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Amerika

Kubanische Bloggerin an der Ausreise gehindert

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez wurde erneut daran gehindert, im Ausland einen Journalistenpreis entgegenzunehmen. Bereits vergangenes Jahr durfte sie für eine Auszeichnung der Deutschen Welle nicht ausreisen.

Yoani Sánchez, Kubas bekannteste Bloggerin (Archivfoto: dpa)

Yoani Sánchez, Kubas bekannteste Bloggerin

Kubas bekannteste Bloggerin, die Sprachwissenschaftlerin Yoani Sánchez, ist eigenen Aussagen zufolge erneut an einer Ausreise gehindert worden. Am Mittwoch (14.10.2009) sollte sie an der New Yorker Columbia University mit dem Maria-Moors-Cabot-Preis ausgezeichnet werden. "Die Weigerung, mir eine Reiseerlaubnis zu erteilen, zeigt, wie wenig die Dinge sich geändert haben", kritisierte Sánchez. Die Kubaner würden von der Regierung in Havanna weiterhin wie "Kinder" behandelt. Zugleich zeigte sie sich erfreut, dass ihr der Preis zuerkannt wurde. Das sei ein Beleg dafür, dass ihre Stimme auch "virtuell" zu vernehmen sei.

Revolutions-Propaganda in Havanna (Foto: DW)

Die omnipräsente Revolution: Gegen Regimekritiker, so genannte 'Dissidenten', geht Kuba unnachgiebig vor.

Der Maria-Moors-Cabot-Preis ist einer der ältesten Journalistenpreise der USA. Er würdigt nach eigenen Angaben eine Berichterstattung, die sich "für ein interamerikanisches Verständnis" und die "Verteidigung der Pressefreiheit" einsetzt. Über das Ausreiseverbot für die kubanische Bloggerin sei man sehr enttäuscht, sagte der Dekan der Graduate School of Journalism an der Columbia University, Nicholas Lemann. Er forderte die kubanische Regierung auf, Sanchez' Arbeit als das Zeichen einer jungen Generation zu würdigen, die sich für eine bessere Zukunft Kubas einsetze, "eine, in der es auch eine Presse- und Meinungsfreiheit gibt", fügte er hinzu.

Bild vom Alltag Kubas

Sanchéz' Blog "Generation Y" beschreibt seit zwei Jahren den Alltag auf der Karibikinsel und verzeichnet derzeit rund eine Million Besuche pro Monat. Er ist auch auf deutsch verfügbar. In Kuba ist der Blog für den Zugriff gesperrt. "Generation Y" beteilige sich nicht an der Propagandaschlacht, wie sie seit fünf Jahrzehnten zwischen den USA und Kuba ausgefochten werde, heißt es in der Begründung der Columbia University: "Anstatt dessen handelt es sich um eine Mischung aus persönlichen Beobachtungen und Analysen, die besser als jeder Andere ein Bild vom Alltag Kubas vermitteln - mit allen seinen Hoffnungen und Frustrationen."

Das Büro von Yoani Sánchez in Havanna (Foto: AP)

Sánchez: 'Ich bin eine virtuelle Pilgerin, die ihre Reise über Kilobytes und html-Kodierung antritt.'



Sánchez hat bereits andere internationale Auszeichnungen für ihren Blog erhalten, im vergangenen Jahr war sie mit den Deutsche Welle Blog Awards 2008 ausgezeichnet worden - auch diesen Preis konnte sie nicht persönlich entgegen nehmen, weil ihr die Ausreise verweigert wurde. Kubanische Bürger benötigen zur Ausreise eine so genannte "weiße Karte". Oppositionelle auf Kuba klagen regelmäßig darüber, dass sie ihnen verweigert werde. So konnten in den Jahren 2002 und 2005 vom EU-Parlament mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis ausgezeichnete kubanische Oppositionelle nicht zur Preisverleihung nach Straßburg reisen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) forderte die kubanische Regierung auf, die Reisebeschränkungen für Sanchez aufzuheben. In einer am Dienstag verbreiteten Erklärung warf ai Kubas Behörden vor, Kritikern der kommunistischen Regierung systematisch die Ausreise zu verweigern. Die kubanische Regierung hat sich bislang zu den Vorwürfen nicht geäußert.

Autorin: Ina Rottscheidt (afp/ai/dpa)

Redaktion: Mirjam Gehrke

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