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Fokus Osteuropa

Kroatien: Schwerer Stand für investigative Journalisten

Einerseits sollen die Medien Missstände aufdecken. Andererseits sehen sich gerade Journalisten bedroht. Nun fordern sie Zagreb auf, mehr zu ihrem Schutz zu unternehmen.

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Kritische Journalisten im Visier von Gewalttätern

Das Thema Medienfreiheit und der Kampf gegen Korruption beschäftigt in Kroatien inzwischen das Parlament. Eine Kommission, die sich mit Strategien für den Kampf gegen Korruption befasst, hat sich in einer Sitzung mit der Rolle der Medien bei der Aufklärung von kriminellen Machenschaften befasst. Kommissionsmitglied Nikola Krstic machte auf ein Problem aufmerksam: Die Medien sollten ein gesellschaftliches Korrektiv sein. Sie selbst würden als nicht korruptionsgefährdet angesehen. Aber das Gegenteil sei der Fall.

Dass sich die Lage der Medien und der Journalisten insgesamt im vergangenen Jahr verschlechtert hat, darauf verwies auch der Präsident des Kroatischen Journalistenverbandes (HND), Zdenko Duka. Einer der Gründe: Geldmangel wegen rückläufiger Einnahmen der Herausgeber. Das bekämen auch die Journalisten immer mehr zu spüren.

Boulevardisierung bemängelt

Vor allem investigativ arbeitende Journalisten haben inzwischen große Probleme bei ihrer Arbeit. In der kroatischen Medienlandschaft herrsche eine breite Boulevardisierung vor, die sich mit Unfällen, Verbrechen sowie Unterhaltung befasse, kritisieren Medienvertreter seit langem.

Diese Art der Berichterstattung verdränge den Investigativjournalismus, obwohl er eine wichtige Stütze im Kampf gegen Korruption sei, gaben Teilnehmer bei der Sitzung der Parlamentskommission zu bedenken. Die Leiterin des Ressorts für investigativen Journalismus beim HND, Renata Ivanovic, belegte den Trend mit Zahlen: Von rund 30 Investigativjournalisten hätten zehn ihre Arbeit verloren. Sie würden nicht mehr veröffentlichen oder stünden sogar unter Polizeischutz.

Zahl der Übergriffe steigt

Journalisten, die über Korruption und organisierte Kriminalität berichteten, würden auch tätlich angegriffen, so die Vorwürfe. Beispiel Dusko Miljusa: Der Journalist steht inzwischen unter Polizeischutz. Dennoch sei er kürzlich erneut bedroht worden, berichtete Miljusa auf der Sitzung. „Mich wundert nur, warum die Motivation nicht höher ist, nicht nur meinen, sondern auch die übrigen Fälle von Kollegen zu lösen.“ Laut dem vom HND herausgegebenen „Weißbuch“ soll die Zahl der Übergriffe auf oder Drohungen gegen Journalisten bzw. Eigentümer von Medien in der ersten Hälfte 2009 von 45 auf 80 gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr gestiegen sein.

Die Journalistin Helena Puljiz forderte Gesetze nach britischem oder amerikanischem Beispiel, um die Journalisten besser vor Attacken zu schützen. Gerade investigative Journalisten benötigten Unterstützung, denn ihre Arbeit diene dem Allgemeinwohl, da sie Missstände in der Gesellschaft aufdeckten. „Wir, die wir Alarm schlagen gegen Korruption, sollten einen besseren Schutz bekommen“, meinte Puljiz.

Autorinnen: Gordana Simonovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Birgit Görtz

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