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Wirtschaft

Kritiker stürzen Führung der Deutschen Börse

Die Führung der Deutschen Börse hat den Machtkampf mit ihren Großaktionären verloren. Vorstandschef Seifert trat mit sofortiger Wirkung zurück. Aufsichtsratsvorsitzender Breuer scheidet zum Jahresende aus.

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Gemeinsamer Rücktritt: Seifert (links) und Breuer (Archiv)

Auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Deutsche Börse AG am Montag (9.5.2005) teilte das Unternehmen weiter mit, dass Aufsichtsratschef Rolf Breuer mit der Suche nach einem Nachfolger von außen für Werner Seifert beaufragt wurde. Bis dahin wird Finanzvorstand Mathias Hlubeck die Geschäfte führen.

Börse in Frankfurt am Main, Stier und Bär p178

Frankfurter Börse mit Symbolen von Bär und Stier

Mit den Rücktritten endet der monatelange Machtkampf zwischen der Deutschen Börse und Anteilseignern des britischen Hedgefonds TCI. Anlass für den Streit war die versuchte Übernahme der Londoner Börse durch den deutschen Konkurrenten. TCI hatte Anfang März gemeinsam mit anderen Kritikern den Abbruch der Fusionspläne erzwungen. Anschließend hatten sie den Rücktritt von einigen Aufsichtsräten sowie dem Chef des Kontrollgremiums gefordert. Unter anderem argumentierten die Kritiker, der Aufsichtsrat repräsentiere nicht mehr die aktuelle Aktionärsstruktur der Deutschen Börse.

Anpassung an neue Eigentümerstruktur

In einer Erklärung der Börse hieß es weiter, Aufsichtsrat und Vorstand sollten an die "neue Eigentümerstruktur" angepasst werden. Die Gegner Breuers und Seiferts rund um den britischen Hedgefonds TCI hatten kritisiert, der Aufsichtsrat repräsentiere nicht mehr die aktuelle Aktionärsstruktur. Nur noch sieben Prozent der Anteilseigner sollen derzeit noch aus Deutschland kommen, der Rest aus dem Ausland, davon etwa 48 Prozent aus Großbritannien.

Unterstützung erhielten die Kritiker auch von einem deutschen Anteilseigner. Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, hatte angekündigt, sie werde sich bei dem Antrag auf Abwahl Breuers der Stimme enthalten. Hintergrund könnte demnach sein, dass der einstige Präsident des Bankenverabandes oft harsche Kritik an den Sparkassen geübt hatte.

Besänftigungsversuch ohne Erfolg

60 Jahre Danach - Bildgalerie - London 05/20

Gescheitert: Übernahme der Londoner Börse

Um die Opponenten zu besänftigen, hatte die Börse bereits am vergangenen Dienstag vorzeitig ein Rekordergebnis für das erste Quartal vorgelegt und zugleich einen Geldregen für die Aktionäre angekündigt. Bis Mai 2007 sollen den Anteilseignern rund 1,5 Milliarden Euro zufließen. Mit den guten Nachrichten war der Börsenvorstand auf Werbetour bei Investoren in Europa und den USA gegangen. Doch die Abwahl Seiferts und Breuers konnten auch das gute Ergebnis und die US-Tour nicht mehr verhindern. (mik)

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