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Fokus Osteuropa

Kroatischer Präsident zu Gesprächen in Belgrad

Im Mai hatte Kroatiens Präsident noch einen geplanten Besuch in Belgrad abgesagt. Nun hat er doch eine offizielle Rundreise begonnen. Im Mittelpunkt stehen die schwierigen kroatisch-serbischen Beziehungen.

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Stipe Mesic: Zweiter Anlauf für Belgrad-Besuch

Mesic traf am 6. Juli zu einem dreitägigen offiziellen Besuch in Belgrad ein. Weitere Stationen seiner Reise sind die Vojvodina, das Kosovo und Montenegro. In Belgrad sprach Mesic mit seinem serbisch-montenegrinischen Amtskollegen Svetozar Marovic über die bilateralen Beziehungen.

Kooperation verbessern

Der Präsident der Staatengemeinschaft, Svetozar Marovic, betonte gegenüber der Presse, wie bedeutend es sei, die Beziehungen zwischen diesen beiden Nachbarländern zu verbessern. Er verwies allerdings auch auf ungelöste Fragen. „Unsere Beziehungen leiden noch unter den Folgen des Krieges. Nun ist es erforderlich, dass gerade wir die daraus entstandenen Probleme heute lösen und zwar so bald und so effizient wie möglich“, meint Marovic. Dazu gehörten die Frage der Vertriebenen und Vermissten, Eigentumsfragen sowohl von Privat- als auch von juristischen Personen sowie die Grenzfrage. „Wir haben die Grenzziehung im Süden gut gelöst. Für die Lösung der Grenzfrage im Norden ist eine eigene Kommission gebildet worden. Das sollte zu einer Lösung führen, die es den Menschen ermöglicht, gut und normal leben zu können“, so Marovic.

Auf die Frage der Deutschen Welle, ob aus kroatischer Sicht die zahlreichen noch offenen Fragen bei den bilateralen Beziehungen die Kooperation mit dem offiziellen Belgrad erschwere, erwiderte Mesic: „Wie Sie sehen, arbeiten wir parallel – einerseits verbessern wir unser Kooperation und andererseits lösen wir unsere offenen Fragen. Die offenen Fragen halten uns sicherlich etwas auf, sie dürfen jedoch nicht unsere Zusammenarbeit stilllegen“.

Mesic: „Beziehungen in der dritten Phase“

Die beiden Präsidenten unterstrichen insbesondere die Bedeutung der praktischen Zusammenarbeit in der Region und betonten, es sei unerlässlich, die Wirtschaftsbeziehungen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien wieder aufzubauen. Daran anknüpfend äußerte sich Mesic zum aktuellen Stand der Beziehungen: „Wir befinden uns nun in der dritten Phase, in der wir alles Geschehene sanieren, gute Beziehungen aufbauen und vorwärts gehen müssen. Wir dürfen zwar nicht vergessen, was geschehen ist, aber dafür existieren unsere nationalen Gerichtsbarkeiten und auch der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien ICTY. Wir demonstrieren unsere Unterstützung des Tribunals nur dadurch, dass wir vollkommen kooperieren, die Schuldfrage individualisieren – also konkrete Menschen sich für konkrete Straftaten verantworten“.

Zweiter Anlauf

Der kroatische Präsident sollte ursprünglich im Mai dieses Jahres Serbien und Montenegro besuchen. Der Besuch wurde indes abgesagt, weil eine Gedenkveranstaltung für die Tschetnik-Bewegung Ravna Gora stattfand, an deren Organisation sich auch das serbische Kulturministerium beteiligt hatte. Deswegen bewertete das offizielle Zagreb diese Gedenkfeier als eine offizielle staatliche Veranstaltung. Unmittelbar vor seiner geplanten Abreise erklärte Mesic, die Gleichstellung der Partisanen mit den Tschetniks und letztere als antifaschistisch zu bezeichnen stelle für ihn eine Verfälschung der Geschichte dar.

Die Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten haben sich in den vergangenen Jahren im Vergleich zu früher bedeutend verbessert, es gibt aber sicherlich keinen Grund für die Illusion, dass die Wunden aus der jüngsten Vergangenheit verheilt seien. Daher scheint Mesics Einschätzung realistisch, dass zunächst die Fakten über die Verbrechen gesammelt, die Verantwortung festgestellt und erst dann über eine mögliche Versöhnung der Völker gesprochen werden könne.

Ejub Stitkovac, Belgrad

DW-RADIO/Serbisch, 6.7.2005, Fokus Ost-Südost

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