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Testseite Wirtschaft

K+S als erster Rohstoffkonzern im DAX

Der Düngemittel- und Salzhersteller K+S steigt mit Wirkung zum 22.09.2008 in den wichtigsten deutschen Aktienindex auf. Die Aktien des Kasseler Unternehmens ersetzen die Papiere des Reise- und Schifffahrtskonzerns TUI.

Asiatischer Reisbauer beim Düngen. (Quelle: K + S)

Auf vielen Reisfeldern in Asien wird Dünger von K+S verwendet

K+S-Werk in Sigmundshall. (Quelle: K + S)

K+S-Werk in Sigmundshall

Wenn Kieserit im K+S-Werk Sigmundshall bei Hannover in Eisenbahnwaggons verladen wird, beginnt für den Spezialdünger eine halbe Weltreise. Sie führt über den Kali-Kai im Hamburger Hafen und eine mehrwöchige Schiffsfahrt bis zu den Häfen Port Kelang in Malaysia oder Belawan auf Sumatra. Dort wird der Dünger in Säcke gefüllt und per Lastwagen zu den großen Plantagen transportiert, deren Betreiber den Dünger aus Deutschland bevorzugen. Das hat einen Grund: Kein anderer Anbieter auf dem Weltmarkt hat einen ähnlich idealen Nährstoffcocktail für Ölpalmen im Angebot.

Ölpalmen haben für die Länder in Südostasien große wirtschaftliche Bedeutung. Voraussetzung für gute Erträge ist eine optimale Ernährung der Palmen. Im Mittelpunkt stehen neben Ammonsulfat von der K+S-Tochter fertiva die Kalidüngemittel und das Premiumprodukt Kieserit der K+S KALI GmbH. Kieserit ist gut wasserlöslich und gelangt schnell an die Pflanzenwurzeln. Gleichzeitig ist er grob gekörnt, so dass tropische Regengüsse den Dünger nicht zu schnell auflösen.

Globale Geschäfte und steigende Kurse

Für die Landwirtschaft rund um den Globus ideale Produkte und ein stürmisch wachsendes Geschäft zeichnen das neue Mitglied im deutschen Leitindex Dax aus. Das Unternehmen ist vielen noch bekannt unter dem früheren Namen Kali und Salz. Wer vor fünf Jahren K+S-Aktien erworben hat, der hat ein glänzendes Geschäft gemacht. Denn damals belief sich die Börsenkapitalisierung des Unternehmens auf 900 Millionen Euro, heute wird K+S an der Börse auf 13 Milliarden Euro taxiert und damit höher bewertet als so bekannte Konzerne wie Adidas, Lufthansa oder Postbank. 2007 entwickelte sich die K+S-Aktie knapp 93 Prozentpunkte besser als der MDax und 76 Prozentpunkte besser als der Dax.

Der Höhenflug an der Börse hält an. Seit Anfang dieses Jahres ist die Aktie des Düngemittel- und Salzproduzenten aus Kassel mit Gruben in den Bundesländern Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen um 90 Prozent gestiegen. Durch die Aufnahme in den Dax ist ein weiterer Anstieg wahrscheinlich. Denn viele Kleinanleger werden sich jetzt mit dem einzigen deutschen Rohstoffkonzern von Weltrang beschäftigen und dessen Marktchancen erkennen. Die Börsenprofis der großen Fonds, die den Dax abbilden, haben dagegen längst Vorsorge getroffen und gekauft.

Dünger wird immer noch teurer

8,1 Millionen Tonnen Kali- und Magnesium sind in den Gruben von K+S im Jahr 2007 gefördert worden. Aus den Rohstoffen werden verschiedene Düngemittel hergestellt. Die Spezialitäten zielen zum Beispiel auf Anbaukulturen wie Mais, Reis und Sojabohnen oder auf Raps und Kartoffeln oder aber auf Wein und Gemüse. Oder auf den Rasen in Sportstadien. Fast alle Rasenböden in den Stadien der Fußballbundesliga sowie vieler anderer Stadien in aller Welt werden mit einem speziellen Rasendünger von K+S gepflegt.

Mann befüllt Düngerstreuer (K+S)

Befüllung eines Düngerstreuers

Im Bereich der Kali- und Magnesium-Düngemittel hält K+S als international drittgrößter Anbieter einen Weltmarktanteil von 12 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde bei einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 286 Millionen Euro erwirtschaftet. Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von über fünf Milliarden Euro sowie ein stark steigender Gewinn erwartet, denn die Preise für hochwertige Düngemittel steigen weltweit stark an. Kostete die Tonne Kalidünger Anfang vergangenen Jahres auf dem Weltmarkt noch 150 Euro, so werden derzeit in Europa 650 Euro und in Asien über 700 Euro erzielt.

Mehr Menschen brauchen mehr Dünger

Der weltweite Aufschwung der Düngemittelindustrie hat im Wesentlichen drei Gründe: Mehr Menschen, steigende Ansprüche sowie in jüngster Zeit die Nutzung von Pflanzen zur Produktion von Biosprit. Seit 1950 hat sich die Weltbevölkerung von 2,5 auf jetzt 6,6 Milliarden mehr als verdoppelt; bis 2050 erwartet die UNO ein Anwachsen auf mehr als neun Milliarden Menschen. Norbert Steiner, der Vorstandsvorsitzende von K+S, erklärt: „Die Landwirtschaft muß eine Welt ernähren, die jedes Jahr um mindestens 80 Millionen Menschen wächst.“

Das Problem: Die landwirtschaftlichen Anbaugebiete sind nicht beliebig zu vermehren; die Gesamtfläche stagniert seit Jahren weltweit bei etwa 1,5 Milliarden Hektar. Was in Russland oder Südamerika dazukommt, geht in Asien oder Europa verloren – für den Siedlungs- und Straßenbau oder für Industriegebiete. Das heißt: Die für die Nahrungsmittelerzeugung verfügbare Fläche pro Kopf der Bevölkerung schrumpft. Waren zum Beispiel in Afrika im Jahr 2000 noch über 2.400 Quadratmeter landwirtschaftlicher Nutzfläche pro Kopf vorhanden, so werden es 2050 nur noch 1.100 Quadratmeter sein. Die Konsequenz: Ackerbau und Viehzucht müssen ihre Produktivität steigern, um immer mehr Menschen zu ernähren.

Zunehmender Fleichverbrauch in den Schwellenländern

Ein weiterer wichtiger Treiber für das Düngemittelgeschäft ist der zunehmende Wohlstand in den Schwellenländern. Vor allem in China und Indien konsumieren die Menschen immer mehr Fleisch und Milch. Damit einher geht eine starke Zunahme der Nachfrage nach Tierfutter, denn es sind zum Beispiel acht Kilogramm Kraftfutter nötig, um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren. Dabei ist die ausgewogene Mineraldüngung von zentraler Bedeutung. Der Generaldirektor der UNO-Welternährungsorganisation FAO, Jacques Diouf, forderte im Dezember 2007: „Wir brauchen Mineraldünger, um die Weltbevölkerung zu ernähren.“

Hinzu kommt, dass die Energiewirtschaft als neuer Nachfrager nach Agrarprodukten auf den Plan getreten ist. In den USA werden heute bereits knapp 25 Prozent der Maisproduktion für die Herstellung des Biotreibstoffes Ethanol verwendet, in zehn Jahren sollen es 35 Prozent sein. In Brasilien wird Ethanol vor allem aus Zuckerrohr gewonnen, in Asien wird Palmöl für die Herstellung von Biosprit genutzt. Laut Norbert Steiner liegt global betrachtet die Antwort in der Intensivierung der Flächennutzung, auch durch einen ausgewogenen und nachhaltigen Einsatz mineralischer Düngemittel.

Mittelfristig wird der globale Kaliverbrauch pro Jahr um drei bis fünf Prozent steigen; die wichtigsten Wachstumsregionen bleiben Asien und Lateinamerika. Für K+S sowie die wenigen anderen Konzerne, die den Weltmarkt für Kali bedienen, sind das glänzende Perspektiven.

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