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Fokus Osteuropa

Kroatien weist Vorwürfe del Pontes zurück

Die katholische Kirche halte den gesuchten Ex-General Gotovina versteckt, so Frau del Ponte. Die EU verfolgt die Entwicklung mit Interesse: Es geht um den Auftakt der Beitrittsverhandlungen mit Kroatien.

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Wirbel um Vorwürfe der Chefanklägerin des Haager Tribunals, Carla del Ponte

Der kroatische Ex-General Ante Gotovina verstecke sich in einem Kloster, sagte Chefanklägerin der Haager UN-Kriegsverbrechertribunals Carla del Ponte in einem Interview der britischen Tageszeitung „Daily Telegraph“. Vatikanbehörden hätten auf zahlreiche Anfragen nicht reagiert, erklärte sie weiter. Rom könne vermutlich innerhalb weniger Tage herausfinden, in welchem der 80 Franziskanerklöster des Landes sich Gotovina aufhalte. Der Vatikan verweigere aber jede Zusammenarbeit, so del Ponte.

Inakzeptable Vorwürfe

Die katholische Kirche Kroatiens hat sich gegen die Beschuldigung gewehrt, sie gewähre dem wegen Kriegsverbrechen gesuchten kroatischen General Ante Gotovina Unterschlupf. Die Vorwürfe der Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien seien inakzeptabel, erklärte Kirchensprecher Antun Sujic.

Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls sagte, der Vatikan habe bislang nicht die erbetenen Hinweise und Indizien der Haager Behörde erhalten, dass Gotovina sich in bestimmten Kirchengebäude in Kroatien versteckt halte

Mesic: Gotovina nicht in Kroatien

Der angeklagte kroatische Ex-General Ante Gotovina befinde sich nicht in Kroatien, sagte der kroatische Präsident Stjepan Mesic und reagierte damit auf die veröffentlichte Stellungnahme der Chefanklägerin Carla del Ponte. Er fügte hinzu, die Behörden hätten alle angeblichen Verstecke in Kroatien überprüft und festgestellt, dass sich der Ex- General nicht im Land befindet.

Kroatiens Premierminister Ivo Sanader hat sich gewundert, dass die Chefanklägerin ihre Informationen nicht mit der kroatischen Regierung ausgetauscht hat: „ Alle Informationen, auch die neusten, die wir bereits erhalten haben, führen nicht zu diesem Beschluss. Wir können also nicht aus den Informationen, die uns vorliegen feststellen, dass sich Gotovina in Kroatien aufhält. Wenn aber jemand über andere Informationen verfügt, soll er sie mit uns teilen.“

EU Kommission prüft Beginn der Beitrittsverhandlungen

Ante Gotovina ist seit Mitte 2001 flüchtig. Er soll in der ersten Hälfte der 1990er Jahre Kriegsverbrechen an Serben begangen haben. Die EU hatte unter Hinweis darauf, dass Gotovina nicht ausgeliefert worden war, die Eröffnung von EU-Beitrittsverhandlungen mit Kroatien im März verschoben. Am 5. Oktober soll über das weitere Vorgehen entscheiden werden.

Auf die Frage, ob die Aussagen Frau Del Pontes Einfluss auf den geplanten Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen haben könnten, sagte Krisztina Nagy, Sprecherin der EU-Kommission und des EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn: „Tatsache ist, dass die Aussagen des Haager Tribunals für die EU-Kommission wichtig sind und dass wir das Tribunal schätzen. Wir sollen die Konferenz auf Ministerebene abwarten und dann über den Beginn der Beitrittsverhandlungen entscheiden. Die Minister werden also die Entscheidung treffen und prüfen, ob Kroatien mit dem Haager Tribunal zusammenarbeitet. Diese Zusammenarbeit ist die Voraussetzung für den Beginn der Beitrittsverhandlungen“, so die Sprecherin der EU Kommission.

Gordana Simonovic, Zagreb;Alen Legovic, Brüssel

DW-RADIO/Kroatisch,21.9.2005, Fokus Ost-Südost

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