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Politik

Kuba: Vorhang auf für den letzten Akt?

Die Magenoperation sei gelungen, Fidel Castro sei stabil, meldete das kubanische Staatsfernsehen. Aber was, wenn das nicht stimmt und der "Maximo Lider" nicht mehr auf die Beine kommt? Miriam Gehrke kommentiert.

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Alles Seifenoper oder ändert sich bald wirklich was?

"Ich sterbe fast jeden Tag - das macht mir viel Spaß und ich fühle mich dadurch nur gesünder." So reagierte Kubas Staatschef Fidel Castro, als er vor einer Woche von Journalisten auf die jüngsten Gerüchte um seinen Tod angesprochen wurde. Den Exil-Kubanern in Miami, der US-Regierung in Washington, den kubanischen Dissidenten und vielen anderen würde es schon reichen, wenn Fidel Castro nur einmal stürbe - seit Jahren schon setzen seine Gegner auf die "biologische Lösung". Auch der dienstälteste Staatschef und älteste amtierende Revolutionär der Welt ist nicht unsterblich. Dass aber erst Castros Ableben den Weg freimachen wird für einen Neuanfang auf Kuba, zeigt zum einen: Das Regime sitzt auch nach 47 Jahren - und 15 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung der Sowjetunion - fester im Sattel, als es seine Kritiker für möglich gehalten haben.

Radikaler Neuanfang unwahrscheinlich

Andererseits könnte sich die Hoffnung von einem radikalen Neuanfang für Kuba als Trugbild erweisen. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Linksrucks in Lateinamerika ist das kubanische Regime aus der "Schmuddel-Ecke" geholt worden, und man pflegt wieder einen politischen Dialog: Uruguay und Argentinien haben in den letzten Jahren wieder diplomatische Beziehungen zu Kuba aufgenommen. Erst vor wenigen Wochen hatte Fidel Castro noch als Gast an dem Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten in Argentinien teilgenommen.

Es gibt nichts zu beschönigen: In Kuba herrscht ein totalitäres Regime. Menschenrechtsorganisationen zufolge sitzen über 300 Dissidenten als politische Gefangene hinter Gittern. Die wirtschaftliche Lage in dem Karibik-Staat ist desolat, nur durch Korruption und Bestechung können die Kubaner ihre Alltagsbedürfnisse befriedigen. Der Tourismus als Haupt-Devisen-Quelle hat zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft geführt, die die sozialistische Idee ad absurdum führt. Die Bespitzelung der eigenen Bevölkerung durch die nachbarschaftlichen Revolutionskomitees ist flächendeckend und einschüchternd - die Revolution misstraut ihrem eigenen Volk aufs tiefste. So gesehen hat das Castro-Regime längst den Zeitpunkt verpasst, um in Ehren abzutreten.

In einer geordneten Übergangsphase könnte es zumindest gelingen, viele der sozialen Errungenschaften hinüberzuretten in ein neues Zeitalter. Selbst die regimekritische kubanische "Kommission für Menschenrechte und nationale Versöhnung" lobt die für lateinamerikanische Verhältnisse wahrlich einmaligen sozialen Errungenschaften: Dank der guten medizinischen Versorgung hat Kuba die höchste Lebenserwartung und die niedrigste Kindersterblichkeit Lateinamerikas.

USA sind keine Befreier

Auch wenn angesichts zunehmender Repression und gleichzeitig sich verschärfender wirtschaftlicher Probleme die Unzufriedenheit der Kubaner wächst, wollen sie eines auf keinen Fall: den USA oder den Exil-Kubanern aus Miami wie eine reife Frucht in den Schoß fallen. Der Vergleich mag hinken - aber es sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass die Iraker die US-Soldaten nach dem Sturz von Saddam Hussein nicht wie Befreier empfangen und gefeiert haben.

Und noch ein Hinweis sei erlaubt: Nach dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR brandete in den neuen Bundesländern eine Welle der Ost-Nostalgie auf - die ehemaligen DDR-Bürger wollten sich nicht von den West-Deutschen einreden lassen, sie hätten 40 Jahre lang auf der Verliererseite der Geschichte gelebt. 70 Prozent der Kubaner sind nach der Revolution geboren, sie kennen ihr Land nur unter Castro. Und sie lieben ihr Land trotz Castro - das sollte für die Ära nach Fidel und Raúl niemand unterschätzen.

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  • Datum 02.08.2006
  • Autorin/Autor Miriam Gehrke
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8seG
  • Datum 02.08.2006
  • Autorin/Autor Miriam Gehrke
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