Aber der Zuckerproduktion haben sinkende Weltmarktpreise, das US-Embargo und der Zusammenbruch des Ostblocks schwer zu schaffen gemacht. So wie bei der Zuckerproduktion sieht es in vielen Wirtschaftszweigen des Landes aus.

Tourismus als Einnahmequelle

Weißer Strand am Meer. Blauer Himmel mit einigen Wolken. (Foto: Zeljka Telisman)

Touristen mögen die schönen Strände Kubas

Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle des Landes. Rund 2,5 Millionen Touristen haben im vergangenen Jahr Kuba besucht. Mit über 900.000 kommen mit Abstand die meisten Touristen aus Kanada. Danach folgen Großbritannien mit 172.000 und Spanien mit 130.000 Touristen. Da Kuba auf Devisen angewiesen ist, muss jeder Tourist für die Ein- und Ausreise Gebühren von rund 40 Euro bezahlen. Im Mai ist zudem eine Vorschrift in Kraft getreten nach der Touristen eine in Kuba anerkannte Reisekrankenversicherung nachweisen müssen. Wer das nicht kann, muss bei der Ankunft eine abschließen. Aber selbst beim Tourismus läuft es nicht mehr rund. So berichten Beschäftigte der Tourismusbranche, dass Kollegen von ihnen in den ruhigen Sommermonaten beurlaubt worden seien. "Das ist ganz schön hart, weil man dann gar keinen Lohn erhält", sagt Orlando, ein Koch im Badeort Varadero. Weil er keine Probleme bekommen möchte, nennt er nicht seinen vollen Namen.

Dem Land geht das Geld aus

Drei Wirbelstürme sind im Jahr 2008 über Kuba gefegt und haben Milliardenschäden verursacht. Etwa zur gleichen Zeit entfaltete sich die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise. Durch beide Faktoren ergab sich ein Defizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In Folge dessen konnte das Land Kredite, unter anderem an China, nicht zurückzahlen. Kuba musste die Ausgaben extrem drücken. So wurden die Importe von Lebensmitteln und anderen Bedarfsgütern um rund ein Drittel zurückgefahren. Aber auch das hat nicht ausgereicht. Daher denkt die Regierung über tiefgreifendere Reformen des Arbeitsmarkts nach. Ansonsten besteht für Kuba die Gefahr einer Staatspleite.

Autor: Marco Müller (ap, dpa, epd)
Redaktion: Mirjam Gehrke

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