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Wirtschaft

Kubas Währungen: Es soll nur eine geben

Noch gibt es in Kuba zwei Währungen, was für allerlei Probleme sorgt. Die Regierung will das jetzt ändern - eine Aufgabe für den neuen Wirtschaftsminister Marino Murillo.

Seit 1994 zirkulieren in Kuba zwei Währungen: Die meisten Löhne werden in der Landeswährung Kubanischer Peso (CUP) ausgezahlt. Damit können einfache Dinge wie Obst und Gemüse gekauft werden. Der Preis für diese Waren wird von der Regierung in staatlichen Läden festgelegt und subventioniert.

Gleichzeitig gibt es den sogenannten Konvertiblen Peso (CUC). Der kann nur in staatlichen Banken und Wechselstuben innerhalb Kubas gegen Devisen getauscht werden, sein Wert ist an den US-Dollar gekoppelt.

Hoher Wechselkurs

Die meisten Importartikel und Dienstleistungen müssen in CUC bezahlt werden. Auch in vielen Hotels und privaten Restaurants dient der CUC als einziges Zahlungsmittel. Der offizielle Wechselkurs: 25 CUP für 1 CUC.

"Warum kann ich in den meisten Läden und Geschäften nur in CUC bezahlen, mein Gehalt aber wird mir in CUP ausgezahlt?“, fragt sich nicht nur Alejandro Bermúdez*, der als staatlicher Restaurator arbeitet.

Nur ein kleiner Teil der kubanischen Bevölkerung hat direkten Zugang zum CUC – in der Regel jene, die im Tourismus oder in der Privatwirtschaft beschäftigt sind, oder denen Verwandte im Ausland Geld überweisen.

Symbolbild zwei Währungen in Kuba

Die beiden Scheine rechts sind umtauschbare Peso (CUC), diei anderen "normale" Peso (CUP)

Hohe Erwartungen

Im Oktober vergangenen Jahres hatte Kubas Regierung angekündigt, die beiden Währungen zusammenzuführen und dabei den CUC abzuschaffen. Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung wurde allerdings nicht genannt. Die Umstellung könne bis zu 18 Monaten dauern, hieß es. Eine Schlüsselrolle dabei dürfte Kubas neuer Wirtschaftsminister Marino Murillo spielen, der an diesem Freitag (26.09.2014) von der Regierung in Havanna ernannt wurde. Murillo gilt als Reformer, er ist zudem kein Unbekannter auf dem Posten: Schon von 2009 bis 2011 hatte er das Amt inne; er war damals zugleich Chef der Regierungskommission, die die marktwirtschaftliche Öffnung Kubas in die Wege geleitet hat.

In der kubanischen Bevölkerung wird die geplante Veränderung begrüßt, ist aber auch mit Erwartungen verbunden: "Wichtig wäre, dass die Einkommen angehoben werden und die Preise nicht weiter steigen", sagt Bermúdez.

Yureli Machín* ist Musikerin. Um sich etwas dazu zu verdienen, verkauft sie aus dem Ausland importierte Kleidung. Sie ist eine Art private Zwischenhändlerin. Beim Verkauf erhält sie CUC. Vom Erlös bezahlt sie den Großhändler bzw. den Importeur der Kleidung. Solche Geschäfte sind illegal, die Regierung versucht, sie mit härteren Gesetzen zu unterbinden.

Vor der Währungsumstellung ist Machín nicht bange: "Das haben wir in den vergangenen Jahren ja schon ein paarmal erlebt."

Mangel an Devisen

Die kubanische Regierung hatte in der Zeit der schwersten Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten Osteuropas 1993 zunächst den US-Dollar als Zahlungsmittel in Kuba legalisiert; im darauffolgenden Jahr wurde der US-Währung dann der CUC als heimische Devisenwährung gegenübergestellt. Der Staat benötigte damals dringend Devisen.

Aufgrund der weiterhin bestehenden US-Blockade ist Kuba bis heute weitgehend von den internationalen Finanzmärkten abgeschnitten, verfügt kaum über Devisenreserven und ist stark vom Außenhandel abhängig. Im Jahr 2004 war der US-Dollar als Zahlungsmittel dann wieder abgeschafft und komplett vom CUC abgelöst worden. Damit schöpfte die Regierung nun auch die auf der Insel zirkulierenden Devisen ab. An der Praxis zweier parallel existierender Währungen änderte die Maßnahme aber nichts.

Die Währungszusammenführung sei "unaufschiebbar" und hätte "schon vor langer Zeit geschehen müssen", erklärte Anfang August der kubanische Ökonom Joaquín Infante Ugarte, Berater des Präsidenten der Vereinigung kubanischer Volkswirte und Buchhalter (Asociación Nacional de Economistas y Contadores de Cuba, ANEC), gegenüber der kubanischen Tageszeitung Granma.

Probleme der Doppelwährung

Das parallele Währungssystem verschleiere die tatsächlichen Produktionskosten und verzerre die wirtschaftliche Einschätzung von Investitionen, weil Exporte und Importe falsch bewertet würden.

Das hängt damit zusammen, dass in der Buchführung von staatlichen Unternehmen und Banken in der Regel mit einem Kurs von 1:1 (statt 25:1) gerechnet wird. In der Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise im Ausland Waren im Wert von einer Million CUC erworben, im Inland dann aber für eine Million CUP abgegeben werden – eine gewaltige Subventionsmaschine.

Der Wirtschaftswissenschaftler erwartet, dass sich die Abschaffung des parallelen Währungssystems vor allem im staatlichen Wirtschaftssektor schnell bemerkbar macht. Die Bevölkerung werde die Auswirkungen erst nach und nach spüren, glaubt Infante Ugarte.

Das sieht die Musikerin Yureli Machín anders. Sie vermutet eine Schikane der Regierung: "All jene, die in den letzten Jahren ihre Häuser verkauft haben und Zehntausende CUC zuhause liegen haben - wie sollen die plötzlich ihre Vermögen rechtfertigen?" In den Grundbüchern ist der Wert der Häuser in CUP und oft zu einem viel niedrigeren Wert angegeben.

"Aktualisierung des sozialistischen Modells"

Kuba Präsident Raul Castro Internationaler Tag der Arbeit 1.5.2014

Kuba Präsident Raúl Castro

Das Beispiel zeigt, von welchen Schwierigkeiten die Umstellung begleitet ist. Der komplexe Prozess der Währungszusammenführung aber ist ein zentraler Bestandteil der von Präsident Raúl Castro angestoßenen vorsichtigen wirtschaftlichen Anpassung.

Unter dem Leitspruch der "Aktualisierung des sozialistischen Modells" hat die Regierung in den vergangenen Jahren ihre Kontrolle der Wirtschaft gelockert und mehr private Initiative erlaubt, eine Sonderwirtschaftszone eingerichtet und ein neues Investitionsgesetz verabschiedet, um ausländisches Kapital anzulocken.

Nach der Ankündigung der Währungsumstellung hatten viele Kubaner ihre Bankkonten von CUC auf CUP umgestellt, in der Erwartung, dass letzterer aufgewertet werden könnte.

Die kubanische Regierung wiederum hat versichert, die Bankguthaben der Kubaner in sowohl der einen als auch der anderen Währung "zu garantieren".

Niemand werde nach der Währungszusammenführung schlechter gestellt sein. Es werde keinen Preisanstieg geben, erklärte der mit der Koordinierung der Wirtschaftspolitik beauftragte Vizepräsident des Ministerrates, Marino Murillo, nach der außerordentlichen Sitzung des kubanischen Parlaments Anfang Juli. Eine "Schocktherapie" werde es nicht geben.

Erste Zeichen

Noch gibt es nur wenige Informationen darüber, wie die Umstellung genau über die Bühne gehen soll. In den vergangenen Monaten sind jedoch einige Maßnahmen ergriffen worden, die wohl mit der geplanten Abschaffung des parallelen Währungssystems im Zusammenhang stehen.

Im August kündigte Kubas Zentralbank die Ausgabe neuer Geldscheine der Landeswährung CUP mit zusätzlichen Sicherheitszeichen an. In vielen Supermärkten und staatlichen Geschäften kann zudem seit einigen Monaten in beiden Währungen zum Kurs von 1:25 bezahlt werden. Damit entfällt für die Kunden der vorherige Geldumtausch.

Die Währungszusammenführung sei jedoch keineswegs die "magische Lösung für alle Probleme", sagt Präsident Raúl Castro. Eine Steigerung der Kaufkraft, wie von vielen Kubanern erhofft, gehe mit ihr nicht automatisch einher, warnt auch der Ökonom Infante Ugarte – dafür sei eine Steigerung der Produktivität nötig.

* Die Namen wurden auf Wunsch der zitierten Personen geändert

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