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Fokus Osteuropa

Kroatische Ex-Lagerinsassen klagen gegen Serbien

Nach dem Fall der im Kroatien-Krieg umkämpften Stadt Vukovar hatte die Jugoslawische Volksarmee auch Zivilisten verhaftet und in Lagern der Vojvodina interniert. Nun klagen 19 Opfer in Belgrad gegen den Staat.

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Noch heute sind Spuren des Krieges zu erkennen

Der serbische Fonds für Menschenrechte (FHP) hat Mitte November bei einem Belgrader Gericht Schadenersatzklage gegen Serbien im Namen von 19 Frauen und Minderjährigen aus Vukovar in Kroatien eingereicht. Die Kläger waren im November 1991 nach dem Fall von Vukovar von Angehörigen der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) in die Lager Begejci und Stajicevo in der Gemeinde Zrenjanin sowie ins Gefängnis in Sremska Mitrovica gesperrt worden. Olivera Franicevic, die Anwältin des Fonds, erklärt DW-RADIO die Hintergründe der Klage: "Wir haben Klage gegen die Republik Serbien eingereicht, weil wir der Ansicht sind, dass die Republik Serbien verantwortlich ist für den Schaden, der diesen Leuten zugefügt wurde. Genauer gesagt ist die Jugoslawische Volksarmee verantwortlich für diese Lager in der Vojvodina, somit ist dem Gesetz nach die Republik Serbien verantwortlich."

Internierung in Serbien

Nach dem Fall von Vukovar am 20. November 1991 hatten sich mehr als 5000 Einwohner von Borovo Selo, Borovo Naselje und Vukovar den Einheiten der JNA ergeben, um daraufhin auf kroatisch kontrolliertes Territorium evakuiert zu werden. Entgegen dieser Vereinbarung inhaftierten die Einheiten der JNA die Zivilbevölkerung als Kriegsgefangene und schafften sie in Bussen und Lastwagen begleitet vom Militär nach Serbien. Dort hatte die JNA bereits Ende September 1991 Lager für Gefangene aus Kroatien eingerichtet.

Laut Angaben des FHP waren von Ende September 1991 bis August 1992 in diesen Lagern mehr als 5000 Zivilisten aus dem kroatischen Donaugebiet interniert und mussten psychische und physische Folter erdulden. Olivera Franicevic: "Zeugenaussagen zufolge waren die Haftbedingungen ausgesprochen schlecht. Nicht zu vergessen, dass es November, Dezember war – winterliches Klima. Ferner waren sie in Begejci in Ställen untergebracht. Ohne auf nähere Einzelheiten einzugehen, reicht es schon aus, dass sie als Ustascha beschimpft, erniedrigt wurden und zum Singen von Tschetnik-Liedern gezwungen wurden". Erschwerend sei ferner, dass sie unmittelbar nach dem Fall von Vukovar inhaftiert worden seien und viele von ihnen keine Angaben über den Verbleib ihrer Angehörigen gehabt hätten. "Einige von ihnen haben vielleicht sogar an dem Tag noch einen nahen Verwandten beerdigt und sind dann ins Lager abgeführt worden", so die Anwältin der 19 Opfer, die zwischen 16 und 34 Tagen im Lager verbrachten. Danach wurden sie unter Vermittlung des Internationalen Roten Kreuzes ausgetauscht.

Der FHP erinnerte zudem daran, dass die Inhaftierung von kroatischen Zivilisten in die Lager Begejci und Stajicevo sowie in Sremska Mitrovica im Herbst 1991 auch als ein Punkt der Anklage des UN-Kriegsverbrechertribunals gegen den verstorbenen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic aufgeführt war und als Kriegsverbrechen bezeichnet wurde.

Dinko Gruhonjic, Novi Sad
DW-RADIO/Serbisch, 21.11.2006, Fokus Ost-Südost

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