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Fokus Südosteuropa

Kroatischer Ex-General in Bosnien verhaftet

Der in Kroatien wegen Kriegsverbrechen verurteilte General Branimir Glavas ist in Bosnien-Herzegowina verhaftet worden. Seine Haftstrafe von acht Jahren muss er wegen eines Abkommens nun in Bosnien absitzen.

Der ehemalige kroatische General Branimir Glavas (Foto: picture-alliance/ dpa)

Der ehemalige kroatische General Branimir Glavas

Kurz vor seiner Verhaftung hatte das oberste kroatische Gericht die in kroatien festgelegte Haftstrafe bestätigt. Zum rechten Zeitpunkt, wie sich kurz danach herausstellte: Der ehemalige kroatische General Branimier Glavas wurde wenig später im Dorf Drinovci festgenommen, wie der bosnische Sicherheitsminister Sadik Ahmetovic bestätigte.

Ante Madunic, der Verteidiger von Glavas, kündigte an, dass sich sein Mandant gegen die Festnahme wehren werde und in Berufung gegen die vom bosnischen Gericht ausgesprochene achtjährige Haftstrafe gehen werde. "Glavas wird die rechtskräftige Entscheidung des Gerichts in Untersuchungshaft abwarten", so Madunic. "Falls das Gericht die Haftstrafe bestätigt, werde er seine Strafe in einem bosnischen Gefängnis absitzen." Sollte aber Glavas Recht bekommen, könnte der ganze Gerichtsprozess in Bosnien-Herzegowina neu aufgerollt werden.

Verurteilung

Glavas war einst kroatischer General und Politiker und war wegen Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten im Jahr 1991 in Kroatien zuerst zu zehn Jahren Haft in erster Instanz verurteilt worden. Glavas wurde nachgewiesen, die Misshandlung und Ermordung von acht Serben befohlen zu haben. Der Fall ging als Klebeband-Fall in die Geschichtsbücher ein, weil die Opfer grausam mit Klebeband gefesselt und geknebelt worden waren. Nur ein Opfer überlebte und sagte im Prozess gegen Glavas aus.

Einzelzelle in einem bosnischen Gefängnis (Foto: AP)

Einzelzelle in einem bosnischen Gefängnis

Gerichtsangaben zufolge ist Glavas auch schuldig in einem anderen Fall. Als ehemaliger Chef des Sekretariats für die Volksverteidigung wurde ihm auch die Misshandlung und Ermordung von zwei weiteren serbischen Zivilisten nachgewiesen. Eineinhalb Jahre dauerte der Prozess, in dem sich Glavas in den Medien durch aufsehenerregende Auftritte in Szene setzte.

Flucht nach Bosnien und Herzegowina

Vor dem Urteilsspruch in Kroatien war Branimir Glavas nach Bosnien-Herzegowina geflüchtet, um sich der Haftstrafe zu entziehen. Später stellte sich heraus, dass der zwar aus der kroatischen Stadt Osijek stammende Glavas trotzdem die bosnische Staatsbürgerschaft besitzt, weil seine Eltern aus Herzegowina kommen. Somit konnte Bosnien ihn nicht an Kroatien ausliefern.

Gefängnis unter strengen polizeilichen Aufsicht (Foto: AP)

Statt Kroatien nun Bosnien: Glavas muss auf jeden Fall ins Gefängnis

Die Festnahme von Glavas wurde erst wegen eines Abkommens möglich, das Anfang des Jahres zwischen Sarajevo und Zagreb unterzeichnet wurde. Verurteilte Bürger, die die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, können sich seither nicht mehr ihrer Haftstrafe entziehen durch Flucht in das Nachbarland. Allerdings muss zuerst das zuständige Gericht des jeweiligen Landes die Verurteilung bestätigen. Eine Straferhöhung ist nicht möglich, dafür aber eine Strafminderung.

Nach rechtskräftigen Verurteilungen sind 282 Personen aus Bosnien-Herzegowina geflohen. 100 von ihnen befinden sich in Serbien, 110 in Kroatien, 13 in Montenegro. Bei 56 Verurteilten ist der Aufenthaltsort unbekannt. Umgekehrt haben 50 in Kroatien rechtskräftig verurteilte Straftäter Zuflucht in Bosnien und Herzegowina gefunden.

Autor: Samir Huseinovic/ Belma Fazlagic

Redaktion: Nicole Scherschun

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