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Politik

Kuba will weitere Gefangene freilassen

Kuba will weitere sechs politische Häftlinge ins Exil nach Spanien ausreisen lassen. Derweil feiern viele Kubaner den 84. Geburtstag des Revolutionsführers Fidel Castro, der neuerdings wieder öffentlich auftritt.

Ein Mädchen spielt zu Castros Geburtstag in Sanctu Spiritus auf der Geige (Foto: AP)

Ein Mädchen spielt zu Castros Geburtstag in Sancti Spiritus auf der Geige

Die sechs Gefangenen gehören zu einer Gruppe von 75 Oppositionellen, die 2003 unter dem Vorwurf der Spionage für die USA zu Haftstrafen zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt worden waren. Sie sollen in den nächsten Tagen freikommen. Das teilte die katholische Kirchenführung am Samstag (14.08.2010) in Havanna mit.

Unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft und unter Vermittlung der katholischen Kirche hatte die kubanische Regierung Anfang Juli zugestimmt, die noch einsitzenden 52 Häftlinge sukzessive aus der Haft zu entlassen und auszuweisen. Bisher sind 20 von ihnen nach Spanien ausgereist.

Einige Dissidenten bejubeln im Juli ihre Freilassung (Foto: AP)

Einige Dissidenten bejubeln im Juli ihre Freilassung

Kinderchöre und Buchlesungen zum Castro-Geburtstag

Am Freitag begingen viele Bürger mit Buchlesungen, Kinderfesten und Konzerten im ganzen Land den 84. Geburtstag von Revolutionsführer Fidel Castro. Wie in jedem Jahr traten zwischen Havanna im Westen und Santiago im Osten der über 1000 Kilometer langen Insel rund 200 Kinderchöre auf. Junge Kommunisten überreichten dem "Máximo Líder" zu seinem Geburtstag ein Gemälde, wie die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina meldete. Bereits am Donnerstag begannen "Künstlertage für Fidel und den Frieden" mit Konzerten und Lesungen.

Ein schriftlicher Geburtsgruß an einem Baum im kubanischen Sancti Spiritus (Foto: AP)

Ein schriftlicher Geburtsgruß an einem Baum im kubanischen Sancti Spiritus

Die kubanischen Staatsmedien veröffentlichten Glückwünsche von ausländischen Politikern und widmeten ihm den größten Teil ihrer Ausgaben. Dabei bezeichneten sie ihn als "Chefkommandanten". Es tauchte aber auch leise Kritik an seinem Werk auf. Der Filmemacher Alfredo Guevara, ein Vertrauter Castros, kritisierte "Ignoranz, Bürokratie und Immobilität" im kubanischen Realsozialismus. Guevara forderte in einem vom staatlichen Portal Cubadebate veröffentlichten Artikel eine "Revolution von innen" und kritisierte dabei indirekt die staatliche Planwirtschaft.

Ein Mann aus der Vergangenheit?

Hart ging die Bloggerin Yoani Sánchez in Havanna mit Fidel Castro ins Gericht. Die Kubaner hätten schon begonnen, sich an ihn "als jemanden aus der Vergangenheit" zu erinnern, meinte Sánchez anlässlich des Castro-Geburtstags. Die Zeiten des bewunderten und auch gefürchteten Revolutionsführers seien vorbei, schrieb die international prämierte Bloggerin.

Fidel Castro trat kurz vor seinem 80. Geburtstag 2006 krankheitshalber zurück und verschwand für fast vier Jahre aus der Öffentlichkeit. 2008 wurde sein Bruder Raúl Castro mit der Neuwahl des Staatsrates auch formell Staats- und Regierungschef. Allerdings behielt Fidel Castro den Posten als Chef der Kommunistischen Partei sowie seinen Parlamentssitz und meldete sich auch immer wieder mit schriftlichen Kommentaren zur Wort.

Fidel sucht wieder die Öffentlichkeit

Fidel Castro freut sich über ein Buch, das ihm eine kolumbianische Senatorin geschenkt hat (Foto: AP)

Fidel Castro freut sich über ein Buch, das ihm eine kolumbianische Senatorin geschenkt hat

Seit dem 7. Juli dieses Jahres trat Fidel Castro rund ein Dutzend Mal wieder öffentlich auf und machte dabei nach Ansicht von Beobachtern einen dynamischen Eindruck. Unter anderem hielt er eine Rede vor dem Parlament. Allerdings äußerte er sich fast nur zu internationalen Themen. Innenpolitische Themen vermied er dagegen, so ging er weder auf die behutsamen Reformansätze seines Bruders ein, noch äußerte er sich zu der Entlassung politischer Gefangener.

Zuletzt empfing der "Máximo Lider" am Donnerstag die kolumbianische Senatorin Piedad Córdoba, wie das kubanische Fernsehen berichtete. Die Linkspolitikerin hat sich einen Ruf als Vermittlerin im bewaffneten Konflikt zwischen Regierung und Guerilla in dem südamerikanischen Land erworben.

Autor: Reinhard Kleber (epd, afp, dpa)
Redaktion: Stephan Stickelmann

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