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Fokus Osteuropa

Kroatien: Verstärktes Vorgehen gegen Wirtschaftskriminalität

Die Affäre um den Lebensmittelkonzern Podravka zieht immer weitere Kreise. Bislang juristisch als "unberührbar" geltende Politiker und Wirtschaftsbosse sitzen auf der Anklagebank, oder es wird gegen sie ermittelt.

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Die so genannte Affäre Podravka zieht in Kroatien weite Kreise. Sechs Manager des Lebensmittelkonzerns befinden sich in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie mit firmeneigenem Kapital die Aktienmehrheit an dem Traditionsunternehmen übernehmen wollten. Nach Schätzungen der kroatischen Anti-Korruptionsbehörde, die die Ermittlungen führte, sollen sie damit Podravka um etwa 200 Millionen Kuna (knapp 30 Millionen Euro) geschädigt haben. Die Mitglieder des Verwaltungsrats von Podravka sollen gemeinsam mit einer Brokerfirma und dem Spliter Nahrungsmittelhersteller SMS versucht haben, 25 Prozent der Aktien von Podravka zu erwerben.

Rettung vor feindlicher Übernahme?

Bei seiner Verhaftung verteidigte sich der Direktor von SMS damit, seine Firma habe lediglich Geld von Podravka geliehen, weil der Lebensmittelriese seine Produktpalette vergrößern wollte. Gelder die über SMS an die Brokerfirma gegangen seien, hätten eine feindliche Übernahme von Podravka durch das norwegische Lebensmittelunternehmen Rieber & Son sowie den kroatischen Magnaten Agrokor verhindern sollen. Beide Firmen dementieren indes, eine Übernahme von Podravka geplant zu haben.

Ermittlungen gegen Minister

Die Affäre Podravka hat auch die hohe Politik erreicht. So zog der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Damir Polancec die Konsequenzen und erklärte seinen Rücktritt. Kurz vor seinem Amtsantritt als Minister hatte Polancec im Verwaltungsrat von Podravka gesessen. Bereits unter seiner Ägide soll es bei Podravka zu finanziellen Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Daher geriet Polancec immer mehr in die Kritik sowohl der Öffentlichkeit als auch der Politik. Nach seinem Rücktritt und einem ausdrücklichen Verzicht auf seine Immunität ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen Polancec.

Allerdings bestreitet Polancec seine Beteiligung an unsauberen Machenschaften. Er bläst überdies zum Gegenangriff. So beschuldigte er Kroatiens Staatspräsidenten Stipe Mesic, Podravka regelrecht gezwungen zu haben, dem Konzern SMS Geld zu leihen. Mesic wies diese Anschuldigung von sich und sagte, er sehe gelassen einer Untersuchung entgegen, die seine Aussage bestätigen würde.

Autorinnen: Tatjana Mautner / Mirjana Dikic
Redaktion: Bernd Johann