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Fokus Osteuropa

Kroatien: Serbische Touristen höchst willkommen

Jahrelang waren Urlauber aus Serbien an Kroatiens Küste nicht gerade beliebt. Doch nun buhlen die Nachbarländer regelrecht um serbische Touristen.

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Die Adria - Kroatiens Aushängeschild

Potentielle Touristen aus Serbien sind in diesem Jahr in einer ungewohnten Position: Plötzlich sind sie stark umworben - von Kroatien, Slowenien und Montenegro. Alle wollen die serbischen Urlauber für sich gewinnen. Nachdem diese in den Nachkriegsjahren mit Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten rechnen mussten, falls sie sich überhaupt trauten, ihren Urlaub bei den Nachbarn zu verbringen, sind die Serben in diesem Jahr willkommen. In den vergangenen Jahren waren sie auf andere Urlaubsziele ausgewichen: in die Türkei, Griechenland, Bulgarien, nach Ägypten oder Tunesien.

Charmeoffensive Richtung Serbien

Die Slowenen versuchen potentielle serbische Urlauber daran zu erinnern, dass man auch eine attraktive Badeküste habe. Kroatien und Montenegro legen sich wieder ins Zeug, während sie noch im vergangenen Jahr serbische Touristen eher vergrault und stattdessen auf reiche russische Touristen gesetzt haben. Grund für den Sinneswandel sind die schlechten Prognosen für die Tourismusbranche in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Kampf um jeden Euro

Die Wettbewerber überbieten sich gegenseitig mit einer wahren Marketingflut: Billboards, Plakate, Werbekampagnen dominieren das Stadtbild so mancher serbischen Innenstadt, von den Medien ganz zu schweigen. Gewetteifert wird, wessen Küste denn nun die „europäischste“ ist. Dass auch in Serbien die Krise Einkehr gehalten hat und die Serben auch den Gürtel enger schnallen, mindert nicht die Intensität der Werbung. Schließlich zählt jeder Euro, um die Urlaubssaison zu retten. In Kroatien hängt sogar die Höhe des im Herbst bevorstehenden Nachtragshaushalts von den Einnahmen aus dem Tourismus ab.

Kroatien beliebtes Reiseziel

Doch was bringt die Werbeflut wirklich? Die DW hat eine kleine Umfrage auf Belgrads Straßen gestartet und gefragt, wer von der Werbung inspiriert seinen Urlaub in Kroatien verbringen möchte? Eine Frau sagt: „Ich nicht, früher war ich in Kroatien in Urlaub. Meine Tochter ist jetzt gerade an der kroatischen Küste, sie fährt schon seit zwei, drei Jahren dahin. Ich fahre hauptsächlich aus finanziellen Gründen nicht.“ Ein Passant antwortet: „Ich würde gerne fahren, früher habe ich es auch getan. Wenn es die Arbeit erlaubte, bin ich sehr gerne gefahren.“ Ein anderer wiederum meint: „Wir haben jahrelang dort Urlaub gemacht. Jetzt würden wir es auch tun. Wir haben dort auch Verwandte, lange Zeit hatten wir ein Haus dort.“

Gefühlte Unsicherheit vor allem bei Politikern

Manche Serben fühlen sich allerdings nicht wohl, sorgen sich um ihre Sicherheit, weil sie sich seit dem Krieg teilweise immer noch als Feind und Aggressor betrachtet sehen, heißt es. Hintergrund sind Nachrichten über Schlägereien auf offener Straße, zerstochene Reifen an Autos mit serbischem Kennzeichen oder gar die Kunde von Fahrzeugen, die im Meer versenkt worden sein sollen. Es sind vor allem serbische Politiker, die die mangelnde Sicherheit als Hauptgrund dafür nennen, warum Serben Kroatien als Urlaubsziel meiden. Bei unserer Straßenumfrage teilen die Belgrader diese Meinung allerdings nicht: „Ich bin häufig dahin gefahren, fahre aus beruflichen Gründen auch heute dorthin. Probleme hatte ich weder früher noch heute.“ Eine Frau räumt ein: „Die Angst ist schon vorhanden und nachvollziehbar. Die Animositäten werden sicherlich noch eine Weile weiterbestehen. Das ist doch normal. Aber es sind die eigenen Erfahrungen, die zählen. Und in punkto Sicherheit gibt es da keine Probleme.“

Auf die Preise kommt es an

Interessant ist eine Statistik von Touristikfachleuten, der zufolge sich Frauen eher für einen Urlaub in Kroatien entscheiden als Männer. Was aus serbischer Sicht tatsächlich gegen das Urlaubsland Kroatien spricht, sind die Preise. Reisebüros berichten, dass viele Kunden sich zwar nach Zielen in Kroatien erkundigten, doch buchten nur es wenige. Zwar sei die Zahl der Pauschalreisenden gestiegen, aber nur auf niedrigem Niveau.

Autoren: Ivica Petrovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Birgit Görtz

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