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Fokus Osteuropa

Kroatien und Serbien: Gemeinsames Zeichen der Versöhnung

Die Präsidenten Kroatiens und Serbiens streben eine Normalisierung der Beziehungen ihrer Länder an. Mit einem gemeinsamen Besuch in Knin setzen sie ein Zeichen der Versöhnung.

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versöhnliche, aber auch klare Worte

Der Besuch des serbischen Präsidenten Boris Tadic in Kroatien sei eine Bestätigung des beidseitigen Wunsches, den Prozess der Normalisierung der Beziehung auch jetzt weiterzuführen, wo Serbien ein unabhängiger Staat sei. Mit diesen Worten empfing der kroatische Präsident Stipe Mesic am 27. Juni seinen Amtskollegen aus Belgrad in Zagreb.

Kein Schutz für Kriegsverbrecher

Die Zeit der Kriege sei für Kroatien und Serbien wie auch für Europa endgültig vorbei, heißt es in der von beiden Präsidenten herausgegebenen Erklärung. Wörtlich heißt es darin: "Frieden und Fortschritt sind die Ziele, auf die wir unsere gesamte Energie konzentrieren werden. Mutig und ohne irgendwelche Vorbehalte müssen wir uns mit der Wahrheit über alles, was sich während der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien abgespielt hat, auseinandersetzen. Für Kriegsverbrecher gibt es keine Entschuldigung, und es darf keine geben. Keine Funktion, die sie damals innehatten oder heute innehaben, darf sie vor der Strafverfolgung schützen, noch ihre nationale Zugehörigkeit oder die ihrer Opfer."

Die Präsidenten beider Länder sprachen auch über den Prozess der Annäherung an die Europäischen Union. Kroatien sei dem EU-Beitritt derzeit schon sehr nah. Er betonte: "Es liegt im Interesse Serbiens und ist für Serbien nützlich, dass Kroatien so schnell wie möglich der EU beitritt." Sein kroatischer Amtskollege betonte, wenn Kroatien sein strategisches Ziel der Mitgliedschaft in der EU erreicht habe, werde man sehen, "wie uns die nationalen Minderheiten dabei helfen werden, dass wir eine ganz besondere Brücke der Zusammenarbeit errichten."

Flüchtlingsrückkehr als Problem

Aber gerade im Bereich der Minderheitenpolitik bestehen noch immer Probleme. So sprach der serbische Präsident den Rückkehrprozess der serbischen Flüchtlinge an: "Es sind Anstrengungen unternommen worden, die ich schätze, aber das ist alles noch nicht gut genug." Tadic forderte Kroatien auf, größere Anstrengungen zu unternehmen, damit die Flüchtlinge zurückkehrten. Er sagte: "Kroaten in Serbien und Serben in Kroatien dürfen keine Geiseln unserer Politik sein. Sie müssen Botschafter unserer Völker sein und loyale Bürger des Staates, in dem sie leben."

Besuch in Knin

Ähnlich wie im vergangenen Jahr, als sie gemeinsam eine kroatische Gemeinde in der zur Serbien gehörenden Provinz Vojvodina besuchten, fuhren Tadic und Mesic diesmal gemeinsam an einen anderen symbolischen Ort: nach Knin, wo im Jahr 1990 der serbische Aufstand begann. Der Ort wurde später zum Symbol des kroatischen Sieges. Heute gilt er als Test für die Bemühungen der kroatischen Regierung, den Prozess der Rückkehr serbischer Flüchtlinge zu unterstützen. Und hier gibt es noch immer große Defizite. Der Ort bietet trotz aller Anstrengungen ein trauriges Bild. Die meisten Bewohner leben von der Sozialhilfe.

Präsident Mesic sagte bei dem Besuch in Knin, er hoffe, dass jeder sein Recht wahrnehmen könne und in sein Haus zurückkehren könne: "Vor allem aber hoffen wir, dass sich die wirtschaftliche Lage zum Besseren wenden wird und die Menschen Arbeit finden. Wenn es Arbeit gibt, dann findet sich auch alles weitere wie Schulen, Gesundheitversorgung usw.", sagte Mesic.

Die Bürgermeisterin von Knin, Josipa Rimac, betonte, jede Idee, jeder Vorschlag, jede Anregung, wie man die Wirtschaft in Knin voranbringen könne, sei herzlich willkommen. Überschattet wurde der Besuch der beiden Präsidenten in Knin vom Boykott des nationalistischen "Kroatischen Blocks". Dessen Vertreter Franjo Kristo lehnte eine Teilnahme an dem Treffen ab und erklärte, seine Anhänger stünden der Versöhnung skeptisch gegenüber und wollten an diesem "Reisezirkus" deshalb nicht teilnehmen.

Tatjana Mautner, Osijek
DW-RADIO/Kroatisch, 28.6.2006, Fokus Ost-Südost