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Fokus Osteuropa

Kroatien und Ungarn wollen Gasnetze verbinden

Zagreb und Budapest wollen ihre Energieversorgung verbessern, indem sie Leitungsnetze verbinden. Ein neues Flüssiggasterminal soll außerdem mehr Unabhängigkeit bringen.

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Zusammenschluss voraussichtlich Ende 2010

Kroatien und Ungarn werden ihre Gaspipeline-Netze zusammenschließen. Der Vertrag über den Bau einer entsprechenden Erdgas-Verbindungsleitung ist von dem ungarischen Betreiber FGSZ und dem kroatischen Gasversorger Plinacroa unterzeichnet worden. Die Arbeiten sollen Ende 2010 abgeschlossen sein. Der Probebetrieb soll 2011 aufgenommen werden. Der Vertrag hat ein Auftragsvolumen von rund 395 Millionen Euro. Das 298 Kilometer lange Verbindungsstück soll zwischen dem südungarischen Varosfold und dem nordkroatischen Slobodnica gebaut werden. Bisher hat Kroatien nur eine Gaspipeline von Zagreb bis Rogatec an der slowenischen Grenze. Dadurch wird Kroatien mit den Gasleitungsnetzen Sloweniens, Österreichs und der Slowakei verbunden.

Anschluss an internationale Leitungssysteme

Der Verwaltungsratsvorsitzende von Plinacroa, Branko Radosevic, sagte: „Mit dieser Erdgasleitung werden Anschlüsse auch an große Leitungssysteme bzw. an Megaprojekte möglich wie an die geplante Nabucco-Pipeline, durch die Erdgas aus dem Kaspischen Raum und dem Iran in die Region transportiert werden soll.“ Über diese Versorgungsleitung habe Kroatien auch Zugang zu russischem Erdgas und zu unterirdischen Erdgasspeichern in Ungarn. Das Nachbarland und die übrigen mitteleuropäischen Länder könnten im Gegenzug mit Erdgas aus Kroatien versorgt werden, wenn das in der Nordadria geplante Flüssiggasterminal (LNG-Terminal) fertiggestellt wäre, sagte Radosevic.

Flüssiggasterminal auf Krk

Das Flüssiggasterminal soll laut kroatischer Energiestrategie eine Kapazität von rund 15 Milliarden Kubikmeter im Jahr haben. Der Standort auf der nordadriatischen Insel Krk eignet sich wegen seines ausgeprägten natürlichen Tiefgangs gut als Verladepunkt für große Schiffe. Zudem ist die geografische Lage für den Transit von nordafrikanischem oder arabischem Flüssiggas ins europäische Binnenland günstig. Ein Schiff aus dem Suez-Kanal und dem östlichen Mittelmeerraum erreicht Kroatiens nördliche Küste bis zu sechs Tage früher als die großen Nordseehäfen.

Zur Umsetzung des Vorhabens hat sich eine Gesellschaft gebildet, an der unter anderem auch die deutschen Energieversorger RWE und E.ON beteiligt sind. Für Plinacroa, das auf der kroatischen Seite 88 Kilometer der Erdgaspipeline bauen wird, ist dies das wichtigste Projekt in den kommenden Jahren.

Mehr Unabhängigkeit angestrebt

FGSZ-Chef Janos Zsuga sagte anlässlich der Unterzeichnung, dies sei ein historischer Vertrag, der die Energiesysteme beider Länder verändern werde. Die geplante Gasleitung zwischen Ungarn und Kroatien hat eine Kapazität von 6,5 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr.

Kroatien und Ungarn wollen durch die Verbindung der Gasnetze und die Anbindung an das Flüssiggasterminal ihre Energieversorgung diversifizieren, um so die Energieversorgung zu verbessern. Gleichzeitig soll dadurch die Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland verringert werden. Ein entsprechendes Abkommen zur Zusammenarbeit im Energiebereich wurde zwischen Budapest und Zagreb 2006 geschlossen.

Gordana Simonovic



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