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Fokus Südosteuropa

Kroatiens Rentensystem vor dem Kollaps?

In Kroatien gibt es fast soviele Rentner wie Erwerbstätige. Schon bald könnte das Geld fehlen, um die Renten auszuzahlen. Daher plant die Regierung, die Renten stärker nach der Lebensarbeitszeit zu staffeln.

Kroatischer Regierungssitz in Zagreb (Foto: DW)

Kroatiens Regierung greift ein

Die kroatische Regierung hat dem Parlament einen Gesetzesentwurf zur Änderung der Rentenversicherung eingereicht. Demnach soll sich die Rente bei Vorruheständlern um jeweils 4,08 Prozent jährlich senken. Um den gleichen Prozentsatz erhöht sich die Rente jährlich, wenn das Renteneintrittsalter von zurzeit 65 Jahren bei Männern und 60 Jahren bei Frauen überschritten wird.

Bislang müssen Kroatinnen und Kroaten mit einer Einbuße von 1,8 Prozent pro Arbeitsjahr rechnen, wenn sie vorzeitig in Rente gehen. Künftig sollen Arbeitnehmer, die fünf Jahre vor dem Renteneintrittsalter in Vorruhestand gehen wollen, auf 20,4 Prozent ihrer Altersrente verzichten. Damit will die Regierung den Vorruhestand weniger attraktiv gestalten und die Arbeitnehmer anhalten, bis zum regulären Renteneintrittsalter und darüber hinaus zu arbeiten. Desweiteren soll sich das Renteneintrittsalter für Frauen ab 2011 jährlich um ein halbes Jahr verlängern, bis es 2020 dem der Männer angeglichen wird.

Zu junge Rentner

Vier ältere Menschen schauen aus dem Fenster (Foto: dpa)

Zu viele Frührentner

Zur Begründung dieser Maßnahmen sagte Wirtschaftsminister Djuro Popijac, das Rentensystem sei aufgrund der Zahl der Rentenbezieher langfristig kaum finanzierbar. Premierministerin Jadranka Kosor untermauerte dies mit Zahlen: "Es gibt nur 11,65 Prozent Rentner mit einer Lebensarbeitszeit von 40 Jahren, mit einer Lebensarbeitszeit von 35 bis 39 dagegen 23,81 Prozent. Diese Angaben helfen vielleicht beim Verständnis dieser Entscheidung." Die Gesetzesänderungen sollen bis zum 1. Oktober in Kraft treten.

Mehr Arbeit, mehr Rente?

In Kroatien gibt es nur wenig mehr Arbeitnehmer als Rentenbezieher. Auf 1.532.633 Erwerbstätige kommen 1.187.509 Rentner. Daher warnen Experten bereits seit geraumer Zeit vor einem Zusammenbruch des Rentensystems. Schon bald würde nicht mehr genug in die Rentenkasse eingezahlt, um es den aktuellen Rentenbezieher auszuzahlen. Darüber hinaus überstiegen 70 Prozent der derzeit gezahlten Renten nicht mehr als 2.000 Kuna (rund 300 Euro). Das reiche jedoch nicht für einen würdigen Lebensabend.

Autorinnen: Gordana Simonovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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