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Fokus Osteuropa

Kroaten in der Schuldenfalle

Kroatien ist hoch verschuldet. Das gilt nicht nur für den Staat, sondern auch für den einfachen Bürger. Die Kroaten geben mehr im Monat aus, als sie verdienen. Und dies betrifft 80 Prozent der Haushalte.

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Vor Monatsende sind die Taschen bereits leer

Ende 2005 hat die Verschuldung Kroatiens beunruhigende 85 Prozent des Bruttoinlandproduktes erreicht. In Euro betragen die kroatischen Schulden damit 25,5 Milliarden. Die Schulden, so warnen Ökonomen, seien deshalb besonders gefährlich, weil sie zuletzt um zwölf Prozent gewachsen sind, das Bruttoinlandsprodukt dagegen nur um vier Prozent gewachsen ist. In früheren Jahren war der Hauptschuldner stets der Staat, nun wurde diese Stelle 2005 von Banken und Firmen übernommen.

Regierung handelt

Der Staat, so Ante Zigman, einer der Wirtschaftsberater der Regierung, stehe nun am Ende der Schuldner-Liste: "Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen mit dem Ziel, die Verschuldung zu stoppen. In erster Linie hat sie die Staatsausgaben gesenkt. Und sie hat weitere Maßnahmen ergriffen, zum Beispiel durch die Erhöhung der Verbrauchssteuer auf die Einfuhr von Autos. Ähnliche Maßnahmen wird sie auch in der Zukunft durchführen, solange sich die Tendenz einer Erhöhung der Auslandsverschuldung fortsetzt."

Verschuldung der Bürger wächst

Die Verschuldung der Banken ist ein Resultat der enormen Nachfrage der Bürger nach Krediten. Damit werden immer häufiger die elementarsten Bedürfnisse des täglichen Lebens gedeckt, so die neuesten Untersuchungen des Zagreber Marktforschungsinstitutes GfK. Denn vier Fünftel der kroatischen Haushalte besitzen weniger Einkünfte als nötig. Oder anders gesagt, 80 Prozent der Haushalte gelingt es mit ihren Einkünften nicht, ihre Ausgaben zu decken. Die Untersuchung, auf der Basis von tausend Haushalten, hat gezeigt, dass der durchschnittliche kroatische Haushalt im vergangenen Jahr über 6.000 Kuna, beziehungsweise 815 Euro monatlich verfügte. Zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse hätten sie aber nach eigener Einschätzung etwa 8.690 Kuna, bzw. 1.174 Euro benötigt. Um die Differenz zwischen dem zur Verfügung stehenden und dem benötigten Geld zu überbrücken, bedienen sich viele Kroaten der Kreditkarten und überziehen das Girokonto.

Den Untersuchungsergebnissen von GfK zufolge geben die kroatischen Haushalte ein Drittel ihrer Einkünfte für Lebensmittel und Getränke aus. Und solange dieser Kostenanteil nicht auf unter 20 Prozent sinke, sei es nicht möglich, von einem tatsächlich verbesserten Lebensstandard der Kroaten zu sprechen.

Gordana Simonovic, Zagreb
DW-RADIO/Kroatisch, 6.3.2006, Fokus Ost-Südost