Kritische Edition von ″Mein Kampf″ erhält hoch dotierten Preis | Aktuell Kultur | DW | 17.11.2016
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Aktuell Kultur

Kritische Edition von "Mein Kampf" erhält hoch dotierten Preis

Im Vorfeld ihrer Veröffentlichung wurde heftig debattiert. Jetzt wird die wissenschaftlich kommentierte Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" ausgezeichnet. Sie schließe eine große Lücke in der NS-Forschung, so die Jury.

Die "Mein Kampf"-Edition des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München wird mit dem Wissenschaftspreis des Stifterverbandes "Gesellschaft braucht Wissenschaft" ausgezeichnet. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt alle zwei Jahre hervorragende Leistungen von Forschern, deren Arbeit sich durch besondere gesellschaftliche Relevanz und gelungene Umsetzung hervorheben. Er wird auf Vorschlag der Leibniz-Gemeinschaft verliehen und ist dem Wissenschaftsverein gewidmet. 

Deutschland Mein Kampf Christian Hartmann (picture alliance/dpa/M. Müller)

Er hat von 2009 bis 2016 an der kritischen Edition gearbeitet: Historiker Christian Hartmann

Der Historiker Christian Hartmann und sein Team hätten akribisch die Ausführungen Hitlers geprüft und sich intensiv mit den Quellen seiner rassistischen Argumentation auseinandergesetzt, begründet die Jury ihre Entscheidung: "Die Publikation zeigt Hitlers Falschaussagen und Verdrehungen auf, korrigiert sachliche Fehler und erläutert den zeitgenössischen Kontext." Eine komplette wissenschaftliche Untersuchung der zentralen Propagandaschrift Hitlers hatte bisher in der Forschung über den Nationalsozialismus in Deutschland gefehlt.

Die zunächst kontrovers diskutierte kritische Ausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" kam Anfang 2016 nach Erlöschen der Urheberrechte auf den Markt und wurde bislang mehr als 80.000 Mal verkauft. Sie schaffte es auf Platz eins der Bestsellerliste.

Deutschland Mein Kampf von Adolf Hitler (picture-alliance/dpa/D. Karmann)

Der Neudruck von "Mein Kampf" war bis Ende 2015 in Deutschland wegen des Urheberrechtes verboten

Zusammen mit der kritischen "Mein Kampf"-Ausgabe wird auch die Ebola-Forschung des Immunologen Cesar Muñoz-Fontela mit dem Preis ausgezeichnet. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, hebt den konkreten Nutzen der Arbeiten hervor: "Die Arbeiten der Preisträger zeigen in beeindruckender Weise, wie unmittelbar die Gesellschaft durch die verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft profitieren kann." Der Preis wird am 23. November im Rahmen der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin verliehen.

jhi/ bb (dpa/Leibniz Gemeinschaft)

 

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