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Wirtschaft

Kuba lockt ausländische Investoren

Die kubanische Regierung stellt erstmals einen Katalog mit konkreten Investitionsprojekten vor. Deutsche Unternehmer kritisieren die mangelnde Unterstützung durch die Bundesregierung. Aus Havanna Andreas Knobloch.

Kubas Wirtschaft öffnet sich neuerdings ausländischem Kapital, potentielle Investoren werden mit zahlreichen Anreizen gelockt. "Aber der kubanische Markt hat viele Besonderheiten", weiß Stephan Gruber, einer der Geschäftsführer von Casa Alemania (Haus Deutschland), der seit einigen Jahren in Kuba aktiv ist. "Kurzfristig - das wird in Kuba nicht funktionieren." Der Dachverband Casa Alemania versteht sich als Vermittler für deutsche Unternehmen, die in Kuba geschäftlich aktiv werden wollen. Im Gegenzug soll kubanischen Unternehmen der Zugang zu neueren Technologien ermöglichet werden. "In Kuba kennt man uns", sagt Gruber. Man habe viele Gespräche geführt und Erfahrungen gesammelt, um perspektivisch geschäftlich tätig werden zu können. "Akzeptanz durch Kontinuität", wie er es nennt.

Ausgebuchter deutscher Pavillion

Peter Scholz deutscher Botschafter in Kuba 6.11.2014 Havanna

Peter Scholz, Deutscher Botschafter in Kuba mit Vize-Außenhandelsministerin Ileana Nuñez Mordoche beim Messerundgang

Dazu gehört auch ein Stand auf der gerade zu Ende gegangenen 32. Internationalen Havanna-Messe (FIHAV 2014). Auf mehr als 18.000 Quadratmetern präsentierten sich dort in der vergangenen Woche rund 2.000 Unternehmen aus 60 Ländern. Aus Deutschland waren 37 Aussteller angereist - vor allem Technologie- und Maschinenbau-Unternehmen, darunter Schwergewichte wie Bosch, MAN oder ThyssenKrupp. Das dritte Jahr in Folge war der deutsche Pavillon ausgebucht.

Es hat sich herumgesprochen, dass sich Kuba im Umbruch befindet. Seit einigen Jahren vollzieht das Land einen vorsichtigen Prozess wirtschaftlicher Anpassung. Unter dem Leitspruch der "Aktualisierung des sozialistischen Modells" wurden Beschränkungen beim Auto- und Immobilienkauf beseitigt, mehr privatwirtschaftliche Initiative zugelassen und rund um den mit brasilianischen Geldern ausgebauten Hafen Mariel, 45 Kilometer westlich von Havanna, eine Sonderwirtschaftszone eingerichtet. Seit Ende Juni ist zudem ein neues Gesetz zu Auslandsinvestitionen in Kraft, das ausländischen Unternehmen ermöglicht, in alle Sektoren der kubanischen Wirtschaft zu investieren.

"Versuchsballon für den freien Markt"

Messebesucher 6.11.2014 Havanna

Kubanische Messebesucher begutachten neueste mobile Endgeräte

Die Messe in Havanna stand denn auch ganz im Zeichen des neuen Investitonsgesetzes, das dringend benötigtes Kapital ins Land bringen soll. Ausländischen Geldgebern werden im Gegenzug Steuervorteile und Investitionsschutz geboten. "Ein Versuchsballon für den freien Markt", so Tobias Schwab, ebenfalls Geschäftsführer bei Casa Alemania. Mit dem Investitionsgesetz sei es Kuba "das erste Mal gelungen, tiefer in komplexe Zusammenhänge volkswirtschaftlicher Erscheinungen einzusteigen", sagt Klaus Hartmann, früherer Botschafter der DDR in Kuba und heute als Lateinamerika-Berater tätig.

Die Erwartungen sind enorm - auf allen Seiten. "Kuba investiert stark, um von den Vorteilen zu profitieren, die mit ausländischen Investitionen verbunden sind, um seine Entwicklung anzustoßen", sagte Kubas Minister für Außenhandel und ausländische Investitionen, Rodrigo Malmierca Díaz, als er auf der Messe offiziell den 8,7 Milliarden US-Dollar schweren Investitionskatalog der Regierung vorstellte. Dieser enthält 246 Projekte - von Hühnerzucht über Herstellung von Impfstoffen bis hin zur Errichtung von Windparks - verteilt über die ganze Insel.

Kuba will auch Energieversorgung umbauen

"Es ist gut, dass es mit dem Katalog endlich konkrete Projekte vorgestellt wurden, denn nur wenige Investoren kennen Kuba", sagt Udo Volz, an der Deutschen Botschaft in Havanna für den Bereich Wirtschaft zuständig. "Aber das kann nur der Anfang gewesen sein." Kuba werde Werbung für sein Investitionsgesetz machen müssen, zumal das Land mit anderen Investitonsstandorten auf dem Weltmarkt konkurriere.

Jährlich rund zwei Milliarden US-Dollar an ausländischen Investitionen benötigt die Karibikinsel, um sein Wirtschaftswachstum wie angestrebt auf fünf Prozent gegenüber derzeit einem Prozent zu steigern, so Außenhandelsminister Malmierca. "Regierungen können viel tun, um ein wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, am Ende aber müssen die Unternehmen etwas daraus machen."

"Die Kommunikation von kubanischer Seite hat sich verändert", sagt Volz. Es herrsche eine neue Offenheit. Wurde ausländisches Kapital von der Regierung in Havanna früher als "ergänzend" verstanden, soll es jetzt in einigen Sektoren eine "fundamentale" Rolle spielen, vor allem in der Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft, Tourismus, Baugewerbe und im Energiesektor. Kuba will weg von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien.

Gerade auf diesem Feld könne Deutschland ein wertvoller Partner sein, sagte der deutsche Botschafter Peter Scholz bei seinem Messebesuch. Auch Casa Alemania hat einen seiner Schwerpunkte im Bereich Erneuerbare Energien. Erste Gespräche mit der kubanischen Regierung zum Thema Windkraft habe es bereits im Jahr 2004 gegeben, erzählt Mathias Schultze, der dritte Geschäftsführer von Casa Alemania. "In den folgenden Jahren hat die deutsche Politik ihr Engagement in Bezug auf Kuba aber zurückgeschraubt."

"Deutschland hält sich zurück"

Vetreter Haus Deutschland auf der Messe FIHAV in Havanna

Klaus Hartmann, Stephan Gruber, Tobias Schwab, Mathias Schultze (v.l.n.r.) von Casa Alemania

Heute arbeite Kuba vor allem mit chinesischen Unternehmen zusammen, erklärt Schwab, nicht zuletzt wegen offensiver chinesischer Finanzierung. "Deutsche Unternehmen müssen sich in Kuba dagegen selbst helfen", beklagt Schultze und wünscht sich mehr Rückhalt durch die deutsche Politik. Denn auf kubanischer Seite beobachte man durchaus ein Umdenken. Qualität und Nachhaltigkeit spielten nun eine größere Rolle und "Made in Germany" sei eben im Ingenieurswesen weiterhin eine "Marke", so Schwab.

Finanzierungskonzepte müssten allerdings von deutscher Seite mitgetragen werden. "Die deutsche Politik aber ist zu sehr an den USA ausgerichtet." Eine politische und kulturelle Agenda stehe im Vordergrund. Länder wie Spanien oder Kanada hätten gezeigt, dass es auch anders gehe, "aber das ist in Deutschland politisch nicht gewollt." Auch mit der Deutschen Botschaft in Havanna gebe es wenig Zusammenarbeit, so Schwab.

Eine Kritik, die Udo Volz so nicht gelten lassen will. Man bemühe sich, deutschen Unternehmen beratend zur Seite zu stehen. Er räumt aber auch ein, dass Kuba als Wirtschaftspartner keine Priorität besitze. "Kuba ist nicht gerade vor der Haustür."

Deutlich wird dies auch daran, dass es in Kuba weder eine eigenständige deutsche Außenhandelskammer (AHK) gibt - für Kuba ist die AHK in Guatemala zuständig - noch ein Büro der Deutschen Wirtschaft. "Andere Länder sind da viel weiter", stellt Schultze fest. "Aus Großbritannien, Portugal oder Italien sind zum Teil Minister zur Messe angereist." Deutschland dagegen hatte noch nicht einmal einen Staatssekretär geschickt.

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